DDR 1989/90Brandenburger Tor


Die Ziele der Grünen Partei in unserem Bezirk

Für eine grüne Heimat

In der DDR sind in den letzten Monaten zahlreiche neue Parteien entstanden. Linke, rechte und bunte. Zu den neuen gehört auch eine grüne Partei, die am 24. November 1989 unter der Bezeichnung Grüne Partei in der DDR gegründet wurde.

Welche Ziele hat diese Partei in der DDR, in unserem Heimatbezirk?

Die Grüne Partei in der DDR ist eine ökologisch orientierte politische Partei. Ihre Notwendigkeit ist begründet in der weltweiten Gefährdung der elementarsten Lebensbedingen für Mensch und Natur. Auch in der DDR sind grundlegende ökologische, ökonomische politische Veränderungen unumgänglich. Ihre Mitglieder wollen dazu beitragen, dass das Leben der Menschen menschlicher wird und die Erde in kommenden Jahrhunderten noch bewohnbar und lebenswert ist. Dazu wollen sie ihren Einfluss geltend machen, in den parlamentarischen Gremien mitarbeiten und Verantwortung übernehmen in unserem Staat und in Europa.

Die Grüne Partei tritt ein für eine ökologisch orientierte Veränderung der Wirtschaft und der Gesellschaft. Die Nutzung und der Schutz der Bodenschätze, des Bodens, der Wälder und der Gewässer; die Reinhaltung der Luft, der Schutz vor Lärm und die Nutzbarmachung und schadlose Beseitigung der Abprodukte müssen wirtschaftlich und ökologisch eine Einheit bilden. Die Gestaltung und die Pflege der Landschaft soll in Übereinstimmung mit den angestammten Gewohnheiten der Natur erfolgen. Die wildlebenden Pflanzen und Tiere müssen in ihrer Vielfalt erhalten bleiben und sich weiterentwickeln können.

Die Grüne Partei tritt für eine Gesellschaft ein, in der die Gewaltanwendung des Menschen gegen Menschen und gegen die Natur gehoben und die Gleichheit der Rassen, der Völker, der Religionen und der politischen Anschauungen gewährleistet ist. Frauen und Männer Kinder und Erwachsene sollen gleichberechtigt miteinander leben. Den sozial Schwachen muss die besondere Aufmerksamkeit und Liebe gelten.

Die Ziele der Grünen Partei können nur in einer national und weltweit gerechten Wirtschafts- und Friedensordnung verwirklicht werden. Für den dafür erforderlichen ökologischen und politischen Umbau der Gesellschaft will sie mit allen demokratischen Kräften zusammenarbeiten. Ihre Politik soll pazifistisch, gewaltfrei und basisdemokratisch verwirklicht werden. Sie ist geprägt von der Fähigkeit zu Toleranz und Dialog und fußt auf einer von der Mehrheit des Volkes akzeptierten Verfassung.

Die Grüne Partei in der DDR sieht sich als Teil der nationalen und internationalen Grünen Bewegung.

Der Programmentwurf der Grünen Partei, der auf dem Programmparteitag vom 9. bis 11. Februar dieses Jahres in Halle beraten und beschlossen werden soll, enthält folgende Arbeitsschwerpunkte:

- Die Grüne Partei tritt für einen eigenen, selbstbestimmten und ökologisch orientierten Entwicklungsweg der DDR ein.

- Sie ist für eine Vielfalt von Eigentumsformen an Produktionsmitteln. Dabei wird dem genossenschaftlichen Eigentum mehr Raum als bisher eingeräumt.

- In allen Preisen, von den Rohstoffkosten bis zu den Endprodukten, müssen sich die wahren Aufwendungen einschließlich der Umweltkosten widerspiegeln, Umweltschädigende Industriebetriebe sind vorrangig stillzulegen, einzusparen oder zu erneuern.

- In der Energiewirtschaft sind vorrangig umweltschonende Energieträger einzusetzen und das große Einsparpotential zu erschließen. Veralterte Kraftwerke, Heizkraftwerke und Heizwerke sind stillzulegen. Die Kernenergie darf nicht zu einer neuen Geisel der Menschheit werden. Die Erforschung und die Anwendung erneuerbarer Energiequellen wie Sonne, Wind und Wasser sowie Biomasse sind wesentlich zu beschleunigen.

- Der ökologische Umbau der Landwirtschaft verlangt eine deutliche Minimierung des Einsatzes von Agrochemikalien. Sie belasten den Boden, die Gewässer, unsere Nahrung und die wildlebenden Pflanzen und Tiere. Der Holzexport ist einzustellen.

Der Waldanbau und die Waldnutzung müssen standortgerecht erfolgen.

- Alle Umweltdaten sind offen zulegen. Die Grüne Partei fordert das verfassungsmäßige Recht auf ökologische Sicherheit. Die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch Umweltverschmutzung muss ähnlich hart geahndet werden wie vorsätzliche oder fahrlässige Körperverletzung. Die Vernichtung der Natur muss durch Maßnahmen zur Sicherung, Gestaltung und Pflege der Natur ersetzt werden.

- Feindbilder müssen durch die Erziehung zum inneren und äußeren Frieden und zum konfliktlosen Verhalten abgebaut werden. Abrüstung anstatt Rüstung, Krieg und Heldentod. Die Beziehungen zu den Nachbarländern sind lebendig und offen zu gestalten.

- Die Gesundheit, also das körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden, zählt zu den grundlegenden Menschenrechten. Die Umweltbedingungen sind in allen Bereichen der Wirtschaft und der Gesellschaft den Anforderungen der menschlichen Gesundheit anzupassen und nicht umgekehrt. Der Umgang mit kranken, behinderten und alten Menschen mauss humanisiert und aufgewertet werden.

- Die Herrschaft der Männer hat seit Jahrtausenden Kampf, Konkurrenz, Zerstörung, Krieg und unendliches Leid gebracht. Wir dürfen die ökologische Umgestaltung nicht den Männern überlassen: Die Gleichberechtigung der Frau ist in allen Lebensbereichen zu sichern. Bildung und Erziehung brauchen eine freie und schöpferische Atmosphäre, in der Denken und Lernen Bedürfnis werden. Der Lernende muss als Partner betrachtet werden und braucht Raum zur Mitbestimmung im Lernprozess. Umwelt- und Friedenserziehung sind ebenso notwendig wie musische Ausbildung und müssen den naturwissenschaftlichen Fächern gleichgestellt werden.

- Das Potential der Wissenschaft und der Forschung ist zum Vermeiden ökologischer Fehlentwicklungen und zur Beförderung umweltschonender und lebenserhaltender Alternativen einzusetzen. Es sind vorrangig energiesparende und ressourcenschonende Technologien zu entwickeln.

- Kunst und Kultur in allen ihren Ausprägungen tragen zur Gesundheit und zum Wohlbefinden des Menschen bei, beanspruchen begrenzte Ressourcen kaum und sind den materiellen Dingen des Lebens ebenbürtig. Sie sollen sich frei entwickeln können.

- Der Mensch muss sich als Teil der Natur und nicht als ihr Beherrscher betrachten. Statt einseitige Maximierung der Produktion und des Verbrauches zu betreiben, tritt die Grüne Partei für die Sicherung aller wichtigen Lebensgrundlagen - jetzt und in Zukunft - ein.

Im Bezirk Frankfurt (Oder) werden die Freundschaft und die Zusammenarbeit mit Westberlin und mit Polen und die Schadensvergütung beim Importtourismus besondere Arbeitsschwerpunkte bilden.

Wer sich näher über die Grüne Partei in der DDR informieren will, der kann sich an folgende Kontaktadressen wenden:

- A(...) H(...), (...) Eberswalde-Finow, 1300
- H(...) G(...), (...) Eisenhüttenstadt, 1220

H(...) G(...)

aus: Neuer Tag, Nr. 18, 22.01.1990, 39. Jahrgang, Herausgeber: Verlag Neuer Tag

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