Benachteiligung überwinden
BZA sprach mit Regina Penske, Sekretär beim Bundesvorstand des DFD
Ist es seit Oktober vergangenen Jahres noch stiller um den Demokratischen Frauenbund Deutschlands geworden oder trügt der Schein?
Stiller ist es in den Medien, aber nicht in der Organisation. Der DFD hat erklärt, sich grundlegend zu erneuern. Wir brauchen eine neue Frauenpolitik des Staates. Erste Vorschläge dazu hat der Bundesvorstand der Regierung unterbreitet. Es geht um die Wahrung der Interessen der Frauen.
Nun gibt es ja inzwischen auch den Unabhängigen Frauenverband (UFV)?
Wir als DFD verstehen ihn nicht als Konkurrenz. Wir haben offen erklärt, mit allen zusammenzuarbeiten, die sich für die Interessen der Frauen einsetzen. Der vorhandenen Vielfalt kann durch verschiedene Organisationen besser entsprochen werden, anders ist sie gar nicht zu beherrschen.
Sie waren am 8. Januar bei Ministerpräsident Hans Modrow, gemeinsam mit dem UFV. Was kam heraus?
Das war eine erste Zusammenkunft auf der Grundlage unserer Ausarbeitung. Weitere werden folgen. Übereinstimmung bestand, dass bei einer neuen Wirtschaftspolitik Frauen nicht ausgegrenzt werden dürfen. Ihnen droht die reale Gefahr die Sozialabbaus.Wir kennen bereits Fälle, dass bei der Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen Frauen die ersten sind, die gehen müssen, sogar welche mit Kleinkindern.
Offene Ohren fanden wir bei der anwesenden Prof. Dr. Christa Luft für unser Drängen auf ein Lohngefüge, das Frauen nicht weiter benachteiligt. Ich erwähne besonders die Landfrauen, von denen ein großer Teil dem DFD angehört Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen, speziell in der Tierproduktion, sind besonders schlecht. Sie werden ebenfalls nicht gleichberechtigt bezahlt. Uns wurde zugesichert dass die Regierung sich diesen Fragen zuwenden wird. Im Zusammenhang mit der angestrebten Rentenreform treten wir ebenfalls für mehr Gerechtigkeit ein.
Was erbrachte das Gespräch in Bezug auf die Forderung nach einem speziellen Staatssekretariat für Fragen der Frauen bzw. deren Gleichstellung?
Für den DFD wäre entscheidend, dass es ein Amt ist, das dem Ministerrat angeschlossen wird. Es gab Verständnis dafür, dass etwas in dieser Richtung geschaffen werden muss. Unserer Auffassung nach sollte es koordinierend und kontrollierend wirken und drei relativ selbständige Bereiche beinhalten: Frauenfragen - Familienpolitik - Sozialwesen, damit nicht wieder von vornherein Frauen- und Familienpolitik gleichgesetzt werden.
Wie macht der DFD sein Mitspracherecht geltend?
Wir sind in allen grundlegenden Kommissionen vertreten, in denen Gesetzentwürfe ausgearbeitet werden - Wahlgesetz, Familiengesetz, Bildung, Medien ... Natürlich halten wir an der Vertretung durch Abgeordnete (bisher rund 20 000) fest. Wir sehen jetzt die reale Chance, die Benachteiligung der Frauen Schritt für Schritt zu überwinden.
Wie steht der DFD zur Quotierung?
In gewisser sind wir dafür, also für mehr Frauen in Leitungsebenen. Über Prozent-Sätze haben wir noch keine Vorstellungen, weil auch eine Quotierung an Bedingungen gebunden ist.
Was z B. die Kindererziehung betrifft, so sollten sozialpolitische Maßnahmen variabel angewandt werden - weg von der Mutterrolle. Dazu gehören funktionierende Kindereinrichtungen, die den Eltern mehr abnehmen, z. B. den Arztbesuch. Unter diesem Aspekt setzen wir uns stark dafür ein, dass die Krippen erhalten bleiben. Nur wenige Frauen möchten jahrelang zu Hause sitzen. Sie sind in der Mehrzahl selbstbewusst, qualifiziert, möchten sich beruflich weiterentwickeln. Und es ist nicht unbedingt typisch, dass der Krippenbesuch sich negativ auf die Kinder auswirkt.
Insgesamt brauchen wir auch im Hinblick auf eine mögliche Quotierung eine andere öffentliche Atmosphäre, eine andere Einstellung der Väter und der Leiter.
Ihre Vorstellungen zum Mediengesetz?
Die Rolle der Frau muss einfach stärker beachtet werden. Bisher ist sie leider auch jetzt bei der Erneuerung zu kurz gekommen. Ihr konkretes Leben muss widergespiegelt werden. Ab März wird der DFD über eine 14täglich erscheinende Zeitung "Fraueninitiative 90" verfügen und damit selbst auch aktueller berichten können. Am 3. März zum außerordentlichen Bundeskongress liegt die erste Nummer vor.
Gespräch I. Hecktheuer
BZ am Abend, Do. 25.01.1990
