Meine Zustimmung zur Erklärung vom 3. Januar 1990 über das Wahlbündnis 90 war ein Fehler, weil diese Erklärung weder inhaltlich vorbereitet noch von der Basis legitimiert war. Ich traf diese Entscheidung unter Zeitdruck und in der Absicht, der Initiative Vereinigte Linke und ihrem Ziel eines freiheitlichen Sozialismus in der DDR zu nutzen. Durch meine Entscheidung habe ich dem sowie mir selbst geschadet. Dafür übernehme ich die Verantwortung und entschuldige mich bei meinen Freunden. Als Zeichen dieser Verantwortung trete ich als Teilnehmer am Runden Tisch zurück.

Ich unternehme diesen Schritt nicht, weil in irgendeiner Form Druck auf mich ausgeübt wurde oder gar eine Art allbekanntes Parteiverfahren stattfand. Ich unternehme ihn im Interesse der Glaubwürdigkeit meiner Person, der Initiative Vereinigte Linke und im Interesse einer besseren politischen Kultur in der DDR.

Gestatten Sie bitte noch ein Wort, bevor ich diesen Tisch verlassen werde, ohne dass ich mich zu den Inhalten äußern möchte, die heute hier diskutiert werden. Ich möchte aber als einen, wirklich nur einen Punkt meiner Unterschrift unter das Dokument von neulich hervorheben, dass ein Konsens erzielt wurde darüber, dass für ein künftiges Wahlbündnis der oppositionellen Gruppierungen und Parteien es notwendig ist, dass auch ein Wahlgesetz verabschiedet wird, das die Wahl auch der unabhängigen Bürgerbewegungen und -initiativen möglich macht.

Dieser Konsens, daran möchte ich erinnern, der gilt natürlich auch heute hier bei der Tagesordnung, und ich denke, dass die Parteien der Oppositionsseite SDP und DA im Wort sind gegenüber den Bürgergruppierungen. Vielen Dank.


Diese persönliche Erklärung gab Bernd Gehrke zu Beginn der 6. Sitzung des Zentralen Runden Tisches am 08.01.1990 ab.