Mit Dr. EDGAR MÜLLER, Vorsitzender des Genossenschaftsverbandes, sprach Rosi Blaschke
Damit LPG nicht ohne Schutz sind
Die Genossenschaften in den Dörfern brauchen mit Blick auf den Markt mehr und mehr einen Rückhalt Was kann der Genossenschaftsverband in Zukunft bewirken?
Der Verband will seine Mitglieder, also vor allem die LPG und GPG, in wirtschaftlichen sowie rechts- und steuerpolitischen Fragen beraten, betreuen, fördern. Es geht um die Interessenvertretung gegenüber allen staatlichen Institutionen, anderen Wirtschaftsverbänden und der Öffentlichkeit. Wenn wir unter marktwirtschaftlichen Bedingungen bestehen wollen, müssen wir unsere Chance in der Wirtschaftsreform selbst erkämpfen, uns also auch stark machen gegenüber Kombinaten und Betrieben, die uns Produktionsmittel zuliefern oder unsere Produkte abnehmen. Es geht um gegenseitigen Vorteil. Außerdem wollen wir uns dafür einsetzen, dass die Besitzer des in die Genossenschaft eingebrachten Bodens in den Genuss des erwirtschafteten Gewinns gelangen.
Nur Forderungen oder auch Vorschlage?
Natürlich muss der Verband auch mit Kompetenz und Sachkenntnis Entscheidungen in Staat und Wirtschaft beeinflussen. Bei der Ausarbeitung von gesetzlichen Bestimmungen und Regelungen, beispielsweise Agrarpreisen, Zinsen, Krediten, Pacht, Steuern, von Maßnahmen, die sich aus dem EG-Agrarmarkt ergeben, wie Handelsquoten oder Zölle will der Verband seinen Standpunkt darlegen. Fünf Arbeitsgruppen wurden dazu gebildet. Sie werden ihre Vorschläge auch in den deutsch-deutschen Agrarverbund einbringen.
Ganz konkret: Milchprodukte, Gemüse aus den EG überschwemmen unseren Markt. Und unsere Genossenschaften fürchten um ihren Absatz.
Da geht es zum Beispiel um Schutzzölle. Auch bei der Vereinigung der beiden deutschen Staaten müssten gewisse Wirtschaftsgrenzen bestehen bleiben, die ein schrittweises Zusammenwachsen, ermöglichen. Unsere erste Arbeitsgruppe - ich nenne sie einmal "Anpassung", - erarbeitet zum Beispiel Vorschläge für die Agrarstruktur beim Eintritt in den EG-Markt, für Quotenregelungen und Einfuhrbeschränkungen. Gerade in diesen Fragen wollen wir mit dem, Bauernverband der DDR zusammenarbeiten. Und wir knüpfen auch Kontakt zu Verbänden, die in der Nahrungsgüterwirtschaft entstehen.
Sie sind auch Vorsitzender der LPG Beesenstedt im Saalkreis. Wie steht's um die neue Saat?
Das Getreide ist längst gesät, die Kartoffeln und die Rüben sind zu fast drei Vierteln ausgebracht. Nach wie vor geht es um hohen Ertrag, aber genauso um Effektivität. Neue Technik aus der BRD fördert das.
Neues Deutschland, Nr. 74, B-Ausgabe, 45. Jahrgang, Mi. 28.03.1990
