28. Januar

Bis in die späten Abendstunden führt Ministerpräsident Modrow in Berlin mit Persönlichkeiten von Parteien der Regierung sowie der Opposition Gespräche über eine neue Zusammensetzung des Kabinetts. Anwesend sind die als Moderatoren des Runden Tisches tätigen Vertreter der Kirchen. Die Opposition war auf dieses von Modrow vorgeschlagene Gespräch unter der Voraussetzung eingegangen, dass eine parteiunabhängige Übergangsregierung gebildet wird.

Wahlen zur Volkskammer der DDR werden am 18. März 1990 stattfinden. In eine Regierung der nationalen Verantwortung werden alle am Runden Tisch beteiligten oppositionellen Parteien und Gruppierungen einen Minister ohne Geschäftsbereich entsenden. Die Regierung der DDR wird einen Minister als Regierungsbeauftragten für den Runden Tisch benennen. Kommunalwahlen werden am 6. Mai stattfinden. Das teilt Oberkirchenrat Martin Ziegler kurz vor Mitternacht über die Ergebnisse der Verhandlungen Modrows mit den Parteien und Gruppierungen des Runden Tisches mit.
(BZ, 29.1.1990)

Auf dem außerordentlichen Parteitag der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands wird Dr. Günther Maleuda zum Vorsitzenden der DBD wiedergewählt. Die fast 1 000 Delegierten verabschiedeten die Programmatischen Leitsätze der DBD, die als Programm bis zum nächsten Parteitag und als Grundlage für ein Wahlprogramm der 117 000 Mitglieder zählenden Partei dienen. Den Leitsätzen ist das Motto vorangestellt "Die Demokratische Bauernpartei Deutschlands im Prozess der gesellschaftlichen Erneuerung in der DDR". Im Text wird auf eine umweltfreundliche und sozial gerechte Marktwirtschaft entsprechend den Bedürfnissen der Bürger, des Innen- und Außenmarktes orientiert. Es wird vom Fortbestand der deutschen Nation ausgegangen, wobei die Lösung der deutschen Frage bis zur Vereinigung beider deutscher Staaten verbunden sein müsse mit der Gestaltung eines friedlichen und demokratischen Europas.

Seine Partei habe die Politik der damaligen SED-Führung mitgetragen, sagt Dr. Maleuda in seinem Grundsatzreferat. Wenn sich die DBD nunmehr von der SED-PDS eindeutig abgrenze und weder ein Wahlbündnis noch eine Koalition mit dieser Partei nach dem Votum eingehe, entspreche sie dem Willen ihrer Mitglieder und ihrer politischen Verantwortung. Aus dieser Verantwortung vor dem Volke werde sich die DBD weiterhin an der Koalitionsregierung Modrow beteiligen. Die DBD lehne das "administrative, bürokratische Modell des Sozialismus Stalinscher Prägung, auf dessen Grundlage unser Land in die Krise und das Volk ins Abseits geführt wurde, konsequent ab".
(BZ, 29.1.1990)

Für den Namen Freie Deutsche Jugend (FDJ) entscheiden sich die Delegierten auf dem Kongress für einen neuen sozialistischen Jugendverband in Brandenburg mit knapper Mehrheit. Zur Vorsitzenden wird Birgit Schröder gewählt. Der neuen Satzung nach betrachtet sich die FDJ eindeutig als sozialistischer Jugendverband, der für eine humanistische, sozialistische Alternative auf deutschem Boden und für eine politisch eigenständige DDR wirkt und eine Vertragsgemeinschaft mit der BRD befürwortet, heißt es in der Satzung.

Aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 4./5. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0604-9

Startseite