6-Punkte-Programm der Berliner Handwerker
Überlegungen zur Arbeit der Handwerkskammer
Die Berliner Handwerker, vertreten durch die Vorsitzenden und Geschäftsleiter der 23 Berliner Einkaufs- Liefergenossenschaften, haben sich mit einem 6-Punkte-Programm an die Öffentlichkeit gewandt. Am 7. November hatten sie auf einer Versammlung in der Handwerkskammer dem Vorstand und dem Vorstandsvorsitzenden das Vertrauen entzogen. Hier auszugsweise die Schwerpunkte, die auch dein Oberbürgermeister und dem Ministerrat zugeleitet wurden.
1. Veränderung der Struktur der Handwerkskammer in Form eines Vorstandes aus Vertretern aller in der Handwerkskammer registrierten Mitgliederbetriebe und Wahl eines Handwerkskammerpräsidenten, unabhängig von der Parteizugehörigkeit. Bildung eines überregionalen Dachverbandes für das private Handwerk und für die privaten Genossenschaften.
Aufgabenstellung für die Handwerkskammer:
- Innungsfragen bzw. Berufsgruppenfragen
- Unterstützung bei der Entwicklung der einzelnen Gewerke
- Organisation von Fachtagungen
- Betreuung des privaten Handwerks zu Rechtsfragen
- selbstfinanzierte soziale und kulturelle Betreuung des privaten Handwerks
- Eigenständigkeit bei der Aufnahme von neuen Mitgliedern unter konsequenter Berücksichtigung der Fachkompetenz
- Verantwortlichkeit bei der Berufs- und Meisterausbildung.
2. Ein neues Genossenschaftsstatut, das den Anforderungen der privaten Genossenschaften entspricht.
3. Eine Gesetzgebung, die allen Eigentumsformen gleichberechtigte Bedingungen schafft, und gleichzeitig sofortige Abschaffung von Gesetzen und Verordnungen, die dem privaten Handwerk schädigenden und benachteiligenden Charakter tragen.
4. Eine Steuergesetzgebung, die dem Charakter der Leistungssteigerung und den privaten Initiativen entgegenkommt sowie Progressivität und Kreativität im privaten Handwerk freien Raum lässt.
Dabei
- Abschaffung der bisherigen Progressivität der Besteuerung des Handwerks und privater Genossenschaften,
- Veränderung der z. Zt. gültigen Abschreibungsnormative,
- Abschaffung der Zuschläge zur Gewinnsteuer,
- Schaffung eines überschaubaren und praktikablen Steuersystems und Abschaffung von staatlich geforderten Umlagen, die nicht direkt dem privaten Handwerk zugute kommen.
5. Die Abschaffung des staatlichen Diktates im Bereich der Lohn- und Kostenpolitik sowie Anerkennung aller Mitarbeiter unabhängig vom Verwandtschaftsverhältnis.
Dabei
- Aufhebung der Beschäftigtengrenze,
- Aufnahme von Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft und der neugebildeten HWK,
- Eigenständigkeit bei der Fondsbildung der privaten Betriebe,
- Aufhebung der Handelsbegrenzung für Handwerksbetriebe zur besseren Abdeckung des Bevölkerungsbedarfs,
- Gleichstellung aller Kreditnehmer und
- eigene Fondsbildung zur Prämienzahlung und kulturellen und sozialen Betreuung.
6. Die wirtschaftliche Entflechtung in Bezug auf Planung, Bilanzierung und Bereitstellung bei der materiell-technischen Versorgung zwischen staatlichen Institutionen und den ELG.
Das beinhaltet:
- Abschaffung von Preissubventionen,
- Auskopplung der staatlichen Versorgungskontore,
- Wiederherstellung einer tatsächlichen Ware-Wert-Beziehung,
- bestmöglicher und direkter Bezug von Material und Technik unter Berücksichtigung von wirtschaftlich akzeptierbaren Handelsspannen und realistische Bedarfszalalen, orientiert an der Auftragslage jedes einzelnen Betriebes.
National-Zeitung, Fr. 17.11.1989
ELG - Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Handwerks
