18. März

Das Ergebnis der ersten freien Wahlen in der DDR-Geschichte ist ein demokratisch gewähltes Parlament, um dessen 400 Sitze seit Wochen gekämpft wurde.

24 Parteien, politische Gruppierungen und Vereinigungen stellten sich dem Votum der 12,2 Millionen Wahlberechtigten. Dafür wurden 22 000 Wahllokale eingerichtet, mit Wahlkabinen vornehmlich aus dem Westen.

Die Wahlbeteiligung war mit über 93 Prozent außerordentlich hoch. Drei Viertel der Stimmen konnten allein die Parteien mit konservativer Orientierung auf sich vereinen. Klare Siegerin, die allein mehr Stimmen erhielt, als die anderen Bewerber in dieser Gruppe zusammen, ist die CDU. In den Reihen der Autonomiebefürworter hat nur die PDS mit 16,3 Prozent ein nennenswertes Ergebnis erzielt, alle anderen kamen nicht einmal auf fünf Prozent. In regionaler Hinsicht ergibt sich ein kräftiges Gefälle von Süden nach Norden, das sich im Wahlergebnis wie folgt niederschlägt:

  • In den südlichen Bezirken (Erfurt, Gera, Suhl, Karl-Marx-Stadt und Dresden) konnte die "Allianz für Deutschland" Stimmenanteile von 60 bis 62 Prozent verbuchen.

  • In einem mittleren Bereich (Bezirke Magdeburg, Halle, Leipzig und Cottbus) lagen sie zwischen 47 und 58 Prozent.

  • Weiter nördlich, (in den Bezirken Frankfurt, Potsdam, Neubrandenburg, Schwerin und Rostock) lagen die Allianz-Anteile zwischen 33 und 42 Prozent.

  • Die Hauptstadt Berlin fällt völlig aus dem Rahmen: Hier musste sich die Allianz mit 22 Prozent und dem dritten Rang hinter SPD und PDS begnügen.

    Ebenfalls sehr ausgeprägt ist das Gefälle von den großen zu den kleinen Gemeinden. In den Großstädten ab 200 000 Einwohnern kam die Allianz auf insgesamt 26,5 Prozent. Je kleiner der Ort, desto größer der Anteil der für eine Partei der Allianz abgegebenen Stimmen. In der Kategorie der kleinsten Gemeinden (unter 2 000 Einwohnern) sind das über 56 Prozent.

    Anders als vorausgesagt gewinnt also das konservative Wahlbündnis "Allianz für Deutschland". Großer Verlierer ist die SPD. Die PDS erringt einen Achtungserfolg. Die Väter und Mütter der Revolution, zusammengeschlossen im "Bündnis 90", versinken in prozentualer Bedeutungslosigkeit, wie aus nebenstehender Übersicht zu ersehen ist.

    Aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 4./5. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0604-9

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