Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD)
Ziele:
Der DFD als eine demokratische politische Frauenorganisation der DDR ist parteienunabhängig und wirkt dafür, dass seine Mitglieder ihre politischen sozialen geistig kulturellen kommunalen und ökologischen Interessen selbst wahrnehmen und sich als Bürgerinnen, Werktätige und Mutter verwirklichen und entwickeln können.
Unsere Organisation erstrebt eine Gesellschaft die von Humanismus Rechtsstaatlichkeit und Rechtssicherheit getragen ist. Nur dadurch kann gewährleistet werden, dass alle Errungenschaften zum Wohle der Frauen und Kinder, besonders deren soziale Sicherheit bewahrt und gemehrt werden können.
Das ist für uns nur denkbar in einem Staat der Rechtssicherheit der Gewaltenteilung, der Chancengleichheit aller sozialen und politischen Interessengruppen. Er soll basisdemokratische Strukturen und Entscheidungen als Grundlage staatlicher Politik herausfordern und akzeptieren.
Ein solcher Staat muss sich für die volle Gleichstellung der Geschlechter und die Chancengleichheit von Mann und Frau in allen Lebenssphären einsetzen, die weit über die Erklärung und rechtliche Absicherung der Gleichberechtigung der Frau hinausgeht.
Der DFD fordert im Interesse der weiblichen Hälfte unseres Landes ohne die eine grundsätzliche Erneuerung der Gesellschaft unmöglich ist, eine neue Frauenpolitik des Staates die folgendes zum Inhalt haben muss:
1. Die Bildung eines Ministeriums für Frauen Familien und Sozialpolitik das sowohl eine koordinierende als auch eine kontrollierende Funktion gegenüber anderen Ministerien ausüben kann.
In diesem Gremium sollten drei relativ selbständige Bereiche - Frauenfragen, Familienpolitik, Sozialpolitik - geschaffen werden damit nicht wie in der Vergangenheit Frauen und Familienpolitik gleichgesetzt und die Frauen allein für die Wahrnehmung familiärer Belange, Pflichten und Aufgaben gegenüber den Kindern staatlicherseits verantwortlich gemacht werden. Der berechtigten Forderung nach Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Elternschaft könnte auf diese Weise entsprochen werden.
Erste und wichtigste Aufgabe müsste es sein, eine umfassende Analyse zur tatsächlichen Lage der Frauen in der DDR zu erstellen, die als Grundlage für die Ausarbeitung einer neuen staatlichen Frauenpolitik dringend erforderlich ist.
2. Als unerlässliches Fundament für die reale Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frauen muss deren ökonomische Unabhängigkeit gewahrt bzw. gesichert werden. Dazu sind die hierfür geltenden gesetzlichen Bestimmungen konsequent einzuhalten und darüber hinausgehende neue Regelungen und Kontrollmöglichkeiten zu schaffen.
Die tiefgreifenden Reformen in Wirtschaft und Verwaltung, die für die Erneuerung unserer Gesellschaft unumgänglich sind, dürfen nicht zum Nachteil und auf Kosten der Frauen vollzogen werden. Im Zusammenhang mit der notwendigen Freisetzung von weiblichen Arbeitskräften sind unter Verantwortung der jeweiligen Minister konkrete Programme zur Überführung in andere Bereiche entsprechend der Qualifikation erforderlich. Die Rechte der Frauen als Berufstätige müssen bei der Überarbeitung des Arbeitsgesetzbuches strikt gewahrt werden. Das gilt auch für die Ausarbeitung eines neuen Gesetzes zur Regelung von Arbeitskonflikten.
Bei der Veränderung des Lohngefüges sollten Vorrangig jene Bereiche der Volkswirtschaft Beachtung finden, die gegenwärtig am niedrigsten eingestuft sind und in denen mehrheitlich Frauen tätig sind, wie Handel, Dienstleistungen, Gesundheitswesen, Leichtindustrie und andere.
Bei der gerechteren Anwendung und konsequenten Durchsetzung des Leistungsprinzips müssen auch Festlegungen getroffen werden, dass Frauen bei gleicher Qualifikation und Leistung nicht wegen der Betreuung bzw. Erziehung ihrer Kinder benachteiligt werden. Das betrifft vor allem Frauen mit mehreren Kindern und alleinerziehende Mütter, die gegenwärtig teilweise sozial diskriminiert werden.
Die Arbeits- und Lebensbedingungen der in der Landwirtschaft tätigen Frauen sind grundlegend zu verbessern. Auf dem Lande verrichten Frauen die schwersten und am niedrigsten entlohnten Arbeiten.
Der Grundsatz der Gleichberechtigung ist künftig auch konsequent bei der Vorbereitung junger Menschen auf die Berufswahl und in der Ausbildung zu sichern, um den Anteil der Mädchen und Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen und Studienrichtungen wesentlich zu erhöhen.
3. Es sind Bedingungen zu schaffen, dass Frauen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Leitungsfunktionen ausüben können. Eine diesem Anliegen entsprechende Entwicklung der Frauen ist zielbewusst zu fördern. Maßstab für den Einsatz der Frauen in Leitungsfunktionen sollte der Anteil von weiblichen Beschäftigten in den verschiedenen Bereichen sein.
4. Von der Subventionspolitik der Regierung werden Garantien dafür erwartet, dass es für kinderreiche Familien, Alleinerziehende von Kindern, Veteranen, Familien mit behinderten Kindern sowie für Haushalte mit Niedrigeinkommen keinen sozialen Abstieg gibt.
5. Bei einer anzustrebenden Rentenreform muss mehr Gerechtigkeit in der Verteilung der vorhandenen finanziellen Mittel vor allem zugunsten der Mindestrenten erreicht werden. Neue Regelungen müssen unbedingt sichern, dass bei der Berechnung der Rentenhöhe die Anzahl der Arbeitsjahre einen höheren Stellenwert erhält. Alle Bürger sollten die Möglichkeit erhalten unabhängig von der Höhe ihres Einkommens eine freiwillige zusätzliche Rentenversicherung abzuschließen.
6. Die bestehenden sozialpolitischen Vergünstigungen sollten im Interesse der Gleichberechtigung und Gleichverpflichtung von Frauen und Männern bei der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder variabel nutzbar gemacht werden. Das betrifft z. B. die Inanspruchnahme des Babyjahres durch Mutter oder Vater.
7. Im Interesse der Berufstätigen muss dafür gesorgt werden, dass das Hauptwarenangebot vor allem bei mangelnder Bedarfsdeckung am Nachmittag bzw. Abend erhältlich ist.
Die Versorgung der Landbevölkerung ist grundlegend zu verbessern. Dazu könnte der Versandhandel wieder eingeführt und der ambulante Handel gefördert werden.
Für eine gesunde Ernährung ist das Angebot bedeutend zu erweitern und zu erhöhen. Die Wiedereinrichtung von Reformläden wäre ein erster Schritt dazu.
8. Ein wichtiges humanistisches Anliegen der Staatspolitik muss die gesundheitliche und soziale Betreuung von Mutter und Kind sein. Zur Unterstützung der Berufstätigkeit beider Eltern muss die medizinische Betreuung in den Kindereinrichtungen gewährleistet werden.
Schwangerenbetreuung und Mütterberatung sind weiter auszugestalten, vor allem in den ländlichen Territorien sind dafür effektivere Formen zu entwickeln.
Ein besonderes Anliegen sollte der Ausbau der staatlichen Fürsorge für Familien mit behinderten Kindern und die feste Integration dieser Kinder in das gesellschaftliche Leben sein.
9. Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen sind ausschließlich auf die Entfaltung der Persönlichkeit und die Entwicklung der Individualität zu richten. Das neue Bildungs- und Erziehungskonzept muss durch einen konsequent humanistischen und antifaschistischen Charakter geprägt sein.
10. Bei der Ausarbeitung eines Mediengesetzes ist zu gewährleisten, dass die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft Platz und Widerspiegelung in den Medien findet.
Demokratischer Frauenbund Deutschlands Bundesvorstand
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Tel.: (...)
Politische Parteien und Bewegungen der DDR über sich selbst. Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1990
