Startseite

IFM           Initiative Frieden und Menschenrechte

Die Initiative Frieden und Menschenrechte wurde zu Beginn des Jahres 1986 gegründet. Der Gründung vorangegangen war ein langer Streit zwischen der Vorbereitungsgruppe Grimm, Hirsch, Templin und des Friedrichsfelder und Pankower Friedenskreises. Vera Lengsfeld, Sylvia Müller, Thomas Klein, Reinhard Schult, Mario Wetzky, Wolfgang Wolf, Knud Wollenberger u.a. Einige von ihnen bildeten 1986 die "Gegenstimmen".

Die Zeitschrift der IFM, "Grenzfall", erschien mit Unterbrechungen ab Juni 1986. Die Zeitschrift erfolgte bewusst ohne den Zusatz nur für den innerkirchlichen Gebrauch und war nach dem damals in der DDR praktizierten Recht illegal. Nach dem Verständnis der IFM sollten nicht zugestandene Rechte so wahrgenommen werden, als wären sie bereits zugestanden.

In einem Brief zum zehnten Jahrestag der Charta 77 schrieb die IFM u.a.:

"Für uns war und ist die Existenz der Charta und anderer Menschenrechtsbewegungen in Osteuropa eine Ermutigung und eine "Quelle der Inspiration"! Am Anfang selbständiger Menschenrechtsarbeit in der DDR stand oft der Vorwurf, die Charta 77 kopieren zu wollen. Dies war aufgrund unserer Voraussetzungen weder möglich, noch wollten wir es. In der DDR ist die Menschenrechtsarbeit als eigener Bestandteil einer breiten unabhängigen Friedensbewegung gewachsen."

Die IFM verzichtete in ihren Aussagen bewusst auf den Sozialismus als Zielvorstellung.

Mitbegründer der IFM waren u.a. Martin Böttger, Bärbel Bohley, Werner Fischer, Peter Grimm, Ralf Hirsch, Gerd Poppe, Ulrike Poppe, Peter Rölle, Lotte Templin, Wolfgang Templin und Reinhard Weißhuhn.

Sprecher waren zunächst Peter Grimm, Ralf Hirsch und Wolfgang Templin.

Die IFM hatte keine feste Organisationsstruktur und keine formale Mitgliedschaft. Aktionsschwerpunkt der IFM war Berlin. Organisatorisch wurde darauf geachtet, sich nicht zu sehr in kirchliche Kreise einbinden zu lassen.
Nach Bärbel Bohleys Angaben hatte die IFM in der Anfangszeit rund 20 Mitglieder. Laut Werner Fischer bestand die IFM zu zwei Dritteln aus Intellektuellen, zum Teil ehemalige SED-Mitglieder. Das Verhältnis Stasileute zu Nichtstasileute gab Ralf Hirsch mit 1:1 an.
Mitglieder waren u.a. Marianne Birthler, Ibrahim Böhme, Frank Bogisch und Lothar Pawliczak. In den neuen Gruppen des Herbstes 1989 fanden sich viele Mitglieder der IFM wieder. Ibrahim Böhme und Frank Bogisch waren Gründungsmitglieder der SDP. Bärbel Bohley des Neuen Forum. Ulrike Poppe von Demokratie Jetzt.

Im April 1986 beklagte sie in einer offenen Eingabe an die SED die Kumpanei zwischen der SED und Westpolitikern. Da die Eingabe nicht beantwortet wurde, beschwerte sich die IFM im Mai beim ZK darüber. Am 27.05.1987 schrieb die IFM einen Brief an Michael Sergejewitsch Gorbatschow in dem versichert wurde, dass es ihnen nicht darum geht bürgerliche Verhältnisse nach westlichem Muster zu übernehmen, sondern ein Gesellschaftssystem zu befördern, das die Einheit von Demokratie uns Sozialismus ermöglicht. In der Schrift "Sozialismus, was sonst", veröffentlicht 1987, forderte die IFM eine nationale Aussöhnung, sowie einen schöpferischen Dialog zwischen Herrschenden und kritischen Bürgern, um gegen die gemeinsamen Feinde vorgehen zu können. "Die Demokratisierung unserer Gesellschaften wird ein Weg des gemeinsamen Suchens und Lernens sein, für die es keine Modelle und Rezepturen gibt", schrieb die IFM im Februar 1987 in einem Brief an die Charta 77. In einer Erklärung zu ihrem Selbstverständnis im Dezember 1987 zählte sie: "... neben den Forderungen an Regierungen in Form von Eingaben und Appellen noch nicht zugestandener Rechte so wahrzunehmen, als wären sie bereits zugestanden."

Die Aufnahme der Gruppe "Staatsbürgerschaftsrecht der DDR" (Ausreisergruppe), die sich im September 1987 gründete, wurde abgelehnt. Sie durfte aber in der IFM-Gruppe Strafrechtsfragen mitarbeiten. "Der Wunsch nach dem Verlassen des Landes - für Reisen, für eine gewisse Dauer oder auch endgültig - ist ein legitimer Anspruch für jeden Bürger eines jeden Landes." Gleichzeitig wurde aber betont, dass es darauf ankommt im Land zu bleiben und zu Veränderungen beizutragen. So in einer Erklärung im Frühjahr 1988.

Durch Zersetzung durch die Staatssicherheit und Abschiebung eines Teil ihrer Mitglieder in den Westen 1988 kam die Tätigkeit der IFM fast völlig zum erliegen. Einen Aufschwung erlebte die IFM im Verlauf des Herbstes 1989. Am 11. März 1989 veröffentlichte sie einen Aufruf zur landesweiten Zusammenarbeit von BürgerInnen. Im August 1989 wurde zu einem Treffen Ende Oktober in Berlin eingeladen. Am 28. Oktober 1989 fand das erste landesweites Treffen statt auf der sich die IFM landesweit konstituierte. Auf ihm wurde eine Gruppe beauftragt ein Wahlprogramm auszuarbeiten.

Als Sprecher wurden gewählt Werner Fischer, Gerd Poppe und Thomas Rudolph.

Die Abschaffung des Ausreisevisums und die Möglichkeit Entscheidungen in Reiseangelegenheiten verwaltungsgerichtliche überprüfen zu lassen forderte die IFM am 06.11.1989. Ein Vorschlag der Leipziger Regionalgruppe Ende November 1989 zu sofortigen Neuwahlen in ganz Deutschland konnte sich in der Gesamtorganisation nicht durchsetzen. Am 15.02.1990 wurde die Auflösung der Militärblöcke gefordert.

Zur Volkskammerwahlen bildeten die IFM, das NF und DJ eine gemeinsame Liste mit dem Namen "Bündnis 90: Bürger für Bürger".

Zu den gesamtdeutschen Wahlen ging die Initiative Frieden und Menschenrechte mit dem Neuen Forum, Demokratie Jetzt, Grüner Liga, Die Grünen (DDR), Unabhängiger Frauenverband, Vereinigte Linke und Die Grünen (BRD) eine Listenverbindung unter dem Namen "Die Grünen/Bündnis 90-BürgerInnenbewegungen" ein.

Seit Oktober 1989 gab Demokratie Jetzt ein eigenes Informationsblatt mit dem Namen "DEMOKRATIE JETZT Zeitung der Bürgerbewegung" heraus. Am dem 03.10.1990 war es das Blatt von Demokratie Jetzt und der Initiative für Menschenrechte. Im Dezember 1990 wurde es in "BÜNDNIS 2000" umbenannt.

Anfang Februar 1991 beschließen IFM und DJ ihre Vereinigung bis Oktober 1991 unter dem Namen "Bündnis 90". Auf einer Konferenz am 28.-29.06.1991 in Berlin werden weitere Weichen, z.B. Bildung von Arbeitsgruppen, zur Gründung des Bündnis 90 gestellt. Über einen ersten Satzungsentwurf und über Thesen für eine gemeinsame Bürgerbewegung Bündnis 90 wurde diskutiert. Bis zum Hebst 1991 sollte die organisatorische Gründungsvorbereitung abgeschlossen sein. Das Neue Forum wurde zur Mitarbeit eingeladen.

Am 21.-22. September 1991 wurde dann das Bündnis 90 in Potsdam aus der Taufe gehoben. Ihm schließen sich auch Teile des Neuen Forum an. Die IFM soll zu diesem Zeitpunkt rund 150, DJ ca. 600 und das NF etwa 5 000 Mitglieder gehabt haben. Das NF blieb aber im Gegensatz zu der IFM und DJ als eigenständige Organisation bestehen.

Der IFM schloss sich der "Arbeitskreis Gerechtigkeit" aus Leipzig an.

Die Initiative Frieden und Menschenrechte hatte Kontakte zu Gruppen zu verschieden Gruppen z.B. in der CSSR, Polen, Finnland und der Sowjetunion.

Die Initiative Frieden und Menschenrechte war die bekannteste, aber nicht die einzige Gruppe außerhalb der Kirche. Zu ihnen zählen die Frauen für den Frieden, die Jenaer Friedensgemeinschaft und die Gruppe Wolfspelz.

Der Begriff der "Wende" wurde von Egon Krenz eingeführt. Auch wenn denr Begriff Wende unzulänglich ist, wurde er schnell von vielen Menschen übernommen. Auch wenn sie mit Egon Krenz nichts am Hut haben wollten. Unter manchen Historikern gibt es Bestrebungen Wende in diesem Zusammenhang aus dem Sprachgebrauch zu verbannen und eigene Sprachstandards zu setzen. Finster wird es dann, wenn denen, die andere Beschreibungen der damaligen Ereignisse verwenden als die geforderte, demokratische Gesinnung abgesprochen wird.

               Startseite