In der Aktuellen Stunde im Deutschen Bundestag "Stand der Soforthilfe der Bundesregierung für die DDR",
sagt die Frau Vennegerts (GRÜNE): "Nach unserer Auffassung müssen im Rahmen eines Soforthilfeprogramms folgende Maßnahmen getroffen werden. Erstens: Erweiterung der Konvertierbarkeit der DDR-Mark. Wechselkurse müssen durch politische Verhandlungen festgelegt werden,
(Lachen bei der CDU/CSU und der FDP)
so dass der wirtschaftliche Umbau der DDR-Wirtschaft erleichtert wird.
(Gattermann [FDP]: So bringt man uns in Kürze auf das Niveau der DDR!)
Zweitens. Für die dringendsten Umweltprojekte - z. B. Entschwefelungsanlagen, Kläranlagen, Sanierung von Grundwasser - müssen die Finanzmittel deutlich aufgestockt werden. Das soll durch unser Soforthilfeprogramm von mindestens 10 Milliarden DM geleistet werden.
(Beifall des Abg. Stratmann [GRÜNE] - Zurufe von der CDU/CSU)
- Jawohl, das ist notwendig. Jetzt sieht man einmal Ihre Großzügigkeit. Sie sind Geizhälse.
Drittens. Über den Reisedevisenfonds hinaus sollte ein zusätzlicher Konsumentenkredit-Devisenfonds eingerichtet werden.
Viertens. Für die Erneuerung des Maschinenparks in DDR-Betrieben sind Garantien und Bürgschaften bereitzustellen."
(Deutscher Bundestag, Stenographischer Bericht, 193. Sitzung, Bonn, Mittwoch, den 7. Februar 1990, 14854)
Herr Roth (SPD): "Erstens. Der Wunsch nach Einheit ist in der DDR so dringend geworden, dass alle mittelfristigen Stufenpläne auf Grund des Wunsches der Bürger der DDR Makulatur geworden sind. Deshalb hat sich das Kabinett heute auch dem Vorschlag der SPD, eine
Wirtschafts- und Währungsunion zu schaffen, angeschlossen, und zwar in allen seinen wesentlichen Grundgedanken, die wir in der letzten Woche vorgetragen haben.
(Beifall bei der SPD)
Zweitens. Die Lage der DDR-Wirtschaft und die Lebensbedingungen der Bürger der DDR sind weit schlechter, die Lage ist weit dramatischer, als uns bisher von der SED-Regierung vorgegaukelt wurde.
Drittens. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass 3 Millionen DDR-Bürger auf gepackten Koffern sitzen und die DDR verlassen, wenn sich nicht schnell etwas für sie Positives in der DDR tut.
Meine Damen und Herren, es ist richtig, dass wir über die künftige Wirtschaftsordnung der DDR diskutieren, aber ich stelle fest, dass die wesentlichen Parteien in der DDR und wir hier im Deutschen Bundestag über eine marktwirtschaftliche Ordnung der DDR überhaupt nicht unterschiedlicher Meinung sind.
Worüber wir zur Zeit unterschiedlicher Meinung sind, ist die Frage der Soforthilfen."
(Deutscher Bundestag, Stenographischer Bericht, 193. Sitzung, Bonn, Mittwoch, den 7. Februar 1990, 14851)
Dr. Graf Lambsdorff (FDP): "Für die währungspolitische Zusammenarbeit gibt es verschiedene Modelle. Ich will sie hier gar nicht im einzelnen behandeln. Eines steht fest: Das österreichische Modell könnte morgen eingeführt werden.
(Frau Matthäus-Maier [SPD]: Das ist doch dummes Zeug!)
Es gäbe überhaupt keinen Zeitverlust. Die Einführung der D-Mark West in der DDR hätte erheblich mehr Probleme, brauchte eine Änderung des Bundesbankgesetzes, so gestern Herr Pöhl. Übrigens ist den meisten wahrscheinlich gar nicht bewusst, Herr Roth, dass dies die Währungsreform bedeutete, mit all den Härten und Ungerechtigkeiten und mit ganz fatalen Rückwirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in der DDR. Es wäre schon ein besserer Weg, die D-Mark und die Mark der DDR zu verbinden, wobei sich die DDR-Staatsbank in ihrer stabilitätsorientierten Politik der Führung durch die Deutsche
Bundesbank anvertraute.
(Roth [SPD]: Wer soll denn intervenieren? - Frau Matthäus-Maier [SPD]: Die DDR? Lächerlich! - Roth [SPD]: Mit Papiergeld?)
Meine Damen und Herren, die daraus entstehenden Belastungen für Bevölkerung und Wirtschaft der DDR sind gering im Vergleich zur Härte eines Währungsschnittes. Aber wir wollen hier nicht über Einzelheiten diskutieren.
(Frau Matthäus-Maier [SPD]: Besser nicht!)
Das kann man in fünf Minuten nicht!"
(Deutscher Bundestag, Stenographischer Bericht, 193. Sitzung, Bonn, Mittwoch, den 7. Februar 1990, 14855f)