DDR 1989/90Brandenburger Tor


"DIE NELKEN" - marxistische Partei

Was will das Volk dieses Landes?

In 40 Jahren stalinistischer Diktatur hatte das Volk weder Mitspracherecht, noch war es Eigentümer. Selbst der Möglichkeit des entscheidenden Mitspracherechts - des Volksentscheids oder des Volksbegehrens - wurde es im laufe der Entwicklung dieses Landes beraubt, so dass Volksherrschaft nicht möglich war. Will das Volk dieses Landes sich noch weiterer Rechte berauben lassen? Will es soziale Errungenschaften, die bei allen negativen Erscheinungsformen 40jähriger DDR-Geschichte nicht zu leugnen sind, einfach verschenken? Will es die einmalige Chance, aus dem bisherigen Staatseigentum, auf welches es keinen Zugriff hatte, gesellschaftliches Eigentum zu entwickeln, nicht nutzen?

Das kann doch nicht das Volk sein, welches im Oktober 1989 Kopf und Kragen riskierte. Ein Teil der Bevölkerung, der sich durch das Verprügeln Andersdenkender versucht Geltung zu verschaffen, Panik stiftet und durch gute Reden zu überzeugen versucht, hat nur eins im Sinn - die DDR um jeden Preis zu verschachern, die eigene Macht und den eigenen Gewinn daraus zu ziehen. Sollte es nicht so sein, dass alle demokratischen Kräfte für eine Deutsche DEMOKRATISCHE Republik eintreten sollten, welche auf der Basis einer deutsch-deutschen Vertragsgemeinschaft souverän bleibt? Ein Großteil der Bevölkerung ist sichtlich irritiert! Dieser Teil weiß nach 40 Jahre Stalinismus nicht, was er machen soll - wen er wählen soll. Das "Sozialismusmodell" ist gescheitert. Kann denn etwas scheitern, was noch nie existiert hat? Die marxistische Partei "Die NELKEN" äußert sich in ihrem Programm dazu deutlich. Es hat noch nie Sozialismus gegeben, da das Volk nach nie die Macht in seinen Händen hatte, demzufolge kann der Sozialismus auch nicht gescheitert sein. In der DDR existierten 40 Jahre staatsmonopolistische Verhältnisse, die durch eine kleine Gruppe in der SED maßgeblich bestimmt wurden. Ehrliche Menschen haben das schon in den 50er Jahren erkannt und mussten dafür großes Leid ertragen.

Sollten wir, als Bürger dieses Landes nicht versuchen, eine reale Alternative anzustreben, als uns gleich als Bundesland zu proklamieren und der Verarmung und Arbeitslosigkeit unausweichlich ausgesetzt zu sein? DSU-Politiker sollten über ihren Parteinamen nachdenken, bevor sie die sofortige Wiedervereinigung fordern, denn auch sie haben das Wort "sozial" auf ihre Fahnen geschrieben und wollen es doch sicherlich nicht zur Phrase werden lassen.

Lasst uns alle zusammen für dieses Land eintreten, denn man kann nur das verlieren, was man besitzt, und wir besitzen zwar nicht alles aber einiges!

Vorstand "Die NELKEN" - marxistische Partei

aus: Freies Wort, Nr. 30, 05.02.1990, 39. Jahrgang, Unabhängige Tageszeitung für Südthüringen