DDR 1989/90Brandenburger Tor


Sa. 30. Dezember 1989


"Um den Kampf mit den sich sammelnden Kräften der alten Ordnung führen zu können, brauchen wir gerade jetzt eine einige Bürgerbewegung Neues Forum." Das wird in einer dem ADN am Sonnabend übergebenen Erklärung des Landessprecherrates des Neuen Forum zur Parteigründung in Karl-Marx-Stadt betont. "Unser Ziel, die Auflösung der alten Macht und der Aufbau der Demokratie, ist noch lange nicht erreicht! Wir werden in allen Volksvertretungen eigene Kandidaten durchbringen und werden in Basisgruppen weiterarbeiten." Wer mit formalen Argumenten zur Parteigründung unter dem Namen Neues Forum treibe, so wird in der Erklärung betont, der spalte diese Bewegung und stärke die SED-PDS.

Wie der Landessprecherrat mitteilte, lädt das Neue Forum für den 2. Januar, 18 Uhr, in das Konferenzgebäude in Niederschönhausen zu einem Pressegespräch ein. Thema ist das "Verhältnis des Neuen Forum zum Runden Tisch und zur Regierung Modrow".
(Neues Deutschland, Di. 02.01.1990)

Eine Initiativgruppe der Vereinigten Linken hat in Leipzig dazu aufgerufen, vom 14. bis 21. Januar 1990 eine "Aktionswoche gegen Rechts" durchzuführen. An ihr beteiligen sich die Städtischen Theater Leipzig, die Künstlerverbände sowie politische Gruppierungen, um damit gegen Gewaltanwendung und Diskriminierung Andersdenkender als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu protestieren. Aufgerufen sind alle Gleichgesinnte, die Leipziger Aktivitäten zu unterstützen oder eigene Initiativen in den Städten zum gleichen Zeitpunkt zu entwickeln. Sie sollen helfen, das Demokratieverständnis der Bürger zu fördern und die Ursachen für Nationalismus, Ausländerhass und Orientierung auf Gewalt zu erkennen.
(Neues Deutschland, Sa. 30.12.1989)

Aufruf zur Demonstration am 03.01.1990 am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow

aus Neues Deutschland 30.12.1989

Mehr als 2 000 Berliner protestierten am Samstagnachmittag im Vorhof zum sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow gegen antisowjetische und nationalistische Schmierereien. Die Verunglimpfung des Ehrenmals sei nicht identisch mit dem Denken und Fühlen gegenüber den Völkern der Sowjetunion, heißt es in einem Telegramm an Michail Gorbatschow, auf das sich die Teilnehmer der Veranstaltung einigten.

Mehrfach wurden Forderungen nach einer Solidar- oder Sicherheitsgemeinschaft gegen Ausländerfeindlichkeit, Faschismus und nationale Überheblichkeit sowie nach handlungsfähigen Schutzorganen laut. An die Regierung, Volkskammer, den Runden Tisch und an alle Bürger erging der Aufruf, dafür zu sorgen, dass neofaschistische Umtriebe im Keim erstickt werden. Die gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR brauchten Sicherheit.

Betroffenheit und Empörung über die Schändung des sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow bekundeten Frauen aus Berlin, Westberlin sowie aus den Bezirken Frankfurt (Oder) und Potsdam bei einer Kundgebung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus Unter den Linden. In ihrer aller Namen forderte DFD-Vorsitzende Eva Rohmann von der Regierung der DDR, dieses Verbrechen aufzuklären und eine Ausbreitung des Neonazismus im Lande zu verhindern.
(Berliner Zeitung, Di. 02.01.1990)

Die "neuen oppositionellen Kräfte" beteiligten sich nicht an der Demonstration, da sie vermuteten, "alte Kräfte" wollten sie einbinden und benutzen für ihre Politik.

Eine gemeinsamen Neujahrsbotschaft vom amtierenden Staatsratsvorsitzenden Manfred Gerlach, Ministerratsvorsitzenden Hans Modrow und Präsident der Volkskammer Günter Maleuda wird verbreitet. Als erste Bürgerpflicht wird Mut zu verantwortlichem Handeln bezeichnet. Vernunft und Augenmaß seien das Gebot der Stunde.

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