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Dokument aus Zschopau vom 25.10.89

Aufruf!
Wir, die Kollegen der Abteilung Fuhrpark/Transport haben uns einen gemeinsamen Standpunkt zu den Prioritäten bei der demokratischen Umgestaltung in der DDR erarbeitet. Wir rufen hiermit alle Arbeitskollektive unseres Landes auf, unseren Standpunkt zu diskutieren und mit weiteren Gedanken und Vorschlägen zu ergänzen. Nur mit einheitlichen Vorstellungen wird es möglich sein, den begonnenen offenen Dialog auf ein neues Niveau zu heben und die Meinungen der werktätigen Massen zur Geltung zu bringen. Wir sind erfreut, über die Bereitschaft der Staatsführung, einen offenen Dialog auch mit Andersdenkenden zu führen. Wir sind für wirtschaftliche Veränderungen mit all ihren Konsequenzen bei der Beibehaltung der Beibehaltung des gesamtgesellschaftlichen Eigentums. Uns ist bewußt, daß solche Reformen von Fachleuten entwickelt werden müssen, aber fordern nach Ausarbeitung solcher Vorschläge die Veröffentlichung und Diskussion.

Wir fordern Reisefreiheit und freuen uns auf die Möglichkeilen, die sich mit den angekündigten neuen Reisebestimmungen für uns alle ergeben werden.

Wir fordern, daß der eingesetzte Demokratisierungsprozeß unumkehrbar gemacht wird! Nur so kann das Vertrauen des Volkes wachsen und der Aderlaß unseres Landes an Menschen wirkungsvoll gestoppt werden. Dazu ist es unbedingt notwendig, freie, geheime Wahlen mit mehreren Kandidaten durchzuführen. Dies muß absolute Priorität besitzen - zeitgleich oder besser noch vor den neuen Reisebestimmungen! Wir sind uns im Klaren darüber, daß damit die absolute Macht der SED gebrochen werden kann.

Wir sind auch der Meinung, daß selbst der Artikel 1 unserer Verfassung geändert werden muß, da sich die SED-Führung gerade darauf beruft, um ihren absoluten und unteilbaren Machtanspruch geltend zu machen. Wir sind der Meinung, daß alle DDR-Bürger mündig genug sind, um mögliche nationalistische und faschistische Strömungen im Keime zu ersticken. Aus dieser Möglichkeit darf nicht der Machtanspruch nur einer Partei abgeleitet werden, hat er uns doch um die Früchte so vieler Jahre gemeinsamer Arbeit gebracht.

Wir fordern auch in unserem Betrieb veränderte Wahlen zur Betriebsgewerkschaftsleitung. Die Mitglieder der Arbeitskollektive selbst sollen jeweils mindestens 2 Kandidaten für die BGL vorschlagen. Diejenigen, welche bei den geheimen Wahlen im gesamten Betrieb die meisten Stimmen erhalten, sollen die neue BGL bilden. In dieser Form muß sich eine Wahl weiter von unten nach oben fortsetzen. Somit ist es möglich, die Gewerkschaften von der Führung durch die jeweils mächtigste Partei zu trennen. Diese Gewerkschaftsleitungen sollen dann auch als eine Art Betriebsrat die betriebliche Mitbestimmung sichern.

Kollektiv der Abt. Fuhrpark/Transport
des VEB PLASTICART Annaberg-Buchholz
Werk 2 Zschopau

aus: Demokratie Jetzt, Zeitung der Bürgerbewegung, Nr. 5, November 1989

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