DDR 1989/90Brandenburger Tor


Do. 7. September 1989


Der Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in der BRD, Botschafter Horst Neubauer, bekräftigte am Donnerstag in Bonn gegenüber dem Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes der BRD, Rudolf Seiters, den Standpunkt der DDR in der Frage des widerrechtlichen Aufenthaltes von Bürgern der DDR in diplomatischen Vertretungen der BRD sowie zur völkerrechtswidrigen Wahrnehmung einer sogenannten Obhutspflicht für Bürger der DDR durch die BRD. Botschafter Horst Neubauer forderte die unverzügliche Einstellung der von der BRD aus geführten Hetz- und Verleumdungskampagne gegen die DDR. Sehr nachdrücklich verwies er auf die Verantwortung beider deutscher Staaten für Frieden und Sicherheit in Europa, der sich auch die BRD nicht entziehen kann.

Botschafter Horst Neubauer bekräftigte die wiederholt erklärte Bereitschaft der DDR, die Beziehungen zwischen der DDR und der BRD weiter zu normalisieren. Um auf diesem im Interesse der Menschen in beiden Staaten liegenden Weg weiter voranzukommen, ist es erforderlich, dass die BRD endlich zu einer Politik des Realismus und der Respektierung der gegenseitigen Interessen zurückkehrt.
(Neues Deutschland, Fr. 08.09.1989)

Mit einer Bezirksparteiaktivtagung der Berliner Partei-Organisation der SED wurden gestern in der Humboldt-Universität das Parteilehrjahr, das FDJ-Studienjahr und die gewerkschaftlichen Schulen der sozialistischen Arbeit eröffnet. Vor 750 Parteiaktivisten und Propagandisten erläuterte das Mitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees Günter Schabowski, 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung, am Vorabend des 40. Jahrestages die Aufgaben der Parteiorganisationen bei der weiteren Vorbereitung des XII. Parteitages. Die Teilnehmer verabschiedeten einen Brief an Erich Honecker.
(Berliner Zeitung, Fr. 08.09.1989)

Wie an jeden 7. eines Monats wird gegen die Fälschung der Kommunalwahl vom 07.05.1989 protestiert. Auf dem Alexanderplatz in Berlin kommt es deshalb zu Festnahmen.

In der Frankfurter Rundschau ist am 09.09. zu lesen, dass alle Festgenommen einen Tag später freigelassen wurden.

"Wie Kirchenkreise betonten, hatte ein Großaufgebot der Staatssicherheit die Proteste 'mit selten gesehener Brutalität' unterbunden. Etliche Demonstranten seien an den Haaren weggeschleift und geschlagen worden. Einige hätten ärztlich behandelt werden müssen."

Im Gästehaus des Rates des Bezirks Dresden findet ein Gespräch zwischen Vertretern des Staates und Kirchenvertretern über den beabsichtigten Bau eines Reinstsiliziumwerkes in Dresden-Gittersee und die Proteste dagegen statt. Der Ökologische Arbeitskreis der Dresdner Kirchenbezirke darf nicht offiziell an dem Gespräch teilnehmen, ist aber inoffiziell an dem Gespräch beteiligt.

Aufruf zur Kundgebung am 10.09.1989 auf dem Berliner Bebelplatz

(Anzeige in der Berliner Zeitung am 07.09.1989)

Bundeskanzler Helmut Kohl empfängt eine Delegation mit dem Vorsitzender der Gewerkschaft Solidarność, Lech Walesa, an der Spitze. Lech Walesa hatte Bundesminister Norbert Blüm eine Liste mit 16 Gdańsker Unternehmen übergeben, die Interesse an einer Kooperation mit bundesdeutschen Unternehmen haben. Kohl unterrichtete Walesa, dass der DIHT westdeutsche Kooperationsinteressenten gefunden hat.