Sa. 31. März


In Berlin findet die Gründungskonferenz des Arbeitslosenverbandes (ALV) der DDR statt. Der ALV will sich als gemeinnütziger Verein für die Interessen der Arbeitslosen und von Entlassung Bedrohter einsetzen sowie praktische Lebenshilfe bieten. Ein Netz territorialer Beratungsstellen soll aufgebaut werden. Die Mitgliedschaft steht allen Bürgern, auch ausländischen, offen. Die Konferenzteilnehmer verabschieden das vorläufige Statut und Programm und wählen einen geschäftsführenden Vorstand unter Leitung von Dr. Klaus Grehn.

Der Dachverband FDGB stellte eine Million Mark als Starthilfe sowie Arbeitsräume und Arbeitsmittel bereit.

Ein Verband der politisch Verfolgten (VPV) wird in Berlin gegründet. Die Vereinigung verstehe sich als Dachverband für alle politisch Verfolgten, künftiger Partner des Ministeriums für Justiz bei der Erörterung des Gesetzes über Rehabilitierung und Entschädigung politisch Verfolgter, sagt Volker Ring, Vorsitzender des Gründungsausschusses.
(BZ, 2.4.1990)

Staatsanwaltschaftliche Überprüfungen einer Anzeige des NDPD-Hauptvorstandes gegen den ehemaligen Parteivorsitzenden Prof. Dr. Heinrich Homann haben den Verdacht einer Straftat nicht bestätigt, teilt die Pressestelle des DDR-Generalstaatsanwaltes mit. Im Zusammenhang mit Überprüfungen über das Finanzgebaren des früheren Parteivorsitzenden hatte das Sekretariat des NDPD-Hauptvorstandes Anzeige erstattet.
(BZ, 2.4.1990)

In der Berliner Golgathakirche findet die Gründungsversammlung von amnesty international in der DDR statt. Sitz der DDR-Vereinigung dieser Menschenrechtsorganisation, die bis zum Oktober vergangenen Jahres in der DDR verboten war, ist Karl-Marx-Stadt (Chemnitz).

Die DDR-Bevölkerung verfügte Ende des Monats über Spareinlagen in Höhe von 162,4 Milliarden Mark. Wie die Staatsbank weiter mitteilt, sind das 2,7 Milliarden Mark mehr als zu Jahresbeginn. Im 1. Quartal 1989 hatten sich die Spareinlagen um 5,3 Milliarden Mark erhöht. Der Bargeldumlauf betrug bei der Bevölkerung, den Betrieben und Organisationen Ende März 13,5 Milliarden Mark. Das sind 3,5 Milliarden Mark weniger als zu Beginn des Jahres. Im 1. Quartal 1989 war der Bargeldumlauf um 0,9 Milliarden Mark gestiegen.
(BZ, 19.4.1990)

Die ins Schlingern geratene DDR-Volkswirtschaft ringt weiter um Stabilität und Aufschwung. Der seit Jahresbeginn zu verzeichnende Abwärtstrend gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres hat sich Ende des 1. Quartals weiter abgeflacht. Im März setzte sich der im Februar begonnene Anstieg des Produktionsniveaus fort. Diese Kernaussage bestimmt die Pressekonferenz des Statistischen Amtes der DDR zur Entwicklung der DDR-Volkswirtschaft im 1. Quartal dieses Jahres. Prof. Dr. Arno Donda, Präsident des Amtes, teilt mit, dass das arbeitstägliche Produktionsniveau in der Industrie in den ersten drei Monaten, dieses Jahres um 4,7 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraumes lag. Hauptursache dafür ist der mit der Übersiedlung in die BRD bzw. nach Westberlin verbundene weitere Rückgang an Arbeitskräften. In der Industrie waren Ende März 124 000 und im Bauwesen 33 000 Arbeitskräfte weniger beschäftigt als im März vorigen Jahres. Auch gestörte Kooperationsbeziehungen, Produktionseinstellungen und Materialengpässe beeinflussen diese Bilanz negativ

Ende März waren in der DDR 38 313 Arbeitslose registriert, darunter in Berlin 6 994.

Deutlich abgeschwächt hat sich im März dagegen, das betont Donda, der Einzelhandelsumsatz. Zurückzuführen ist dies einerseits auf den Rückgang der Konsumgüterproduktion und andererseits auf eine verhaltene Kaufbereitschaft der Bürger in Erwartung der Währungsunion.
(BZ, 19.4.1990)

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 6. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0639-1

Mehr als 38 300 arbeitslose DDR- Bürger haben bis Ende März einen Antrag auf staatliche Unterstützung gestellt. Während ihre Zahl binnen zwei Wochen um reichlich 10 000 stieg, sank gleichzeitig die Zahl der frei gemeldeten Arbeitsplätze in etwa gleicher Höhe auf rund 98 200. Mit Umschulung und Fortbildung Chancen zu wahren oder Arbeitsplätze zu sichern, ist Anliegen eines zweitägigen Erfahrungsaustausches der Arbeitsämter aus der Republik, der am Montag bei Königs Wusterhausen begann. Auf Einladung des Ministeriums für Arbeit und Löhne wurden erste Ergebnisse sowie Anregungen und Ideen für effektive Schritte erörtert, der für die DDR neuen Erscheinung "Arbeitslosigkeit" zu begegnen.

Mehr inhaltliche Orientierung und handhabbare aktuelle Angebote zur Umschulung forderten mehrere Sprecher vom Bildungsministerium. Dessen Vertreter, Dr. Bernd Zinkahn, informierte, dass ein Katalog mit 350 Umschulungsofferten von Hoch- und Fachschulen jetzt gedruckt sei und versandt werde. Die Vorschläge darin reichen vom Direktstudium für Arbeitslose über postgraduale Formen bis zu Lehrgängen, Wochenendschulungen, Abendstudium oder Bildungsurlaub für noch im Arbeitsprozess stehende Werktätige.
(Neue Zeit, Mi. 11.04.1990)

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