Auerbach (ND-Korr.).Aus Anlass seines 100. Geburtstages ehrten am Sonnabend über 3 000 Einwohner von Falkenstein im Vogtland das Andenken an den Revolutionär Max Hoelz, der mehrere Jahre hier gewirkt und 1918 u. a. die Initiative zur Bildung eines Arbeiter- und Soldatenrates ergriffen hatte. In einer Rede auf einem Meeting im Zentrum von Falkenstein würdigte Siegfried Lorenz, Mitglied des Politbüros des ZK der SED und 1. Sekretär der Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt, Max Hoelz als einen leidenschaftlichen, selbstlosen Kämpfer für die Sache der Arbeiterklasse. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste, darunter der einstigen Lebensgefährtin von Max Hoelz, der sowjetischen Schriftstellerin Elena Serebrowskaja aus Leningrad, sagte Siegfried Lorenz, Hoelz habe ein Stück Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung, besonders des Vogtlandes, mitgeschrieben.
Die Zeit, in der wir heute leben, unterscheide sich freilich in vielem von jener, in der Max Hoelz gegen das kapitalistische Ausbeutersystem antrat, "dennoch leben auch wir in einer Zeit hoher politischer Aktivität, großer gesellschaftlicher Veränderungen. Sie verlangt mehr denn je von jedem von uns einen klaren Blick, Parteinahme und verantwortungsbewusstes Handeln."
Die DDR sei das Werk von Millionen Werktätigen in Stadt und Land und das Werk von Generationen: In diesem Miteinander habe sich unsere Republik entwickelt, und dieses Miteinander sei unsere Stärke: Wenn es in diesen Tagen auch manchmal aus dem Blickfeld gerate, so bleibe es doch dabei, dass soziale Sicherheit, Zugang zu moderner Bildung für jedermann, hohe Rechtssicherheit, umfassende Förderung der Jugend und Fürsorge für. unsere alten Mitmenschen niemand in unserem Land mehr missen möchte. "Es sind die Werte des Sozialismus, die für das Wohl des Menschen, seine Würde und seine Entfaltungsmöglichkeiten entscheidend sind."
Siegfried Lorenz bezeichnete es als das Gebot der Stunde, dass sich jeder, dem politische Vernunft und Verantwortung etwas bedeuten, von jenen klar abgrenzt, die feindliche Absichten gegenüber unserem Arbeiter-und-Bauern-Staat hegen. "Die Probleme, die in unserem Lande entstanden sind, können wir nur selber losen, im sachlichen Dialog und im vertrauensvollen Miteinander, aber vor allem durch ehrliche Arbeit." Auch in Zukunft werde der Sozialismus immer nur so gut sein, wie wir ihn gemeinsam gestalten. Und dafür würden revolutionäre Leidenschaft, Standhaftigkeit gegenüber unseren Gegnern und Siegeszuversicht gebraucht, Eigenschaften also, wie sie Max Hoelz vorlebte.
"Wir werden in den nächsten Wochen mit jedem, der dazu bereit ist, ehrlich, offen und öffentlich über die jetzt unmittelbar zu lösenden Probleme und über den Sozialismus der 90er Jahre beraten. Dabei geht es um Antworten, die uns in die Lage versetzen, mit den gewiss nicht leichten Herausforderungen der Gegenwart und des kommenden Jahrzehnts fertig zu werden und die unseren humanistischen Idealen entsprechen.
Es wäre vermessen zu sagen, dass wir auf alle Fragen schon eine gültige Antwort, für alle erkannten Probleme eine Lösung parat hätten. "Das müssen wir gemeinsam finden, im Dialog, so auch im konstruktiven Streit, weil das, was wir erstreben, ein solches Herangehen erfordert." Auf diesem Wege werde auch das Bündnis mit den befreundeten Parteien und gesellschaftlichen Organisationen in der Nationalen Front an Wirkung und Einfluss gewinnen und neue Kräfte freilegen. Auch der Sozialismus der 90er Jahre, so betonte Siegfried Lorenz, verlange die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, in der jedoch das Leistungsprinzip konsequenter durchgesetzt, die Mitbestimmung und demokratische Kontrolle der Werktätigen wirksamer praktiziert und damit ein insgesamt höherer Nutzen unserer Wirtschaft erreicht wird.
Ebenso gehöre die brüderliche Zusammenarbeit mit der UdSSR und den anderen sozialistischen Ländern in den 90er Jahren zum Sozialismus. Und die DDR werde immer auf der Seite derer stehen, die den Frieden sicherer machen: denn zu jeder Zeit gelte ihr Verfassungsgrundsatz, dass von deutschem Boden nie wieder Krieg, sondern immer nur Frieden ausgehen darf. Die Zeit der Vorbereitung auf den XII. Parteitag der SED charakterisierte das Politbüromitglied als "eine Zeit voller Prüfungen und Wandlungen, eine Zeit, in der wir gemeinsam Neues angehen und Überholtes über Bord werfen. eine Zeit des gemeinsamen Ringens um einen attraktiven Sozialismus in der DDR". So werde das Vermächtnis des Mannes, dem die Ehrung an diesem Orte gelte, am besten erfüllt.
Im Anschluss an das Meeting enthüllte Siegfried Lorenz eine Bronzebüste von Max Hoelz in Anwesenheit ihres Schöpfers, des Nationalpreisträgers Frank Diettrich. In einem Kabinett zur Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung hatte Siegfried Lorenz zuvor eine Ausstellung "Der Weg der roten Fahne" eröffnet, die den Weg des Landarbeiterjungen zum geachteten Arbeiterfunktionär und Führer In den revolutionären Kämpfen seiner Zeit veranschaulicht.
(Neues Deutschland, Mo. 16.10.1989)