DDR 1989/90Brandenburger Tor

Kommunistische Initiative (KI)

Die Kommunistische Initiative wurde am 14.12. 1989 in Berlin gegründet. Zur Zeit bestehen weitere Landesgruppen in Sachsen (Leipzig) und Thüringen (Weimar). Die Kommunistische Initiative (KI) ist seit Januar 1990 assoziiertes Mitglied der "Vereinigten Linken". Entsprechend unserer Auffassung, dass eine überhastete KP-Gründung gegenwärtig nicht zweckmäßig und historisch nicht gerechtfertigt ist, betrachten wir uns als eine politische Vereinigung, der sowohl Einzelmitglieder direkt beitreten können, als auch kommunistisch orientierte Gruppen/ Parteien in verschiedenen Bündnisformen angehören können.

Gründungsaufruf der Kommunistischen Initiative (KI)

26.1.1990

Angesichts der Zersplitterung der Linken in unserem Land gründen wir die Kommunistische Initiative, um in einem langfristigen politischen und theoretischen Diskussionsprozess zur Zusammenführung aller antistalinistisch-kommunistischen Kräfte, Gruppierungen und Plattformen beizutragen.

Die KI ist keine Bewegung, die selbst eine Partei werden will, sondern eine Gruppe, die die organisatorische Basis für die Verständigung und Zusammenführung dieser Gruppen schaffen will.

Die Zusammenführung der Kommunisten ist nicht nur eine organisatorische Aufgabe. Die globalen Probleme verlangen eine grundlegende Neuorientierung kommunistischen Denkens, ohne dabei das theoretische Erbe von K. Marx, F. Engels, W. I. Lenin, R. Luxemburg, L. D. Trotzki, A. Gramsci und G. Lukács zu verleugnen.

Wir müssen die Frage beantworten, auf weichem Wege eine sozialistische Alternative für das Überleben der Menschheit möglich ist.

Die Vielfalt kommunistischen Gedankenguts, die unterschiedlichen Auffassungen zu gesellschaftspolitischen und theoretischen Fragestellungen bilden dabei die Voraussetzung einer modernen, in pluralistischen Gesellschaften existenzfähigen Bewegung.

Kommunistische Politik in der gegenwärtigen Situation beinhaltet nach unserer Auffassung:

- die konsequente Mitarbeit in allen Formen der direkten Demokratie wie Bürgerinitiativen, Betriebsräten, Bürgerkomitees usw. in den Institutionen und Territorien, mit der langfristigen Perspektive, die parlamentarische Demokratie durch Rätedemokratie zu ergänzen und möglicherweise zu ersetzen;

- die Stärkung unabhängiger Gewerkschaften;

- die reale Verfügungsgewalt der Werktätigen über ihr Eigentum durchzusetzen;

- das Ringen um eine ökologische Überlebensalternative;

- die Emanzipation der Geschlechter.

Kommunistische Politik ist nur als internationale Politik denkbar und richtet sich gegen Nationalismus, Chauvinismus, Rassismus und Faschismus. Wir lehnen eine nationalstaatliche Lösung der deutschen Frage ab.

Kontaktadresse:
KI
Magnushaus
PF (...)
Berlin
1080

aus: "Politische Parteien und Bewegungen der DDR über sich selbst", 1. Auflage, Staatsverlag der DDR, Berlin 1990, Redaktionsschluss 28.02.1990, ISBN 3-329-00734-6