|
DSU Deutsche Soziale Union Die Deutsche Soziale Union (DSU) wurde am 20. Januar 1990 in Leipzig im Gasthof "Goldene Krone" durch den Zusammenschluss von elf Gruppierungen gegründet. Die Christlich-Demokratische Soziale Union (CDSU), die Christlich-Soziale Partei Deutschlands (CSPD), die Christlich Soziale Union (CSU), die Christlich-Soziale Vereinigung (CSV), die Deutsche Friedensunion, die Freie Deutsche Union (FDU), die Freie Demokratische Union Deutschlands (FDUD), die Freiheitliche Volkspartei (FVP) und die Fortschrittliche Volkspartei (FVP). Die beiden Vertreter der Deutschen Forumpartei hatten kein Mandat zur Mitgründung und wurden aus ihrer Partei ausgeschlossen. Die DSU verstand sich von Anfang an als Schwesterpartei der BRD-Unionsparteien. Hauptsächlich wohl der CSU aus Bayern. Hans-Wilhelm Ebeling sprach im Dezember 1989 bei einem Besuch in München von "Zwillingspartei". Bereits am 12. 12.1990 versucht die CSU-Spitze aus München in Leipzig die ihnen nahestehenden Gruppierungen zu vereinen. Was aber misslang. Es gab Bestrebungen wenigsten in Teilen der DDR eine CSU zu etablieren. Aus Angst, die CDU könnte im Gegenzug sich nach Bayern ausdehnen, wurde dieser Plan aber nicht weiter verfolgt. Außerdem gab es in den DSU-Vorläufern Leute, die sich mehr zur BRD-CDU hingezogen fühlten.Mitbegründer der DSU waren Peter-Michael Diestel, Hans-Wilhelm Ebeling, S. Müller Joachim Hubertus Nowack, Hansjoachim Walther, Volkmar Weiss und Martin Wisser. Hans-Wilhelm Ebeling gab als Wahlziel "die absolute Mehrheit" aus. Auf ihrem ersten Parteitag am 18. Februar 1990 in Leipzig forderte Hans-Wilhelm Ebeling die sofortige Übernahme der BRD Ordnung für die DDR. Heiner Lueg von der Konrad-Adenauer-Stiftung brachte am 10.02.1990 ein Entwurf für die Rede zu Hans-Wilhelm Ebeling nach Leipzig, die er auf dem kommenden Parteitag halten sollte. Das einstimmig verabschiedete Grundsatzprogramm wurde "selbstverständlich" von den Mutterparteien abgeschrieben, so der spätere Parteichef Hansjoachim Walther. Die DSU-Spitze wurde auf dem Parteitag fast unverändert ohne Gegenkandidaten on Block durch öffentliches Abnicken bestätigt. Als Parole wurde der CSU Slogan von 1976 "Freiheit statt Sozialismus" ausgegeben. Die Verpflegung wurde aus München eingeflogen. Die DSU wurde von der CSU materiell massiv unterstützt. Laut Süddeutscher Zeitung erhielt die DSU Anfang Februar 1990 sechs Lautsprecherwagen, zwei Millionen Flugblätter, 200 000 Plakate, 50 000 Aufkleber und Grundsatzprogramme. Die Kosten sollen mehr als eine Million D-Mark betragen haben. Zu den Volkskammerwahlen ging die DSU mit dem DA und der CDU ein Wahlbündnis unter dem Namen "Allianz für Deutschland" ein. Was von vielen widerstrebend hingenommen wurde. Gab es doch bei ihnen Vorbehalte gegen die ehemalige Blockpartei CDU. Auch verminderten sich die eigenen Karrierechancen durch das Aufpeppen der CDU (Ost) durch die CDU (West) doch erheblich. Im Vorfeld hatte der DSU-Bundesvorstand beschlossen, wenn überhaupt nur eine lose Zusammenarbeit mit der DDR-CDU einzugehen. In einem Vieraugengespräch zwischen dem damaligen Bundeskanzler Kohl und Ebeling, setzte Kohl die "Allianz-Richtung" durch. Als Medienberater fungierte Gerhard Löwenthal. In Berlin ruft der brandenburgische Landesvorsitzende der Partei, "DIE REPUBLIKANER" (REP), die für die Volkskammerwahl nicht zugelassen ist, zur Wahl der DSU auf. Die größte Mitgliederzahl hatte die DSU im Süden der Republik. Markenzeichen der DSU war die Forderung nach möglichst rascher Deutscher Einheit. Viele in der DSU rechneten deshalb mit einem guten Wahlergebnis bei der Volkskammerwahl, zumal sie die ehemalige Blockpartei CDU für diskreditiert ansahen. Die Wahl zeigte aber, dass die siegten, die nach Meinung der Wähler auch in der Lage wären diese Forderung zu verwirklichen. Dies war die Regierungspartei in Bonn. Und die hieß CDU. Hatte doch die ehemalige Blockpartei CDU selbst ihr bisheriges Parteilogo, ein U, über dem geschrieben stand "ex oriente pax" und der Friedentaube der neuen Zeit angepasst.Einen Tag nach der Volkskammerwahl traf sich eine Delegation der DSU mit Vertretern der CSU in der Nähe der fränkischen Stadt Hof. Nach der Volkskammerwahl wurde die "Allianz" aufgekündigt. Eine Fraktionsgemeinschaft in der Volkskammer mit der CDU wurde abgelehnt. Hans-Wilhelm Ebeling nimmt trotzdem am 21.03.1990 an der Beratung von CDU, DA und DSU beim damaligen Bundeskanzler Kohl in Bonn teil. Nach der Enttäuschung über das schlechte Abschneiden bei der Volkskammerwahl im März 1990 - 6,3 % - macht sich nach der Kommunalwahl im Mai 1990 - der Stimmenanteil halbierte sich - Frust breit. Der Frust richtete sich auch gegen die beiden DSU-Minister, z.B. wurde der Rücktritt Ebelings verkündet, ohne dass er davon etwas wusste und die eigene Fraktion entzog Diestel das Vertrauen. In einem Offenen Brief forderte der DSU-Vorsitzende seine Mitglieder auf, sich der CDU anzuschließen. Auf dem Parteitag vom 30.06.-01.07.1990 erklären die Minister Diestel und Ebeling, sowie Vorsitzender Nowack und Generalsekretär Ralph Schieck ihren Übertritt zur CDU. Im Mai 1990 nahm die DSU Kontakt mit der ehemaligen Blockpartei "Demokratische Bauernpartei" (DBD) auf. Eine Fusion kam aber nicht zustande. In Mecklenburg-Vorpommern gab es Überlegungen sich der DDR-CDU anzuschließen. Andere DSU-Mitglieder sahen in der BRD-Ausdehnung eine Zukunft. Wieder andere liebäugelten mit den Republikanern. In Magdeburg kam es gleich zur Gründung einer neuen Partei mit dem Namen Christlich-Soziale Partei (CSP). Auf Antrag der DSU wird am 31.05.1990 von der Volkskammer der Beschluss gefasst, das Staatswappen der DDR von allen öffentlichen Gebäuden zu entfernen. Am 17. Juni 1990 überrascht die DSU-Fraktion in der Volkskammer mit einem Antrag zum sofortigen Beitritt der DDR zur BRD nach Artikel 23 Grundgesetz. Welcher mittels Geschäftsordnung vorläufig abgebügelt wurde. Am 22.08.1990 wurde der Antrag wiederholt und erhielt keine Mehrheit. Den Antrag von SPD und den Liberalen zum Beitritt der DDR gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes am 21./22.07.1990 lehnte die DSU ab. Auf dem Parteitag am 30.06.1990 in Leipzig-Markkleeberg wurde der bisherige Fraktionsvorsitzende Walther zum Vorsitzenden und als ersten Stellvertreter Jürgen Schwarz gewählt. Generalsekretär wurde Alexander Achminow.Der damalige BRD-Finanzminister Theo Weigel wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der Austritt Diestels aus der DSU wurde auf dem Parteitag mit Beifall quittiert. Neben Diestel und Ebeling treten u.a. Joachim Hubertus Nowack und Generalsekretär Ralph Schieck aus der Partei aus. Von der CDU wurden die Abwerbebemühungen verstärkt. Am 10.06.1990 schlossen sich mehrere Ortsverbände zur "CSU Sachsen" zusammen.Zu den Kommunalwahlen im August 1990 gelang es der DSU selbst in ihrer Hochburg Sachsen nicht genügend Kandidaten zu finden. Die DSU unterstützte die BesetzerInnen der Büroräume des Zentralarchivs des MfS/AfNS im September 1990. Haschke: "die Freunde in der Normannenstraße". Was die überrascht zur Kenntnis nahmen. Ebenfalls im September 1990 fordert die DSU-Fraktionschef Hansjoachim Walther die Ablösung Diestels als Innenminister.Auf dem Landesparteitag Thüringen in Suhl, im März 1991 wird die Forderung erhoben die DSU in CSU umzubenennen. Hansjoachim Walther kann sich mit dem Vorschlag durchsetzen, diese Frage auf dem nächsten Bundesparteitag im Mai zu entscheiden. Nach einer zeitweise tumultartigen Diskussion wird eine bundesweite Ausdehnung verworfen. Zum Vorsitzenden wird Reinhard Keller gewählt, der mit Rückzug seiner Kandidatur drohte, sollte die Westausdehnung beschlossen werden. Sein Stellvertreter wurde Hansjoachim Walther. Auf ihrem Parteitag am 25.04.1993 beschloss die DSU sich bundesweit auszudehnen. Was den endgültigen Bruch mit der CSU bedeutete. Bei der Rede des CSU-Generalsekretärs Erwin Huber, der vor der Ausdehnung warnte, wurde "Aufhören"-Rufe laut. Auf dem Parteitag davor konnte die DSU durch einen Appell von Theo Weigel noch von diesem Schritt abgehalten werden. Ein Zusammenschluss der DSU mit der Deutschen Partei (DP) und dem Bund Freier Bürger sei geplant, wurde von den Parteien im März 2000 mitgeteilt. Der gemeinsame Name solle "Deutsche Partei" lauten. Allerdings gibt es erfolglose Bestrebungen eines Zusammenschlusse in unterschiedlicher Zusammensetzung schon seit Jahren. Am 01.11.2004 hatte sich DSU gegen eine nationale Volksfront mit der NPD ausgesprochen.Die DSU, die es bis heute gibt, ist inzwischen eine von vielen Miniparteien in diesem Land. Sehr beliebt war bei einigen DSU-Mitgliedern noch zur "Ost-Zeit" West-Wagen mit Düsseldorfer "D-SU-Kennzeichen".Bereits 1956 wurde in der BRD von den Nazi-Brüdern Gregor und Otto Strasser eine DSU gegründet. Die aber keinerlei Bedeutung erlangte. Im November 1974 wurde in Mühlheim/Ruhr erneut eine DSU gegründet. Sie existierte bis 1987. |