Mit der Unterzeile "Unabhängige Tageszeitung für Südthüringen" erscheint "Freies Wort' in Suhl. Die Mitarbeiter von Redaktion und Verlag hatten Mitte vergangener Woche öffentlich gefordert, dass ehemalige Bezirkszeitungen der SED-PDS künftig ohne jegliche Bindung an irgendeine Partei oder politische Bewegung erscheinen. Für die Umgestaltung ihres Blattes in eine unabhängige Tageszeitung sprechen sich nun auch Redaktion und Verlag der Magdeburger "Volksstimme" aus. Die "Magdeburger Druckerei" druckt dieser Tage erstmals die Zeitung der Magdeburger Bürgerbewegung "Die Andere Zeitung".
(BZ, 17.1.1900)
Die Potenzialistische Volkspartei richtet sich in ihrem Gründungsaufruf an alle sozial gesinnten christlich-demokratischen, fortschrittlichen und volksverbundenen Kräfte, die etwas grundsätzlich Neues in der Bewältigung der Probleme der Gegenwart erwarten. Die PVP kämpft um den Einzug ins Parlament am 6. Mai. Ihr Hauptgrundsatz ist: Alle Potenzen des Volkes - zum Nutzen des Volkes! Sie tritt u. a. für den Sieg der menschlichen Vernunft in allen Bereichen der Ökonomie, Ökologie und im Zusammenleben der Völker, für ein sofortiges Rüstungsmoratorium, für Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit ein.
(BZ, 17.1.1990)
Der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer begründet in einem Interview mit der "Westfälischen Rundschau" seinen Entschluss, vom Demokratischen Aufbruch (DA) zur SPD der DDR überzuwechseln.
Der Pfarrer erklärt, im Demokratischen Aufbruch werde nur noch in Kurzformeln Enttäuschung über 40 Jahre DDR ausgedrückt, und niemand schere sich mehr um Programme. Vier Wochen vor dem Parteitag lägen weder Programme noch Statut gedruckt vor. "Das kann doch nicht meine politische Heimat sein", sagt Schorlemmer und nennt drei wesentliche Kritikpunkte: Erstens gehe es um das Ziel, ein Deutschland möglichst bald. Dies sei historisch kurzsichtig. Er trete für eine baldige KSZE-Konferenz ein, damit niemand vor den Deutschen Angst haben müsse. Zweitens mißfalle ihm das ja des DA zur Marktwirtschaft ohne soziale und ökologische Einbindung. Drittens störe ihn das "Weg mit dem Sozialismus"-Gerede. Im real existierenden Stasi-Ismus seien die Ideale des Sozialismus von der Partei verraten worden, die nur ihre Machterhaltung kannte. Das sei für ihn kein Grund, die Maximen eines demokratischen Sozialismus aufzugeben. Den Zehn-Punkte-Plan von Bundeskanzler Kohl bezeichnete Schorlemmer als die größte Katastrophe nach Öffnung der Grenzen", da er die Hilfsbedürftigkeit der DDR bestärke. Das mache uns faul, über unser Land und unsere Geschicke nachzudenken, so Schorlemmer.Aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 4./5. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0604-9