Wer Zu spät kommt, den bestraft das Leben

Ehrlichkeit auch von Betriebsleitern nötig

Einige Leiter verlassen 1990, nachdem auch das Abzeichensymbol der SED abgeschafft wurde, jetzt ganz stillschweigend "das sinkende Schiff" - DIE PARTEI.

Die Mitgliedschaft in der SED war hier für Jahrzehnte, zumindest ab Abteilungsleiter aufwärts, neben dem Hochschulabschluss die Voraussetzung für eine leitende Tätigkeit.

Die langjährige, bewusste Mitgliedschaft in einer Partei, die "immer recht hatte", die "Wahrheit" gepachtet zu haben schien und sie dogmatisierte, die Menschen gängelte, maßregelte... - war niemals Privatsache, sondern diente dem alten Machtapparat und war auch Machtinstrument.

Wie kann also der SED-PDS-Austritt gerade zum jetzigen späten Zeitpunkt "Privatsache" sein, die vielleicht nicht einmal die "Untergebenen" etwas angeht bzw. zu interessieren hat? Seit November 1989 zunehmende Sprachlosigkeit sowie weitere Fehleinschätzungen und jetzt "still und leise" der Austritt diese Leiter. - So nicht!

Wir wollen Ehrlichkeit und "aufrechten Gang" nicht nur bei Regierung und Parlament, sondern auch auf der Straße, in der Familie und gerade jetzt auch im Betrieb.

Es gilt besonders für Leiter in den Betrieben, sich vor allem an Legitimation und Glaubwürdigkeit messen zu lassen: denn

"wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!"

Martin W(...)
Berlin 1020

aus: Berliner Zeitung, Nr. 59, 10./11.03.1990, 46. Jahrgang


Wer Zu spät kommt, den bestraft das Leben, ein Satz, den Michail Gorbatschow nie sagte aber als "sein Satz", von anderen oft benutzt, bekannt wurde. Bei einer Übersetzung wurden Gorbatschows Ausführungen in diesem Satz zusammengefasst.