VL Vereinigte Linke Nachdem ein für Juni 1989 geplantes Treffen nicht zustande gekommen war, trafen sich am 04. September 1989, in der Nähe von Berlin, VertreterInnen der sozialistischen Opposition. Sie verabschieden einen Appell "Für eine Vereinigte Linke in der DDR". In dem Appell heißt es u.a.: "Die Diskreditierung einer sozialistischen Perspektive durch das, was die hier Herrschenden zum Zerrbild dieses alten Kampfziels der Arbeiterbewegung verkommen ließen, hat bei der Bevölkerung mehr Desillusionierung und Passivität als mutiges und problembewusstes Denken und Handeln bewirkt. Und doch gibt es nicht nur die Ausreisewelle, sondern auch immer mehr Menschen, die bleiben und die bestehenden Verhältnisse ändern wollen. Dabei ist die Herstellung eines breiten Konsenses unter den Linken in unserem Land und die Ausarbeitung eines realistischen, politisch tragfähigen und durchgreifenden gesellschaftlichen Programms einer sozialistischen Umgestaltung der DDR heute wichtiger als jemals zuvor." Die Initiative Vereinigte Linke stellte damit als erste Organisation des Herbstes 1989 die SED, die selbst den Anspruch der Einheitspartei hatte, in Frage. Am 02. Oktober fand in der Berliner Umweltbibliothek eine Zusammenkunft von Mitgliedern unabhängiger linker Gruppen, Arbeitskreise und Einzelpersonen statt. Es wurde beschlossen, im November 1989 ein DDR-weites Arbeitstreffen durchzuführen. Auf ihrem 1. Arbeitstreffen am 25./26. 11. 1989 in Berlin konstituierte sich die "Initiative Vereinigte Linke" (IVL). Die Gründung einer Dachorganisation scheitert. Zu groß ist die Befürchtung vor der Entstehung einer Parteibürokratie.Die IVL war bestrebt Teile der SED-Mitgliedschaft zu gewinnen und von ihrer bisherigen Führung zu lösen. Dazu sollten auch die zwei Briefe der IVL an die SED-Mitglieder dienen. Es zeigte sich aber schnell, dass zwar die SED einen rapiden Mitgliederschwund hatte, die wenigsten aber bereit waren eine neue Vereinigte Linke zu bilden. Bereits am 12.10.1989 forderte die IVL den Rücktritt des Politbüros und der der Regierung und der Bildung einer neuen politischer Führung und einer zeitlich befristeten Übergangsregierung. Weshalb sie vom Neuen Forum Leipzig als staatsfeindliche Provokateure bezeichnet wurden.Die Organisation "Vereinigte Linke" gründete sich am 30. Januar 1990. Mitbegründer der VL waren Bernd Gehrke, Thomas Klein, Herbert Mißlitz, Silvia Müller, Martin Schramm, Marion Seelig, Roland Seelig, Wolfgang Wolf. Erste Geschäftsführerin wurde Jutta Braband. Am 19. Dezember 1989 führte die VL mit der partiellen Unterstützung anderer Gruppen in Berlin, anlässlich des Besuches des BRD-Kanzlers Kohl in Dresden, eine Demonstration gegen "Ausverkauf und Wiedervereinigung" durch, an der sich 6 000 Menschen beteiligten. Im Anschluss an eine Sitzung des Runden Tisches am 03. Januar 1990 wurde von Thomas Sell, DA; Eberhard Seidel, NF; Konrad Weiß, DJ; Ibrahim Böhme, SDP; Reinhard Weißhuhn, IFM; und Bernd Gehrke, VL in einer Erklärung bekräftigt, zur Volkskammerwahl am 06. Mai 1990 gemeinsam anzutreten. Damit wurde ein Beschluss vom 04. Oktober 1989 bestätigt. Hintergrund war die Befürchtung, "alte SED-Kader" würden wieder in Machtpositionen gelangen. Bereits am 06. Januar stieg die VL aus dem Bündnis aus. Der Sprecherrat der VL hatte seine Zustimmung als voreilig und falsch bezeichnet. Zu groß waren die politischen Unterschiede zwischen den beteiligten Organisationen. Bereits Ende November 1989 hatte die SPD die SDP gedrängt sich stärker als eigenständige Kraft zu profilieren. Bei den Verhandlungen zwischen der Modrow-Regierung und den oppositionellen Gruppen und Parteien über den Eintritt in die Regierung am 28.01.1990 stimmte die VL trotz Bedenken dem Eintritt zu. Zu groß war die Angst sich von der übrigen Opposition zu isolieren und als Sektierer dazustehen. War ihr Konzept eine größere Anzahl reformwillige SED-Mitglieder zu gewinnen bereits gescheitert. Die Verkündung Modrows Konzept "Deutschland einig Vaterland" am 01.02.1990 nahm dann die VL zum willkommenen Anlass aus der ungeliebten Regierungsbeteiligung auszusteigen.Die erste Delegiertenkonferenz der VL fand am 27./28. Januar 1990 in Leipzig statt. Auf ihr wurde ein Statut verabschiedet und ein zentraler Geschäftsausschuss gebildet, sowie ein Sprecherrat ins Leben gerufen. Die zweite Delegiertenkonferenz der VL fand im Februar 1990 in Berlin statt. Auf ihr wurde die Wahlplattform zur Volkskammerwahlen angenommen. Am 03. Februar 1990 führt die Initiativgruppe für Betriebsarbeit der Vereinigten Linken in Berlin die erste Betriebsrätekonferenz durch. Themen waren die Geschichte der Betriebsräte von 1945-1948, die rechtliche Grundlage der Betriebsrätearbeit und die wirtschaftliche Situation in der DDR. In der Nacht zum 20.02.1990 wurden Mitglieder der VL in Berlin von Faschos angegriffen.Zu den Volkskammerwahlen ging die Vereinigte Linke und die marxistische Partei "DIE NELKEN" ein Wahlbündnis ein. Dies wurde auf einem Wahlkongress am 25. Februar 1990 beschlossen. Nach der Wahl zur Volkskammer am 18.03.1990 stellte das Wahlbündnis mit Thomas Klein einen Abgeordneten. Wie bei anderen Gruppierungen der "Wendezeit" auch, sind bei der VL die Zerfallserscheinungen im Sommer 1990 unübersehbar. Unter diesem Eindruck findet im Juni ein Arbeitstreffen in Dresden statt. [Bericht im IUG info Nr. 12] Auf der Delegiertenkonferenz in Rostock Ende Juli 1990 wurde beschlossen nicht als Organisation an den gesamtdeutschen Wahlen teilzunehmen. Einzelmitglieder sollten auf anderen Listen kandidieren.Zu den gesamtdeutschen Wahlen gingen Einzelpersonen der Vereinigte Linke mit Demokratie Jetzt, Grüner Liga, Die Grünen (DDR), Initiative für Frieden und Menschenrechte, Neues Forum, Unabhängiger Frauenverband und Die Grünen (BRD) eine Listenverbindung unter dem Namen "Die Grünen/Bündnis 90-Bürgerbewegungen" ein. Im Vorfeld dazu kam es zu starken Spannungen innerhalb der VL. Plädierten doch Teile für die Beteiligung der VL als Organisation bei der angestrebten Listenverbindung Bündnis 90/Grüne, andere hingegen bevorzugten offene linke Listen. Ein Teil sprachen sich gegen eine Beteiligung an den "Reichstagswahlen" aus. Zu den Landtagswahlen am 14. Oktober 1990 ging die VL eine Listenverbindung mit DJ, IFM und UFV in Mecklenburg/Vorpommern und mit DIE NELKEN, FDJ, KPD und PDS in Thüringen ein. Die VL gibt es noch heute. Sie entfaltet aber keine Außenwirkung mehr.
Als Reaktion auf das Arbeitstreffen der VL am 25./26.11.1989 in Berlin, gründete sich die "DIE NELKEN" am 13. Januar 1990 in Berlin als marxistische Partei. Auf dem Arbeitstreffen der VL waren Bestrebungen nach einer strafferen Organisation vehement abgelehnt worden. DIE NELKEN waren zunächst assoziiertes Mitglied der Vereinigten Linken. Sie lösten sich aus der VL im Vorfeld der Volkskammerwahlen aus wahlrechtlichen Gründen. Sie erhielten z.B. dadurch eigene Fernsehwerbezeit. Ein assoziiertes Mitglied der Vereinigten Linken war die Kommunistische Initiative (KI). Die Kommunistische Initiative wurde am 14.12.1989 in Berlin gegründet. Am 09.12.1989 wird in Leipzig der Bund unanhängiger Sozialisten (BUS) als organisatorisch selbständiger Teil innerhalb der VL ins Leben gerufen. |