4. März

14 Tage vor dem 18. März läuft auch an diesem Wochenende der Wahlkampf auf Hochtouren. Erneut übernehmen dabei BRD-Politiker Hauptrollen. SPD-Ehrenvorsitzender Willy Brandt begrüßt seine Anhänger in Erfurt und spricht sich für einen gerechten und sozial ausgewogenen Aufbau eines einigen Deutschlands aus.

Auf dem Rostocker Universitätsplatz versucht Außenminister Genscher den deutschen Nachbarn die Ängste vor einer Vereinigung von BRD und DDR zu nehmen. Wir Deutschen wollen doch nichts anderes, als in Frieden und Freiheit mit unseren Nachbarn leben, sagt er.

PDS-Vorsitzender Gysi empfiehlt seine Partei in Gera all jenen, die sich Sorgen über die soziale Zukunft machen. "Gewisse(n) Parteien und Allianzen" wirft er vor, dem Volk eine wichtige Wahrheit vorzuenthalten: Der "schnelle Weg zur deutschen Einheit" würde die Mehrheit der DDR-Bürger in eine wirtschaftliche Katastrophe stürzen.

In Rostock äußert, sich Bundesverteidigungsminister Stoltenberg (CDU). Bonn werde mit jeder frei gewählten DDR-Regierung zusammenarbeiten, erklärt er großzügig. Besser sei es aber, wenn zwischen beiden deutschen Staaten ein Gleichklang der Überzeugungen bestehe.
(BZ, 5.3.1990)

Die Berliner Bischofskonferenz fordert alle Katholiken eindringlich auf, durch die Teilnahme an den Wahlen ihre politische Verantwortung wahrzunehmen. In einem gemeinsamen Wort der katholischen Bischöfe und Weihbischöfe zu den Wahlen am 18. März und 6. Mai wird geraten, die Stimme denen zu geben, "die Euch am ehesten einen echten Neuanfang garantieren!". In dem Hirtenwort heißt es weiter: "Unterschiedliche politische Überzeugungen sollten wir respektieren, Fairneß und Toleranz sind Tugenden, die unsere Gesellschaft jetzt braucht. Christen müssen da ein gutes Beispiel geben."
(BZ, 5.3.1990)

Mit Steuergeldern der BRD-Bürger unterstützt die christlich-liberale Regierungskoalition in Bonn das konservative Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" im DDR-Wahlkampf.
Das berichtet das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe.
(BZ 5.3.1990)

Aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 4./5. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0604-9

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