IUG Initiative Unabhängige Gewerkschaften Die IUG wurde in der letzten Oktober Woche 1989 von 12 Frauen und Männern in Berlin-Prenzlauer Berg gegründet. Wir müssen uns also in unseren Betrieben und Einrichtungen sowie überbetrieblich selbst organisieren! Unsere Initiative will diesen Prozess befördern, versteht sich aber nicht selbst als neue Gewerkschaft oder gar Gewerkschaftszentrale sondern als Katalysator und Informationsstelle. Wir wollen Anregungen geben, Erfahrungen aus verschiedenen Betrieben sammeln und an andere weitergeben sowie die Einzelaktionen miteinander verbinden." aus Initiative für unabhängige Gewerkschaften Info Nr. 1, Dezember 1989 Von Anfang an wurde die IUG von den Medien bewusst "übersehen". Oder es hagelte Vorwürfe der Spaltung und der Schwächung der Interessen der Werktätigen. Der IUG wurde u.a. vorgeworfen, sie prophezeie eine Zukunft mit steigenden Preisen und Lohnabbau.Nachdem der Schriftsteller Heiner Müller am 04. November 1989 auf der Demonstration in Berlin, auf bitten eines IUG-Mitgliedes, den Inhalt eines Aufrufes, welcher für diesen Tag erstellt wurde, verlesen hatte, sah er sich zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt. Am 03. Februar 1990 fand ein landesweites Treffen statt, das den Gründungskongress der IUG vorbereiten sollte. Dazu war auch eine Satzung ausgearbeitet worden. An dem Treffen nahm auch eine Initiative, die sich am 13. Januar in Jena gegründet hat und ähnliche Ziele wie die IUG verfolgte, teil. Mit 53 Ja, einer Nein, bei einer Enthaltung wurde ein Gründungsausschuss mit der Benennung von Bezirkskomitees beschlossen. Es zeigte sich aber, dass von einer Massenbewegung für unabhängige Gewerkschaften nicht ausgegangen werden konnte. Das Treffen am 03.02. - einen Tag nach dem außerordentlichen FDGB-Kongress - war die erste und letzte große Versammlung unabhängiger GewerkschafterInnen in der DDR.Danach kamen Zweifel in der IUG an den bisherigen Zielen auf. Auf dem einzigen Gründungsausschusstreffen am 23. Februar 1990 in Dresden schlossen sich der Koordinierungsausschuss Dresden für freie Gewerkschaften und Betriebsräte der IUG und Interessenvertreter der Bezirke zur Unabhängigen Gewerkschaftsbewegung (UGB) zusammen. Die UGB konnte aber nicht mit Leben erfüllt werden. Zwar war die Ablehnung der FDGB-Kader bei den Werktätigen groß, aber die Bereitschaft neue eigenständige gewerkschaftliche Basisgruppen aufbauen zu wollen, war gering. Gruppierungen wie der Demokratische Aufbruch und die SPD orientierten auf den DGB und auf seine Einzelgewerkschaften. Ab Jahresbeginn 1990 traten auch die BRD-Einzelgewerkschaften immer mehr in Erscheinung. Der verbliebene FDGB steuerte ebenfalls auf den DGB zu. Die neu gebildeten Betriebsräte beschränkten sich oftmals auf den eigenen Betrieb. Durch die einsetzende Umstrukturierung in den Betrieben waren ihre Kräfte auch schnell in Abwehrmaßnahmen gebunden. Unterstützt wurde die IUG zeitweise von MitgliederInnen des Neuen Forum und der VL.Von Dezember 1989 bis zum Dezember 1990 gab die IUG ein "info"-Blatt heraus. Es erschienen insgesamt 16 Nummern. Am 04. November 1990 ging die IUG in die "Initiative kritische Gewerkschaftsarbeit" (IKG) über. Unter ihrem Namen kam im November 1990 eine Kritik am DGB mit dem Titel "Hurra!! Der DGB ist da!!!" heraus. Ab Januar 1991 erschien das "info" als Blatt der IKG. Später entstand aus der Initiative kritischer Gewerkschaftsarbeit das "Bündnis kritischer Gewerkschafter Ost-West". Dieses Bündnis löste sich später auf. Aus diesem Bündnis gingen zwei kleine Gruppen hervor. Heute gibt es noch den Arbeitskreis Geschichte Sozialer Bewegungen Ost/West. |