12. Dezember

In Potsdam kommt es zu einer Begegnung zwischen DDR-Ministerpräsident Hans Modrow und USA-Außenminister James Baker, der das Interesse seines Landes an einer friedlichen und stabilen Entwicklung des gesellschaftlichen Reformprozesses in der DDR zum Ausdruck brachte. "Es liegt uns sehr daran", so Baker, "dass dieser Prozess auf friedliche und stabile Weise vor sich geht. Das wollten wir bekunden, und darin liegt das politische Signal, das wir mit unserer Anwesenheit hier geben wollen." Ferner äußert Baker Genugtuung darüber, dass bei den Gesprächen am Runden Tisch Einigung über einen Zeitpunkt für demokratische, freie und geheime Wahlen unter Beteiligung mehrerer Parteien erzielt worden sei. Hans Modrow wertet das Gespräch als Zeichen der großen Aufmerksamkeit, mit der die USA die Entwicklung in der DDR verfolgen, "Wir haben heute einen Dialog miteinander aufgenommen und gehen davon aus, dass Dialog auch zur Kooperation führt", äußert er. Über Fragen der deutschen Einheit sei nicht gesprochen worden.
(BZ, 12.12.1989)

Am Abend trifft Hans Modrow den Regierenden Bürgermeister von Berlin (West), Walter Momper. Themen des ersten offiziellen Treffens beider Politiker sind die aktuelle Situation in der DDR, Angebote für schnelle Hilfeleistungen für die DDR sowie der Vorschlag des Senats zur Bildung eines Regionalausschusses und die Einbeziehung Westberlins in eine Vertragsgemeinschaft zur Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft, Verkehr, Umweltschutz, Kultur, Gesundheitswesen, Sport und Tourismus.

Der Schriftsteller Stefan Heym warnt vor bürgerkriegähnlichen Auseinandersetzungen in der DDR. Vor dem Beirat der IG Metall in Frankfurt/Main spricht er sich dafür aus, alles zu unternehmen, damit die so friedlich begonnene Revolution "nicht in einem Blutbad endet". Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP kritisiert er Bundeskanzler Kohl, der mit seiner "unzeitgemäßen" Zehn-Punkte-Erklärung die Kontroverse über die nationale Einheit angeheizt habe. Er spricht von der "Angst, dass aus jenem großen Traum, der zu so viel Hoffnungen Anlass gibt, ein Alptraum werden wird".
(BZ, 13.12.1989)

Das Gründungsaktiv für die Naturfreundejugend wendet sich an alle jugendlichen des Landes, die sich für "sozialverantwortlichen Tourismus, für eine kulturelle Freizeitgestaltung, für den Erhalt unserer Natur und Umwelt" interessieren.

Eine Gruppe jüdischer Bürger initiiert in Berlin die Gründung eines jüdischen Kulturvereins, in dem sich in der DDR lebende Bürger jüdischer Herkunft unabhängig ihrer Weltanschauung zusammenschließen. Der Verein wird seine Aufmerksamkeit auf die jüdische Geschichte und Kultur richten und strebt die Bewahrung des Judentums und des jüdischen Lebens an.
(BZ, 13.12.1989)

Rund 2 000 Volkspolizisten folgen dem Aufruf einer Initiativgruppe Gewerkschaften der Berliner Volkspolizei und begründen vor dem Gebäude des Innenministeriums die Notwendigkeit einer gewerkschaftlichen Interessenvertretung.

Die angestrebte Polizeigewerkschaft möchte sich unter einem gewerkschaftlichen Dachverband für die umfassende Sicherung von Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen einsetzen.

Aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR 3. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990, ISBN 3-7303-0595-6

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