DDR 1989/90Brandenburger Tor


So. 10. Dezember


Mit einem Appell zur Gewaltlosigkeit wandte sich am Sonntag das Leipziger Bürgerkomitee zur Gewährleistung der öffentlichen und parlamentarischen Kontrolle im Bereich der inneren Sicherheit an die Bürger der Stadt. Während einer Pressekonferenz im Bezirksamt für Nationale Sicherheit wurde das am Vorabend vom Neuen Forum, dem Demokratischen Aufbruch, der SDP, dem Leipziger Umweltbund "öko-löwe", der Initiative Frieden und Menschenrechte sowie dem Studentenrat der Karl-Marx-Universität gemeinsam verfasste Papier verlesen. Es beschwört den Volkszorn, keine Selbstjustiz zu üben und Übergriffe zu vermeiden. Nur gewaltfrei könnten alle Aufklärungen betrieben werden, nur weiteres besonnenes und friedliches Handeln würde die verantwortungsvolle und aufwendige Komiteearbeit unterstützen.
(Neues Deutschland, Mo. 11.12.1989)

Der ehemalige NDPD-Vorsitzende Heinrich Homann wird aus der Partei ausgeschlossen. Im wird schwere moralische und politische Schädigung des Ansehens der Partei durch Amtsmissbrauch zum persönlichen Vorteil, vorgeworfen.

Der ehemalige NDPD-Vorsitzende Heinrich Homann hat ADN am Dienstag eine Erklärung zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen übermittelt. "Den ohne meine Anhörung erfolgten Ausschluss aus der NDPD haben die Mitglieder des Hauptausschusses vor sich zu verantworten", heißt es darin. Mit aller Entschiedenheit weise er jedoch die Vorwürfe des selbstherrlichen Umgangs mit Parteigeldern wie des Amtsmissbrauchs zum persönlichen Vorteil zurück. Mit der Wahrnehmung seiner Rechte habe er Rechtsanwalt Dr. Friedrich Wolf beauftragt.
(Neues Deutschland, Mi. 13.12.1989)

Das Komitee zur Vorbereitung des außerordentlichen FDGB-Kongresses beschließt die "Erklärung für eine grundlegende Erneuerung des FDGB als Gewerkschaftsbund freier und unabhängiger Industriegewerkschaften und Gewerkschaften in der DDR".

Die Gründungsgruppe DIE NELKEN veröffentlicht einen Gründungsaufruf.

In der Bezirkszentrale der Staatssicherheit in Leipzig gab das Bürgerkomitee am 10.12. eine Pressekonferenz. Es wurde über ihre bisherige Arbeit berichtet und über die bevorstehenden Aufgaben. In einer Erklärung wurden die Angriffe auf Gebäude und Personen nach den Besetzungen von Einrichtungen der Stasi berichtet. Aufgerufen wurde zur Gewaltfreiheit, gegen Übergriffe und Selbstjustiz. Tobias Hollitzer vom Bürgerkomitee berichtete später, da in dem Stasigebäude Waffen lagerten, wurde befürchtet, dass bei der Demonstration am folgenden Montag eventuell das Gebäude gestürmt und Waffen in die Hände der Demonstranten gelangen könnten. Die Waffen wurden deshalb aus dem Gebäude entfernt.

Demonstrationen finden in Cottbus (Choésebuz), Dresden, Erfurt, Ilmenau, Kronskamp, Magdeburg, Plauen, Rostock und Suhl statt. In Erfurt wird gegen geplante Abrisse im Andreasviertel und für den Erhalt von alter Bausubstanz demonstriert. Das Neue Forum ruft in Berlin zu einer Demonstration für die Solidarität mit dem rumänischen Volk und gegen Rassismus in der DDR auf. Außerdem wird eine umfassende Strafrechtsrechtsreform gefordert.

Die Überführung des in der Nähe von Laage gelegen Militärflugplatzes Kronskamp in eine zivile Nutzung wird von Demonstranten gefordert.

Die Jugendsendungen "elf 99 (DDR) und "Spruchreif" (BRD) senden gemeinsam. Neben penetranter Fröhlichkeit, gespielte Spontanität. Die Moderatorin in Hamburg springt ins Bild, als ob sie ihren Einsatz verpasst hätte.

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