Neues Forum
Basisgruppe CTA und ihre ZieleNach mehrwöchiger Mitarbeit einzelner Betriebsangehöriger in der Arbeitsgruppe Neues Forum des Kreises Fürstenwalde haben sich 22 Mitarbeiter des Betriebes zur aktiven Mitarbeit im Neuen Forum entschlossen. Die Legitimation, als Interessenvertreter eines Großteils der Gaselaner aufzutreten, ergab eine Umfrage, in der mehr als 300 Belegschaftsmitglieder ihre Zustimmung zu den Zielen des Neuen Forums ausdrückten.
Im Interesse der weiteren Gestaltung der demokratischen Erneuerung in unserem Land und in unserem Betrieb fordern wir alle Betriebsangehörigen auf, unsere Arbeit durch Vorschläge, Anregungen, Mitarbeit und Mitgliedschaft zu unterstützen.Welche Vorstellungen haben wir zu unserer zukünftigen Arbeit? Unsere Arbeit orientiert sich auf zwei Hauptrichtungen.
1. Wir werden bei der demokratischen Gestaltung unseres Landes mitwirken in der Form, wie es auf Foren und in den Medien durch Vertreter des Neuen Forums bekanntgegeben wurde. Wir arbeiten konkret an der Gestaltung des Statuts und des Programms des Neuen Forums mit.Am 27. 1. 1990 erfolgt die Gründung des Neuen Forums republikweit mit der Bekanntgabe des Statuts und des Programms.
Wir, als Basisgruppe eines großen Betriebes, werden besonderen Einfluss auf die ökonomische Umgestaltung unseres Landes nehmen, z. B.2. Wir werden uns umfassend mit betrieblichen Problemen befassen.
- Die betriebliche Kaderpolitik ist unabhängig von Parteieinfluss und ausschließlich nach Sachkompetenz zu führen.
- Aufklärung aller Missstände und der Verantwortlichkeiten durch breite Mitarbeit aller Betriebsangehörigen. Wir wollen keine Tabus und nichts vertuschen lassen.
Wir wollen auch in unserem Betrieb dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter des Betriebes gleiche Rechte bei der Gestaltung unserer innerbetrieblichen Demokratie haben und Privilegien einzelner ausgeschlossen sind.- Große Bedeutung haben für das Neue Forum die bei der Produktion entstehenden Umweltbelastungen aller Art. Hierbei geht es darum, umweltfreundliche Technologien einzuführen, z. B. Oberflächenschutz nicht durch Cadmieren und Verbleien, Beseitigung bestehender Umweltbelastungen (Rauchgas-, Abwasserbehandlung, Umgang mit Säuren und Salzen im Betrieb u. a.), Veröffentlichung von Belastungswerten aller Art, Kontrolle des im Betrieb angebotenen Trinkwassers.
- Einflussnahme der Basisgruppe auf die Umweltbelastungen durch andere Betriebe in Fürstenwalde. Die betriebliche Organisation ist personell auf die künftigen Anforderungen einer effektiven Wirtschaft umzustellen.- Fehlinvestitionen aller Art sind schonungslos aufzudecken.
Die Verantwortlichen sind zur Rechenschaft zu ziehen, und es ist ein Konzept zur Investitions- und Erzeugnispolitik des Betriebes aufzustellen.Alle Mitarbeiter des Betriebes sind aufgerufen, bei der Aufdeckung von Fehlinvestitionen mitzuarbeiten!
(aus: Gaselan Echo VEB Chemie- und Tankanlagenbau Fürstenwalde "Ottomar Geschke", Nr. 22/89, 33. Jahrgang, 1. Dezemberausgabe)
Da haben wir wohl auch noch ein Wörtchen mitzureden
Ich muss unbedingt zum Neuen Forum - CTA-Basisgruppe - und dessen "Legitimation" für einen Großteil der Gaselaner meine Meinung sagen (sh. Gaselan-Echo, 1. Dezemberausgabe).Die in der DDR vollzogene Wende - die Abkehr von starren Strukturen, der neue Tenor in der Sprache der Kommunikationsmittel - kann und darf vor unserer Betriebszeitung nicht haltmachen. Insbesondere bei der Gestaltung der Presseerzeugnisse ist ein Pluralismus der Meinungen für die Redaktion und den Leser weitaus anregender, als nur einen vorher festgelegten Standpunkt wiederzugeben und so allein Sprachrohr einer staatsmonopolistischen, festgelegtem Meinung sein zu müssen.
Selbstverständlich muss nun jedem eingeräumt werden, eine Meinung engagiert zu äußern. Ich bin jedoch der Meinung, dass der o. g. Beitrag des Neuen Forums in der letzten Nummer des "Gaselan-Echos" nichts mit dem neuen Stil zu tun hat, der dort proklamierte Anspruch der Interessenvertretung und "Obhutspflicht" für einen großen Teil der Werktätigen bei CTA ist meinem Empfinden nach eine Anmaßung wenn man gleichzeitig bekanntgibt, dass diese Vereinigung etwa 300 Anhänger im Betrieb hat. Soviel ich weiß, sind etwa 2 800 Menschen bei uns beschäftigt.Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren - und dieser Eindruck ist kein Einzelfall und auch nicht die Folge mangelnder Verständnisfähigkeit -, ebenso vereinnahmt zu werden, wie das bei dem verfassungsmäßigen Führungsanspruch der Partei der Fall war.
Ich möchte jedenfalls meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass es uns allen gelingt, uns in der jüngst gewonnenen Demokratie zurechtzufinden. Solche Beiträge wie der des Neuen Forums in unserer Betriebszeitung zeugen eigentlich von geringem Demokratieverständnis. Gerade das Neue Forum, das doch von Beginn seines Bestedens DDR-weit als demokratische Bewegung par excellence aufgetreten ist, muss wohl - zumindest jedoch die Basisgruppe bei CTA - eine Lektion in Demokratie nehmen. Das wäre sicherlich wichtig für die Gestaltung des "Gaselan-Echos", das doch nach Aussage des Sprechers der CTA-Basisgruppe Neues Forum, Herrn Kolbe aus der Schirmherrschaft der SED entnommen, nach den Vorstellungen des Neuen Forums gestaltet werden soll.Wenn die Zukunft der Betriebszeitung geklärt ist, wird. es notwendig sein, ein wirklich demokratisch zusammengesetztes Redaktionskollegium zu bilden, in dem das Neue Forum einen Platz haben wird, aber logischerweise keine Führungsrolle spielen kann. Ansonsten wird nur ein Führungsanspruch durch einen anderen ersetzt.
D(...) B(...)
(aus: Gaselan Echo VEB Chemie- und Tankanlagenbau Fürstenwalde "Ottomar Geschke", Nr. 23/89, 33. Jahrgang, 2. Dezemberausgabe)
Neues Forum zur Medienpolitik
Als Reaktion auf das öffentliche Schreiben unserer Basisgruppe fand am 24. 11. 1989 eine Zusammenkunft statt, um über den Inhalt der Forderungen zu diskutieren. An dieser Runde nahmen teil:Parteisekretär der BPO: D. F(...)
verantwortlicher Redakteur: M. W(...)
Techn. Mitarbeiterin der BZ: M. Z(...)
Redaktionsmitglied:. K. W(...)
Sprecher der BG Neues Forum: N. S(...) (ORZ)
J. L(...) (ORZ) u. J. K(...) (514 - Technolog. F/E)
D. F(...) sprach zur gegenwärtigen Lage, zur Situation, der BPO, konkret und äußerte den Wunsch, eine Übereinkunft zu den strittigen Fragen zu erzielen. M. W(...) verlas die Erwiderung zu unserem Schreiben und legte weiterhin dar, dass die Betriebszeitung in der Vergangenheit stets auch kritische Beiträge brachte und für jeden zur Mitarbeit offen war. Weiterhin bot sie den Vertretern des Neuen Forums eine Mitgestaltung der Betriebszeitung an. Daraufhin erneuerten die Vertreter des Neuen Forums die Forderung nach Pluralität der Verantwortung. D. F(...) erklärte, dass die Parteileitung bis zur Formulierung eines neuen Mediengesetzes nicht in der Lage ist, über einen Status der Betriebszeitung zu entscheiden.
Das Ergebnis dieser Diskussion kann man folgendermaßen zusammenfassen:1. Die Basisgruppe des Neuen Forums lehnt die Zusammenarbeit bei der Gestaltung der Betriebszeitung unter der Führung und Verantwortung der SED ab.
2. Während einer Übergangsphase erhält das Neue Forum umfassend die Möglichkeit, jedes Anliegen unverfälscht und unzensiert im "Gaselan-Echo" darzustellen.3. Sobald die Parteileitung sich befugt fühlt, über die Zukunft des "Gaselan-Echo" zu entscheiden, wird der Status und die Verantwortlichkeit entsprechend den Forderungen der Basisgruppe CTA des Neuen Forums umgestaltet.
K(...)
Nachsatz: Auf der Gesamtmitgliederversammlung der Betriebsparteiorganisation am 25. November wurde der Beschluss gefasst, dass die Betriebszeitung ab 1. 1. 1990 nicht mehr als Organ der Betriebsparteiorganisation [der SED] erscheinen wird. Der Betriebsdirektor hat erklärt, dass Erscheinen der Betriebszeitung zu sichern.(aus: Gaselan Echo VEB Chemie- und Tankanlagenbau Fürstenwalde "Ottomar Geschke", Nr. 22/89, 33. Jahrgang, 1. Dezemberausgabe)
Meine Gedanken zum Thema Austritte aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
Um es vorwegzunehmen: Ich bin und war kein Mitglied der SED. In Gesprächen zu meinem Eintritt in die Partei habe ich immer meinen Standpunkt vertreten. Und das war aus meiner Sicht schwerer, als einfach ja zu sagen und Genosse zu werden, da es nie darum ging, meinen Eintritt zu begründen (das wäre ein Leichtes gewesen), sondern dazu Stellung zu nehmen, warum ich eine Mitgliedschaft ablehne. Ein Grund war u. a., dass es die berufliche Entwicklung, um es salopp zu sagen, nicht gerade behinderte, ein Parteibuch zu besitzen. Es empört mich aber, wenn nicht allein die fachliche und moralische Qualifikation eines Menschen für die Besetzung von Leitungsfunktionen ausschlaggebend ist.Und bei der Moral möchte ich ansetzen. Ich finde wir sollten nicht zu allererst fordern, Mitglieder der jetzigen SED-PDS aus allen Leitungsfunktionen zu entfernen. Wir sollten gerade solche Leiter überprüfen, die dann in eine Partei eintreten, wenn es ihnen nutzt, und austreten, wenn eine Mitgliedschaft nicht mehr "opportun" ist. Wenn sich diese Kollegen darauf berufen, getäuscht und enttäuscht worden zu sein, ist das unglaubwürdig. Gerade sie hatten mehr Informationen und auch die Möglichkeit der Opposition. Ich spreche zumindest einem Teil dieser Kollegen die, moralische Qualifikation eines Leiters ab.
Noch ein Wort zum Neuen Forum. Ich erwarte von den Kollegen unserer Betriebsgruppe wenigstens ein klein wenig Realitätssinn und Objektivität. Die "Leistungen" der letzten Wochen gleiten in Richtung indiskutabel ab.D(...) G(...)
aus: Gaselan Echo, Nr. 23/89, 2. Dezemberausgabe, 33. Jahrgang, VEB Chemie- und Tankanlagenbau Fürstenwalde "Ottomar Geschke"