Gemeinsame   Erklärung

Für eine demokratische Umgestaltung von Staat und Gesellschaft in der DDR fordern wir:

- eine Verfassungsreform, die eine demokratische Willensbildung ohne festgeschriebene Führungsrolle der SED ermöglicht;

- freie und geheime Wahlen auf der Grundlage eines demokratischen Wahlrechtes.

Für alle demokratischen Kräfte fordern wir:

- Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit;

- Pressefreiheit, einschließlich der Zulassung unabhängiger Zeitungen und gleichberechtigten Zugang zu den elektronischen Medien.

Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger der DDR, diese Forderungen mit eigenen Beiträgen und Aktionen zu unterstützen.

Die Vertreter

der Bürgerbewegung Demokratie jetzt
des Demokratischen Aufbruchs
des Grünen Netzwerkes Arche
der Initiative Frieden und Menschenrechte
Initiativgruppe der Vereinigten Linken Berlins
des Neuen Forums
der SDP

Berlin, am 3. November 1989

Angelika Barbe (SDP)
Werner Fischer (Initiative Frieden u. Menschenr.)
Martin Gutzeit (SDP)
Stephan Hilsberg (SDP)
Carlo Jordan (Grünes Netzwerk Arche)
Thomas F. Krüger (Vereinigte Linke Berlin)
Heinz Küchler (Demokratie jetzt)
Kathrin Menge ( Neues Forum)
H. Misslitz (Vereinigte Linke Berlin)
Rudi Pahnke (Demokratischer Aufbruch)
Dr. Wolfgang Ullmann (Demokratie jetzt)

aus: gesammelte Flugschriften DDR `89, Heft 1, November 1989, Redaktion und inhaltliche Gestaltung herausgeberkollektif (Ostberlin), Technische Gestaltung, Produktion und Vertrieb: ASTA TU Berlin


Um schneller auf die raschen Veränderungen reagieren zu können, wurde ein wöchentliches Treffen der Kontaktgruppe vereinbart. Es wurde u.a. vereinbart, zu prüfen, "in welchem Umfang wir ein Wahlbündnis mit gemeinsamen eigenen Kandidaten verwirklichen können". Nachdem die SDP das Wahlbündnis aufgekündigt hatte, erweckten manche, die am Wahlbündnis festhielten den Eindruck, ein Wahlbündnis sei fest beschlossen gewesen. Von den anderen wurde das Ausscheren der SDP als eine Art Kriegserklärung angesehen. Allerdings wollte man sich es mit ihr nicht ganz verderben. Wurde doch von einem Sieg der SDP bei den kommenden Volkskammerwahl ausgegangen und mit ihr sollte eine Koalitionsregierung geschlossen werden.