DDR 1989/90Brandenburger Tor


Mo. 27. November


Eine Initiativgruppe zur Gründung eines unabhängigen Frauenverbandes der DDR hat sich mit einem Aufruf an alle Frauen gewandt und zu einem Frauentreffen am 3. Dezember 1989 um 10 Uhr in die Volksbühne eingeladen. In dem ADN am Montag übermittelten Aufruf heißt es: "In der gegenwärtigen Situation des gesellschaftlichen Umbruchs spielen die Interessen- von Frauen bislang eine untergeordnete Rolle. Wir befürchten eine weitere Verschlechterung der sozialen Lage der Frauen, die erneute Ausgrenzung von Frauen bei wichtigen politischen und ökonomischen Entscheidungen."
(Neues Deutschland, Di. 28.11.1989)

Den sofortigen Ausschluss von Harry Tisch aus dem FDGB haben die BGL sowie AGL-Vorsitzende und Vertrauensleute im Bundesvorstand des FDGB gefordert. Wie aus einer Pressemitteilung an den ADN außerdem hervorgeht, fordern sie darüber hinaus von der 11. Bundesvorstandssitzung am Mittwoch die Bildung eines Untersuchungsausschusses zur schonungslosen Aufdeckung des Amtsmissbrauchs, der persönlichen Bereicherung und des gewerkschaftsschädigenden Verhaltens des ehemaligen Vorsitzenden. Mit Empörung hatten sie, die Presseinformationen im Zusammenhang mit der Befriedigung seiner Jagdlüste in Eixen zur Kenntnis genommen.
(Neues Deutschland, Di. 28.11.1989)

Der Bezirksverband Berlin der am 7. Oktober gegründeten Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) stellte sich am Montagabend auf einer Pressekonferenz in der Friedrichstadtkirche vor.

Sie stehe laut Statut "den Traditionen des demokratischen Sozialismus der europäischen Sozialisten und Sozialdemokraten nahe" und verstehe sich als Vereinigung von "Menschen verschiedener Grundüberzeugungen und Glaubensbekenntnisse, die sich den Traditionen von Demokratie, sozialer Gerechtigkeit sowie der Verantwortung für die Bewahrung der natürlichen Umwelt verpflichtet fühlen."

Ab 1. Dezember informiert ein Büro werktags von 17 bis 21 Uhr am Dr.-Kurt-Fischer-Platz 6 in Pankow, Tel. (...).
(Neue Zeit, Mi. 29.11.1989)

Der Gründungsparteitag des "Demokratischen Aufbruchs" findet am 16. und 17. Dezember in Leipzig statt. Das gab deren Vorsitzender, Rechtsanwalt Wolfgang Schnur, am Montag in Berlin auf einer internationalen Pressekonferenz bekannt. Gegenwärtig habe der "Demokratische Aufbruch" rund 10 000 eingeschriebene Mitglieder, die Tendenz sei steigend. Er bekräftigte die Absicht dieser künftigen Partei, in ein neu zu wählendes Parlament der DDR zu kommen.

Auf der Pressekonferenz, an der auch das Vorstandsmitglied Pfarrer Rainer Eppelmann und FDP-Vorsitzender Otto Graf Lambsdorff teilnahmen, wurde darüber informiert, dass den in der Volkskammer der DDR vertretenen Parteien seitens einer Kontaktgruppe neugebildeter Organisationen und Gruppen der Vorschlag zum ersten "Runden Tisch" am 7. Dezember im Bonhoeffer-Haus unterbreitet wurde.

Weitere Themen der Pressekonferenz waren Ergebnisse eines Seminars zu Problemen des Gesundheitswesens in der DDR von Mitgliedern des "Demokratischen Aufbruchs", des "Neuen Forums", von "Demokratie jetzt", der LDPD, der FDP der Bundesrepublik und der Samaritergemeinde Berlin sowie der Beginn einer demokratischen Jugendarbeit von Jugendlichen im "Demokratischen Aufbruch". Gefordert wird die Einrichtung eines Valuta-Gesundheitsfonds zur Einfuhr hochwertiger Medizintechnik, Verbrauchsmaterialien und Medikamente, der von beiden deutschen Staaten getragen werden sollte.

Der "Demokratische Aufbruch" unternehme eine Initiative zur Gründung einer Stiftung deren Aufgabe die unabhängige Förderung der ärztlichen Tätigkeit ist. Schwerpunkte dabei seien internationale Bildungsmaßnahmen einschließlich Austausch von Ärzten, Einrichtungen und Betreuung von Niederlassungen und Kliniken unterschiedlicher Eigentumsformen, Ausarbeitung eines differenzierten Versicherungsrechtes in der DDR, die Unterstützung von Forschungsprojekten und Unterstützung, Bildung und Betreuung von Klein- und Mittelbetrieben der Medizintechnik und Pharmazie.
(Neues Deutschland, Di. 28.11.1989)

Eine Initiativgruppe von Wissenschaftlern hat die Vorbereitungen zur Gründung eines unabhängigen Instituts für Umweltfragen in der DDR abgeschlossen. Das Institut wird 1989 seine Arbeit aufnehmen.
(Neues Deutschland, Mo. 27.11.1989)

Interflug beabsichtigt, einen regelmäßigen Flugverkehr zwischen Dresden und Hamburg aufzunehmen. Wie ADN auf Anfrage von Generaldirektor Dr. Klaus Henkes erfuhr, hat Interflug die erforderlichen Flugrechte bei den zuständigen Bonner Behörden beantragt. Bis gestern waren die entsprechenden Genehmigungen an Interflug noch nicht erteilt, wie Dr. Henkes unter Bezug auf anderslautende Pressemeldungen mitteilte.
(Berliner Zeitung, Mo. 27.11.1989)

In der Aula der Goethe-Oberschule in Weimar wird der Ortsverband der Sozialdemokratischen Partei in der DDR gegründet.

Die erste Ausgabe des SDP-Mitteilungsblatt "konkret" erscheint.

Der Generaldirektor des Kombinat VEB NAVA "Rosa Luxemburg", Dr. Uwe Wulf, sagt in einem Interview: "Durchsetzung des Leistungsprinzip unter diesem Gesichtspunkt würde für mich auch heißen, dass ich Werktätige, oder auch Angestellte, die absolut die Leistung nicht bringen, die am Arbeitsplatz erforderlich ist, unkompliziert von diesem Arbeitsplatz entlassen können muss."

In Leipzig kommt es zu einer "kleinen" Demonstration, die sich bewusst von der "großen" Demonstration absetzen will. So von der Parole "Deutschland einig Vaterland". Hier wird die Beseitigung noch vorhandener Machtstrukturen und die Selbstverwaltung der Betriebe gefordert.

In Bernburg (Saale) ziehen die Demonstranten vors Rathaus und vor die MfS-Kreisdiensstelle.

In Gotha gründet sich ein Bürgerkomitee.

In Berlin wird die letzte Sendung "Radio Glasnost", eine Sendung des ersten privaten Rundfunksenders in Berlin, Radio 100, ausgestrahlt.

Erstes Überangebot von Waren aus der DDR in Westberlin, z.B. von Modelleisenbahnen. Auch das Arbeitskräfteangebot nimmt zu.

Der Vorsitzende der Partei "Die Republikaner", Franz Schönhuber, gibt auf einer Pressekonferenz in Bonn sein Ehrenwort, dass es in der DDR bereits mehre Ortsverbände der Republikaner gibt.

In Berlin kommt es zu einem Treffen zwischen dem Präsidium des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR und einem Vertreter des Amtes für Nationale Sicherheit. Thema des Gesprächs sind antisemitische und neonazistische Vorfälle und Erscheinungen in der DDR.

Im Konrad-Adenauer-Haus in Bonn stellt CDU-Generalsekretär Volker Rühe der Presse die Aktion der CDU-Bundesgeschäftsstelle "Wir sind ein Volk!" vor.

In Paris tagt die Gemischte Regierungskommission DDR-Frankreich.

Schweden setzt die Visumspflicht für Besucher aus der DDR aus.

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