Berlin. ADN/BZ Nach der Marathonsitzung des SED-PDS-Vorstandes am Sonnabend, in der die Auflösung der Partei abgelehnt worden war, teilte Parteivorsitzender Dr. Gregor Gysi vor der Presse mit, die SED-PDS habe die oppositionellen Parteien und Bewegungen des Runden Tisches aufgefordert, Mitverantwortung in der Regierung sowie "für die Führung des Landes auf allen Ebenen" zu übernehmen.
Der Vorstand bot an, dafür auf eigene Ministerposten in der Koalitionsregierung zu verzichten. Er schlug zudem vor, eine parteiunabhängige Persönlichkeit zum Staatsoberhaupt zu wählen.
Ferner beschloss der Parteivorstand, das bisherige Symbol der Partei und damit auch das Abzeichen abzuschaffen. Bis zum nächsten Parteitag, der nach Gysis Worten möglicherweise vorverlegt wird, soll ein Grad der Erneuerung erreicht werden, der ermöglicht, künftig nur noch den Namen Partei des Demokratischen Sozialismus zu tragen und damit eine neue Partei zu sein.
Die Zentrale Schiedskommission der SED-PDS schloss einer Pressemitteilung zufolge die Mitglieder und Kandidaten des ehemaligen SED-Politbüros Hans-Joachim Böhme, Horst Dohlus, Kurt Hager, Joachim Herrmann, Werner Jarowinsky, Heinz Keßler, Egon Krenz, Inge Lange, Erich Mückenberger, Margarete Müller, Alfred Neumann, Günter Schabowski, Gerhard Schürer und Werner Walde aus der SED-PDS aus. Zuvor waren 47 Genossen, denen im Zuge stalinistischer Repressalien Unrecht geschehen war, rehabilitiert worden. Einspruch gegen seinen Ausschluss aus der SED-PDS hat Egon Krenz eingelegt.
(Berliner Zeitung, Mo. 22.01.1990)
Die Zentrale Schiedskommission der tagte am Sonnabend und Sonntag in Berlin. Die Mitglieder und Kandidaten des ehemaligen SED-Politbüros Hans-Joachim Böhme, Horst Dohlus, Kurt Hager, Joachim Herrmann, Werner Jarowinsky, Heinz Keßler, Egon Krenz, Inge Lange, Erich Mückenberger, Margarete Müller, Alfred Neumann, Günter Schabowski, Gerhard Schürer und Werner Walde wurden aus der SED-PDS ausgeschlossen.
Über Werner Eberlein konnte wegen dessen Krankheit nicht verhandelt werden. Auch die Anhörung von Hermann Axen steht aus, da er sich in Untersuchungshaft befindet und bisher keine Stellungnahme abgeben konnte.
Zuvor waren 47 Genossen, denen im Zuge stalinistischer Repressalien Unrecht geschehen war, rehabilitiert worden. Dazu gehört Karl Schirdewan.
(Neues Deutschland, Mo. 22.01.1990)
In einem Interview in der Bild-Zeitung am 22.01. sagte Egon Krenz: "Es zählte einfach nichts vom dem, was ich für die Wende getan habe. Wir wurden alle mit Honecker über einen Leisten geschoren. Schade, dass diese Partei nicht mit Leuten zusammenarbeiten will, die die Wende eingeleitet haben."
Im weiteren Verlauf des Interview sagte er, die SPD sei immer eine Strömung in seiner bisherigen Partei gewesen.
Egon Krenz schreibt in seinem Buch "Verlust und Erwartungen" 2025 über seinen Ausschluss: "Im Rückblick weiß ich, dass der Ausschluss aus der Partei mich tiefer erschütterte als die Verurteilung zu sechseinhalb Jahren Haft. Das Urteil von 1997 sprach ein bundesdeutsches Gericht, ein seelenloser Justizapparat - das Urteil 1990 fällten Menschen, die bis vor Kurzem meine Genossen waren."
Link zu einem Artikel von Eberhard Aurich