Di. 10. Oktober 1989


Link zur Informations und Stimmungsbild unter Angehörigen und Zivilbeschäftigten der NVA und der GT/DDR

Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR hat Proteste der Chefredaktionen einiger BRD-Medien darunter der ARD und des ZDF wegen "Behinderungen" ihrer Korrespondenten in den letzten Tagen durch Organe der DDR entschieden zurückgewiesen. Die Leitungen dieser Medien wurden darauf aufmerksam gemacht, dass sich ihre Korrespondenten unbefugt in polizeilichen Handlungsräumen aufhielten. Wiederholten Aufforderungen durch die Volkspolizei, ihre Arbeit einzustellen wurde nicht Folge geleistet. In mehreren Fällen traten diese Journalisten sogar als Mitinitiatoren von Krawallen und Zusammenstößen auf und beteiligten sich an der Aufwiegelung von Rowdygruppen.

Verhaltensweise dieser Korrespondenten stellt eine direkte Einmischung in die inneren Angelegenheiten der DDR dar. Sie widerspricht Geist und Buchstaben der KSZE-Schlussakte, verletzt die Rechtsordnung der DDR und steht im Widerspruch zu den Normen sachlicher journalistischer Tätigkeit. Im Gegensatz dazu steht die Arbeit der Mehrzahl der rund 800 ausländischen Korrespondenten aus 50 Ländern, die im Pressezentrum DDR 40 akkreditiert waren und die alle ihnen gebotenen großzügigen Arbeitsmöglichkeiten in der Hauptstadt für ihre journalistische Tätigkeit intensiv nutzten. Bereits am Montag hatte das DDR-Außenministerium einen ähnlichen Protest der Ständigen Vertretung der BRD in der DDR entschieden zurückgewiesen.
(Neues Deutschland, Mi. 11.10.1989)

Das Kontakttelefon im Büro der Gethsemanekirchengemeinde in Berlin ist ab diesem Tag durchgehend besetzt.

Stefan Hermlin sagt in einem Interview im BRD-Fernsehen: "Sie rufen zu Tausenden, das Wort wir bleiben hier. Und das ist für mich eine Erklärung für die DDR. Und ich halte es für schlimm, wenn solche Menschen niedergeknüppelt werden, oder wenn man solche Menschen nicht gewähren lässt."

In München teilt die bayerische Grenzpolizei mit, mehr als 50 DDR-Bürger sind aus persönlichen Gründen in die DDR zurückgekehrt.

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