Wieder Anmaßung, Vertretung für alle jugendliche zu sein

Erklärung zur Mitarbeit am Runden Tisch

Berlin (NZ). In einer Erklärung nehmen Organisationen der Jugend Stellung zur Mitarbeit am Runden Tisch der landesweiten Jugendverbände.

Darin heißt es: "Mit außerordentlicher Sorge erfüllt uns das derzeitige Streben rasch anwachsender Teile der Jugend in radikale und extreme politische Positionen. Die Polarisierung zu einem rechtsradikalen, neofaschistischen, militant-antikommunistischen bzw. zu einem linksextremen, neostalinistischen oder terroristischen Spektrum gefährdet akut den bisher friedlichen Verlauf unserer Revolution.

Wir treten entschieden gegen jede Entwicklung zu totalitären Strukturen und für Demokratie ein.

Deshalb schätzen wir die Mitarbeit am Runden Tisch der landesweit wirkenden Jugendverbände, an dem jeder dieser Verbände gleichberechtigt teilnimmt, sehr hoch ein. Unter den gegebenen Umständen ist nur dieser Runde Tisch in der Lage, die Interessen der Jugendlichen zu vertreten. Voraussetzung für eine wirksame Arbeit des Runden Tisches ist unbedingt Fairness untereinander und die gegenseitige Respektierung auf gleicher Basis.

Unter Gleichberechtigung der Jugendverbände können wir nicht verstehen, dass

- ein Jugendverband allein, ohne Abstimmung mit anderen Jugendverbänden, Anspruch auf die Vertretung der Jugend der DDR am Großen Runden Tisch der Parteien erhebt

- ein Jugendverband die einzige Jugendzeitung der DDR (JW) für sich beansprucht, nicht zulässt, dass die anderen Jugendverbände sich dann gleichberechtigt äußern können und sie gar zu Angriffen gegen andere Jugendverbände benutzt

- ein Jugendverband sämtliche vom Staat zur Verfügung gestellten materiellen Möglichkeiten, die für die Jugend der DDR bestimmt sind, immer noch für sich beansprucht und

- ein Jugendverband ohne Absprache am Runden Tisch eine groß angelegte Kampagne zum Erhalt einer Jugendfraktion in der Volkskammer startet, obwohl bekannt ist, dass andere Jugendverbände aus bitterer Erfahrung heraus der Meinung sind, eine Jugendfraktion würde wie in der stalinistischen Honecker-Ara für die Machtansprüche einer Partei missbraucht werden können und somit demokratiefeindlich sein.

Im Interesse einer erfolgreichen Arbeit des Runden Tisches und damit im Interesse der Jugend der DDR fordern wir dazu auf, unverzüglich die Voraussetzungen für eine Gleichberechtigung der landesweiten Jugendverbände zu schaffen."

Die Erklärung ist vom Verband JuliA unterzeichnet und enthält den Vermerk, dass sich ihr anschließen: CDJ, Jugend der SDP, Jugend des DA, Deutscher Regenbogen, Ev. Studentengemeinden der Bund der sozialdemokratischen Studenten.

aus: Neue Zeit, 45. Jahrgang, Ausgabe 301, 22.12.1989, Tageszeitung der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands