DDR 1989/90Brandenburger Tor


Am 14. April 1990 erstmals:

Dresdner Ostermarsch

"Sächsische Friedensinitiative" gibt Anstoß

SZ sprach mit Anneliese Feurich, Mitbegründerin der "Sächsischen Friedensinitiative Dresden" und engagierte Christin, über Vorhaben und Ziele der Vereinigung.

SZ: "Sächsische Friedensinitiative Dresden" - worauf orientiert diese neue Basisgruppe?

Anneliese Feurich: In der jetzigen Zeit haben die Menschen in unserem Land Ängste und Sorgen, ungewisse Vorstellungen von den kommenden Monaten. Vieles wird einfach verdrängt, leider auch die Friedensfrage. Unsere Initiative möchte mit möglichst vielen Parteien, Bewegungen und kirchlichen Kreisen zu Fragen des inneren und äußeren Friedens der Menschheit zusammenarbeiten. Das betrifft solche Themen wie Abrüstung, Probleme der Dritten Welt, Rettung der Natur sowie Vergangenheitsbewältigung, Entfaltungsmöglichkeiten und Achtung jedes Menschen. Vieles liegt offen. Wichtig ist uns, dass Menschen aller politischen und weltanschaulichen Bindungen, die sich zu Gewaltlosigkeit, Antifaschismus und Völkerversöhnung bekennen, für die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit eintreten.

SZ: Planen Sie konkrete Aktionen?

Anneliese Feurich: Wir arbeiten momentan an der Vorbereitung einer Initiative, die wir für sehr wichtig halten. Berliner Friedensfreunde riefen gemeinsam mit Friedensorganisationen der BRD und anderen, europäischen Nachbarn zum "Ostermarsch '90 für Solidarität und radikale Abrüstung" auf. Die "Sächsische Friedensinitiative Dresden" setzt sich nun mit basisdemokratischen Gruppen, Organisationen und Bürgerbewegungen, mit Kirchen und Religionsgemeinschaften in Verbindung, um auf einem Dresdner Ostermarsch am 14. April unser aller Friedensverantwortung zu bezeugen. Wir haben einen kleinen Vorbereitungskreis gebildet, dem Vertreter aller politischen Richtungen angehören.

SZ: Aus welchen Motiven heraus setzen Sie sich für die Initiative ein?

Anneliese Feurich: Mein christlicher Glauben verpflichtet mich dazu. Seit 40 Jahren trete ich für die Sache des Friedens ein und möchte auch jetzt nicht nur abwarten und zusehen. Ich "vernetze" unheimlich gern verschiedene Menschen miteinander, gebe Informationen weiter, habe viele Kontakte. Diese will ich nutzen, um Arbeitskreise in der "Sächsischen Friedensinitiative Dresden" anzuschieben, sie auch weiterhin zu unterstützen. Aber die Hauptarbeit müssen dann schon die Jungen machen. Der Ostermarsch liegt mir sehr am Herzen, denn er regt die Frauen und Männer zum Nachdenken an, lässt sie weiterdenken. Und das ist, unsere Aufgabe.

Herzlichen Dank für die Auskünfte!

(Im Gespräch mit
Anneliese Feurich
war Kay Lilienblum.)

aus: Sächsische Zeitung, Nr. 46, 23.02.1990, 45. Jahrgang, Tageszeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur, Herausgeber: Verlag Sächsische Zeitung