| Runder Tisch | 3. Januar 1990 |
SDP
Gerechte Öffnung der Tagespresse für alle Parteien und Organisationen
Im Interesse ausgewogener Rahmenbedingungen für die Führung des politischen Meinungsstreites im Vorfeld der Wahlen müssen alle an Runden Tisch beteiligten Parteien und Organisationen die Möglichkeit erhalten, sich ab sofort öffentlich zu äußern. Es muss für jede Partei möglich sein, sich in der Tagespresse darzustellen. Dies ist bislang nicht der Fall. Aufgrund der Eigentumslage wird in den nächsten Wochen in der DDR keine unabhängige Tagespresse verlegt werden können. Deshalb unterbreiten wir dem Runden Tisch den Vorschlag, im Interesse eines fairen Wahlkampfes und eines wirklichen politischen Dialoges folgenden Beschluss zu fassen:
Allen Parteien und Gruppierungen des Runden Tisches, die über keine eigene Tageszeitung verfügen, wird das Rech eingeräumt, bei jeder der in der DDR verlegten Tageszeitung eine oppositionelle Redaktion neben der Stammredaktion zu bilden. Diese oppositionellen Redaktionen arbeiten unabhängig und tragen die redaktionelle Verantwortung für einen zwischen der entsprechenden Redaktion und den neuen Parteien eigenständig auszuhandelnden Umfang der Zeitung. (Die jeweilige Redaktion der oppositionellen Gruppen muss die Möglichkeit erhalten, bis zur Hälfte des politischen Teils einer jeden Tageszeitung einnehmen zu können.)