DDR 1989/90Brandenburger Tor


Für ein "Linkes Dokumentationszentrum"

Die Geschichtsgruppe innerhalb der 'Initiative für eine Vereinigte Linke' hat ein 'Linkes Dokumentationszentrum' gegründet.

Wir wollen für eine sozialistische Perspektive die allgemein wenig bekannten Wurzeln und Erfahrungen bisheriger oppositioneller Bewegungen und Alternativen zum 'Stalinismus' in das Bewusstsein unserer Gesellschaft bringen und die öffentliche Diskussion darüber beginnen.

Die offizielle Geschichtswissenschaft hat die Aufarbeitung der Geschichte dieser Bewegungen und ihrer Unterdrückung bisher kaum berücksichtigt bzw. arrogant ignoriert. Diese Aufarbeitung kann nur durch die breite Einbeziehung von Betroffenen und Zeitzeugen geschehen.

Deshalb werden wir Erlebnisberichte, Erinnerungen von Zeitzeugen, Prozessberichte sowie Namen sammeln und veröffentlichen. Das Zentrum macht sich zugleich zum Sachwalter von Fällen politisch Repressierter und engagiert sich dafür, dass deren Rehabilitierung nicht auf einen schreibtechnischen Vorgang reduziert wird.

Wir bitten daher alle Betroffenen, 'Zeugen', Besitzer privater Archivsammlungen sowie Interessenten um Bereitstellung von Informationen und Material sowie um persönliche Zusammenarbeit.

Wir haben internationale Kontakte zu ähnlichen Initiativen aufgenommen und sind an der Zusammenarbeit mit allen interessierten Gruppen vor allen in der DDR Interessiert.

Berlin, den 8. Dezember 1989

Adresse für Zuschriften

B(...) B(...)
PSF 114
Berlin
1080

Weitere Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit

Wir sammeln das Schriftgut

- der oppositionellen Bewegung in der DDR, ihre Zeitschriften und andere Publikationen und Zeugnisse ihrer Arbeit vor dem September 1989

- der oppositionellen Bewegung noch dem September 1989

- speziell aller innerhalb der 'Initiative für eine Vereinigte Linke' arbeitenden Gruppen sowohl vor als auch nach dem September 1989

Wir bitten die oppositionellen Gruppen in der DDR, uns die Geschichte ihrer Bewegung in einer selbst gewählten Form mitzuteilen bzw. sich an der Aufarbeitung dieser Geschichte zu beteiligen.

Wir sammeln alle im Ausland erschiene Literatur ehemaliger DDR-Bürger, ob nun Schriftsteller oder Wissenschaftler oder Autor von Lebensberichten.

Wir wollen Kontakte zu aus politischen Gründen in den Westen abgeschobenen bzw. gegangenen DDR-Oppositionellen herstellen.

Wir werden jene Literatur sammeln, die die jahrzehntelange internationale Diskussion über alternative Sozialismusvorstellungen widerspiegelt.

Wir sammeln Zeugnisse vergangener bzw. vorhandener Versuche kommunemäßiger Lebensgestaltung in unserem Land.

Wir werden mit Forschungseinrichtungen, gesellschaftlichen Organisationen und Einzelpersonen zusammenarbeiten, die bezüglich unserer Intention Sozial- bzw. mündliche Geschichte betreiben.

Wir sehen die Perspektive, eine unabhängige Forschungseinrichtung der alternativen Bewegung zu etablieren und haben deshalb mit der Gründung des Zentrums und der Schaffung einer arbeitsfähigen Arbeitsgruppe begonnen.

Wir streben die angebrachte Veröffentlichung von Ergebnissen unserer Arbeit an. Dieser Problemkatalog muss u.E. durch die beginnende Arbeit modifizierbar sein.

aus gesammelte Flugschriften DDR `90, Heft 3, März 1990, erstellt von der Initiative für eine vereinigte Linke, Technische Gestaltung, Produktion und Vertrieb: ASTA TU Berlin

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