Link zur Rede von Jochen Läßig NF Leipzig
Rund 30 000 Bürger Leipzigs und aus der Umgebung kamen am Sonnabend auf dem Dimitroffplatz zur ersten genehmigten Kundgebung des Neuen Forums zusammen. Etwa zwei Dutzend Frauen und Männer - rund 200 Anträge zum Reden lagen vor - ergriffen auf der rund dreistündigen Manifestation das Wort. Sie forderten unter anderem freie Wahlen, den Verzicht auf die Führungsrolle der SED, eine gleichberechtigte Zusammenarbeit aller Parteien sowie Organisationen, die Reduzierung der Sicherheitsorgane, besonders der Staatssicherheit, eine stärkere Einbeziehung von Frauen in die Politik und Wirtschaft, die Abschaffung jedweder Zensur, freie Presse und Verlage, die öffentliche Kontrolle der Medien und Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Umweltbedingungen im Ballungsraum Leipzig. Neben Arbeitern, Hausfrauen, Künstlern und Akademikern vom Neuen Forum traten auch Vertreter der Bewegung "Demokratischer Aufbruch", der neu gegründeten sozialdemokratischen Partei, der vereinigten Linken, der Initiative "Frieden und Menschenrechte" und von Behinderten an das Mikrofon. Tausende Unterschriften auf ausliegenden Listen drückten Sympathien für die geforderte Möglichkeit eines Volksentscheides aus, der wieder verfassungsrechtlich sanktioniert werden müsse.
Weitere Kundgebungen fanden unter anderem statt in Berlin, Dresden, Frankfurt/Oder, Gera, Eberswalde-Finow, Karl-Marx-Stadt, Suhl und Plauen.
(Neues Deutschland, Mo. 20.11.1989)
Leipzig (ADN/DM). Zu einer vom Neuen Forum angemeldeten Kundgebung trafen sich am Samstagvormittag rund 30 000 Bürger auf dem Leipziger Dimitroffplatz. In kurzen Ansprachen von einer eigens für diesen Tag errichteten Tribüne herab kamen Sprecher des Neuen Forums und anderer Basisgruppen sowie eingeladene Redner zu Wort. Der Chef des Großen Rundfunkorchesters Leipzig, Generalmusikdirektor Horst Neumann, forderte die Durchsetzung der jetzt eingeleiteten Veränderungen in der Regierung auch auf Bezirks- und Kreisebene sowie in den Städten und Gemeinden.
Weitere Redner befassten sich mit Missständen der Wirtschaft, gingen auf Verstöße gegen Umweltschutzbestimmungen und Privilegien ein. Es dürfe kein Rücktritt ohne Rechenschaft zugelassen werden, die Fehler von bisher Verantwortlichen seien durch unabhängige Gremien festzustellen.
Mehrfach wurde die "verordnete" Führungsrolle der SED kritisiert, eine solche Politik dürfe nie wie der zugelassen werden, alle Parteien und Organisationen hätten sich künftig in friedlichem Wettbewerb zu behaupten. Tausende Unterschriften auf ausliegenden Listen drückten Sympathien für die geforderte Möglichkeit eines Volksentscheids aus, der wieder verfassungsrechtlich sanktioniert werden müsse.
(Der Morgen, Mo. 20.11.1989)
Leipzig. Zu einer vom Neuen Forum angemeldeten Kundgebung trafen sich am Samstagvormittag rund 30 000 Bürger auf dem Leipziger Dimitroff-Platz. Vor dem Museum der bildenden Künste machte die Menge auf mitgeführten Transparenten und Spruchbändern ihre Forderungen nach Neuwahlen, gleichberechtigtem Meinungsstreit und gegen Gesinnungsterror deutlich. Viele Familien kamen mit ihren Kindern, junge wie ältere Bürger erhoben in Sprechchören ihre Stimme: "Wir sind das Volk!" - dieser Ruf wurde immer wieder laut.
(Neue Zeit, Mo. 20.11.1989)