DDR 1989/90Brandenburger Tor


Sa. 28. Oktober 1989


In Plauen hatten sich Sonnabend Nachmittag 40 000 Menschen vor dem Rathaus versammelt. Die auch aus anderen Kreisen und Bezirken angereisten Teilnehmer dieser Kundgebung drängten mit dem Ruf "Keine Reden mehr wir wollen Taten sehen" auf schnelle Losungen für herangereifte Probleme. Redner kritisierten auch Fehlentscheidungen auf kommunalpolitischem Gebiet. Neben einer Veränderung des Wahlsystems, Presse- und Reisefreiheit wurde auch die Zulassung der Vereinigung "Neues Forum" gefordert.

In den Abendstunden des Sonnabend versammelten sich auf dem Rostocker Ernst-Thälmann-Platz vor dem Rathaus über 10 000 Einwohner zu einer Demonstration. Rostocks Oberbürgermeister Dr. Henning Schleift begab sich daraufhin unter die Menge und forderte dazu auf, das Gespräch nicht auf der Straße, sondern im Rathaus zu führen. Rund 300 folgten der Bitte und begannen eine breitgefächerte Diskussion über alle möglichen Themen. Draußen hingegen setzte sich der Zug der Demonstranten durch die Lange Straße in Bewegung. In Sprechchören wurde gerufen "Schließt euch an", "Demokratie jetzt", "Pressefreiheit", "Umwelterziehung statt Wehrerziehung", "Wir brauchen einen sozialen Zivildienst" und ähnliches.

Zu einer Kundgebung versammelten sich am Sonnabend 3 500 Bürger auf dem Neumarkt von Senftenberg. Kreisratsvorsitzende Hannelore Wagner und Bürgermeister Bernd Huhle, die dazu eingeladen hatten, stellten sich dem Dialog. Themen waren u. a. die führende Rolle der SED, die Möglichkeit eines Wehrersatzdienstes und die Berechtigung von Wehrkundeunterricht und freie Wahlen.
(Neues Deutschland, Mo. 30.10.1989)

In der Ingenieurschule für Bergbau und Energetik, im Haus der Werktätigen und in zwei Oberschulen diskutierten Bürger Fragen der Demokratie, des Umweltschutzes, von Bildung und Erziehung sowie über das kulturelle Leben in der Bergarbeiterstadt.
(Berliner Zeitung, Mo. 30.10.1989)

Ein polizeilich genehmigter Demonstrationszug vereinte am Sonnabendnachmittag rund 6 000 Einwohner von Greiz und aus anderen Orten des Kreises sowie des Bezirkes Karl-Marx-Stadt. Auf ihrem Marsch durch die Innenstadt forderten die Bürger auf mitgeführten Losungen und in Sprechchören "Neues Forum warum nicht?", "Demokratie jetzt oder nie!", "Freie Wahlen", "Zivilen Wehrersatzdienst" die Verbesserung der Umweltbedingungen in der Industriestadt.

Kritik am Baugeschehen in Halberstadt bekundeten am Sonnabend viele Bewohner der Vorharzstadt im Bezirk Magdeburg. Daß ein Teil der Stadt durch den Krieg zerstört wurde, dafür trage hier niemand Schuld. Aber daß die Altstadt nicht mehr existiert, dafür können viele in diesem Raum, sagte Rosemarie Lauenstein auf einem Forum im Klubhaus der Werktätigen.
(Neues Deutschland, Mo. 30.10.1989)

Einen Tag, nachdem die Zentralratstagung eine radikale Änderung des Konzepts der FDJ angekündigt hatte, trafen sich Hunderte junge Leute mit Eberhard Aurich, Wilfried Poßner, weiteren Sekretären des Zentralrats und Dr. Gustav Bathke vom Zentralinstitut für Jugendforschung zur ersten Sonnabend-Runde in Berlin. In zahlreichen weiteren Städten der Republik fanden am Wochenende Demonstrationen und Foren statt, an denen sich Zehntausende Bürger beteiligten.
(Neues Deutschland, Mo. 30.10.1989)

Der stellvertretende Kulturminister, Klaus Höpcke, kündigt in einem Interview an, dass Stefan Heyms "Schwarzenberg", Walter Jankas "Schwierigkeiten mit der Wahrheit" und Monika Marons "Flugasche" in der DDR erscheinen werden.

Die Dresdner Gruppe von Demokratie Jetzt stellt den Antrag auf Fusion mit dem Demokratischen Aufbruch. Damit soll die Zersplitterung der Bürgerbewegung verhindert werden.

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