DDR 1989/90Brandenburger Tor



Abteilung XX/1 Berlin, 26. Oktober 1989
ger-vo

Information
CDU-Ortsgruppenversammlung in den Räumen des Kreisvorstandes Berlin-Lichtenberg, Weitlingstr. 34/35


Diese Versammlung fand am 25.10.1989 in der Zeit von 19.30 Uhr bis ca. 22.00 Uhr statt.

Es waren ca. 50 bis 60 CDU-Mitglieder, darunter auch der CDU-Bezirksvorsitzende S(...) B(...), anwesend.

Als Gäste nahmen teil:

Bohley, Bärbel
240445 5 (...)
erf. HA XX

und

Weißhuhn, Reinhard
040451 4 (...)
1071 Berlin (...)
erf. HA XX

Es kam zu einer sehr lebhaften Aussprache über das "Neue Forum", wobei sich der Weißhuhn als dialogfreudiger und flexibler zeigte.

Auf die Frage der CDU-Mitglieder, warum das "Neue Forum" in seinem Grundsatzpapier den Sozialismus nicht erwähne, entschuldigte sich Weißhuhn für diesen Fehler.

Die führende Rolle der Arbeiterklasse in der DDR wurde von der Bohley nicht strikt abgelehnt. Es müsse nur erkennbar sein, dass sie allen dient und sichtlich erlebbar ist.

Zur Existenz und Zulassung des "Neuen Forums" sagte die Bohley sinngemäß': "Wenn sich in der DDR eine Wende und Entwicklung vollzieht, die ihren Vorstellungen entspricht, würden sie sich auflösen."

Zum Pluralismus in der DDR wurde von beiden gesagt, dass es in der DDR genügend Möglichkeiten gibt, in den vorhandenen Parteien und Organisationen aktiv mitzuarbeiten.

Das Argument der Bohley, dass sie die angekündigte Wende mit Misstrauen beobachten, wurde damit zurückgewiesen, dass sie in ihrem "Grundsatzpapier" aufrufen, das Misstrauen abzulegen. Man könne deshalb nicht verstehen, dass sie, jetzt selbst Misstrauen sähen.

Die CDU-Mitglieder haben in dieser Versammlung gut mitgearbeitet und sehr kritisch reagiert. Sie wollen weiter in der CDU mitarbeiten, verlangen aber, dass ihre Parteiführung mehr auf die Fragen und Probleme der Mitglieder eingeht.

Bohley und Weißhuhn waren doch sichtlich von der positiven Grundhaltung der CDU-Mitglieder beeindruckt.

Der IM schätzt ein, dass deutlich wurde, dass hinter dem "Neuen Forum" keine politische Qualität steht und dass gefestigte Sozialisten bei konsequenter Wahrung unserer Positionen diese Leute zurückdrängen können.

Gerischer
Major

BStU, MfS, BV Berlin