DDR 1989/90Brandenburger Tor


Bürgerinitiative "Frauen für Veränderung":

Warum wir ein Frauenzentrum brauchen ...

Wir denken uns das Frauenzentrum als Stätte der Begegnung und Kommunikation, weil es bisher keine ausreichenden Möglichkeiten zur Verwirklichung unserer Interessen gab. Es soll ein Anlaufpunkt für alle Frauen sein, die unsere Angebote nutzen bzw. eigene Ideen und Vorstellungen einbringen wollen. Es gibt keine Tabus und keine Altersbegrenzung. Wir sind nicht männerfeindlich, aber die Realität zeigt, dass gerade Frauen neben Beruf, Haushalt und Kindern kaum Zeit und Kraft zur Selbstverwirklichung finden. Deshalb brauchen wir ein Zentrum nur für Frauen als Alternative zur Isolation und Selbstaufgabe eigener Freizeitinteressen.

Wir wollen Frauen ansprechen, denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, die sonst keine Kontaktmöglichkeiten sehen, die herausfinden möchten, was in ihnen steckt, einfach nur Quatschen oder Ruhe finden wollen.

Wir halben bisher folgende Ideen: ein Café, eine Boutique, eine Galerie, Räume für kreative Gestaltung, Malen, Fotografieren usw. und zur körperlichen Betätigung, eine Bibliothek, Einrichtung eines Spielzimmers für die mitgebrachten Kinder, Bildung von Selbsthilfegruppen zu Problemen, die Frauen bewegen. Wir werden außerdem juristische und psychologische Beratung vermitteln sowie kulturelle Informationen anbieten.

Das Frauenzentrum soll tagsüber und abends geöffnet sein. Möglich sind auch thematische Abende und Kurse je mach Interessen.

Wir hoffen, dass sich viele Frauen angesprochen fühlen, und können mitteilen, dass wir vom Oberbürgermeister die Zusage erhielten, ab 1. Februar 1990 das Objekt Espachstraße 2 als Frauenkommunikationszentrum nutzen zu können.

Kontaktadresse: U(...) P(...), (...) Erfurt 5023.

aus: Das Volk, Nr. 5, 06.01.1990, 45. Jahrgang, Sozialistische Tageszeitung für den Bezirk Erfurt, Zeitung der SED-PDS