DDR 1989/90Brandenburger Tor


Rücktritt und alles ist in Ordnung?

Der Reformprozess in unserem Land fordert von uns allen eine aktive Mitarbeit. Jahrelang haben wir versucht, unseren Standpunkt klar und deutlich zu vertreten. In Anbetracht der Tatsache, dass wir keine Genossen der SED sind, war es unendlich schwer, - bei bestehender Zensur, bei der Hochnäsigkeit und Arroganz, die viele Genossen in unserem Betrieb zur Schau tragen, und bei bestehenden Gesetzlichkeiten, die jegliche oppositionelle Entwicklung verboten, - Gehör zu finden. Deshalb fordern wie:

1. Rücktritt der Betriebsparteileitung

2. Bildung einer neuen Betriebsleitung mit demokratischem Arbeitsstil

3. Schaffung einer eigenständigen Gewerkschaft

4. Neubildung des Wettbewerbs oder Wegfall

5. Abschaffung des Neuererwesens unter den gegebenen Umständen

6. Abschaffung der Kampfgruppen

Zu den oben genannten Ausführungen stehen wir und erklären unsere Mitarbeit.

Im Namen vieler meiner Kollegen.
Klaus G(...), am 10. November 1989

aus: Der Regler, Nr. 24/89, 1. Dezember-Ausgabe, 35. Jahrgang, Betriebszeitung der Eisenbahner des Dienstortes Cottbus