DDR 1989/90 Brandenburger Tor

Uwe Bastian

war in der FDJ-Leitung an der Polytechnischen Oberschule. Verweigerte im April 1976 eine Tätigkeit als IM.

Wehrdienst 1976-78. Dort stellte er fest, diese Armee hatte keinen militärischen Wert. "Die Waffen- und Fahrzeugtechnik waren veraltet. Die im Einsatz befindlichen technischen Entwicklungen waren noch um ein bis zwei Generationen älter als die neusten sowjetischen." Auch die Ausbildung war schlecht, er schoss nur drei oder vier mal übungshalber mit der Kalaschnikow, bemängelte er. Dafür ständiges putzen. (1)

Lebte bis 1984 in Dresden. Danach in Berlin und heute in der Nähe Rostocks.

Lernte Kraftfahrer und arbeitete als Produktionsarbeiter. Er absolvierte ein Fernstudium an der Hochschule in Roßwein. Arbeitete als Angebotsingenieur, Projektant/Kundendienstingenieur beim VEB Aufzugs- und Fahrtreppenbau Berlin.

In Dresden war er in der Umwelt- und Friedensbewegung aktiv. 1982 verbreitete er in Dresden ein Flugblatt, indem eine Diskussion des neuen Wehrdienstgesetzes gefordert wird. Zusammen mit seiner Freundin erarbeitete er ein Papier zur Kommunalwahl 1984. Nahm am 1. Ökologieseminar 1984 in Berlin-Friedrichsfelde teil. Teilnahme am Treffen in Stecken (ČSSR) im Juli 1985. Festnahme 1988 im Zusammenhang mit Veranstaltungen auf dem über den Schulrauswurf von Schülern der Carl-von-Ossietzky EOS in Berlin berichtet wurde. Gegen ihn eröffnete das MfS den Operativen Vorgang "Entwurf".

Er versuchte eine linke unabhängige Opposition aufzubauen, die zusammen mit den Linken im Westen die alten Machtverhältnisse in Frage stellen sollten. Zusammen mit anderen verfasste er eine "Diskussionsgrundlage zur Erarbeitung eines allgemeinen Konsenses für eine nichtstaatliche blockübergreifende Friedensbewegung". Verfasste ein Papier zum Thema Wehrdienstverweigerung und Pazifismus. (2)

Im Juni 1985 wurde versucht im seinen Job wegzunehmen. Was er aber verhindern konnte. Versuchte im September 1985 im VEB Metallmöbel Berlin, in der er als Technologe arbeitete, eine Interessengemeinschaft für Natur und Umwelt zu gründen.

Als Technik-Fernstudent hielt er, nach Tschernobyl, in den Jahren 1986/87 ein Referat über Alternative Energien. Auf der Druckmaschine der Umweltbibliothek wurde der Text gedruckt. Danach wurde er auch in der Zeitschrift KONTEXT veröffentlicht.

Dort schrieb er: "Der Einsatz der Alternativtechnik ist notwendig dezentral und bringt damit auch Dezentralisierung von wirtschaftlicher und politischer Macht, also mehr Autonomie mit sich. Sie ist die Energiewirtschaft der gesellschaftlichen Selbstverwaltung. Genau an diesem Punkt stoßen die Interessen der Gesellschaft und die Interessen der Machthaber aufeinander - oder anders ausgedrückt: Dem Einsatz der entwickelten Produktionskraft alternative Energietechnik sind unter den Produktionsverhältnissen, die auf kapitalistischem, aber auch auf staatsbürokratischem Eigentum an Produktionsmitteln basieren, sehr enge Grenzen gesetzt.

Die Entfaltung der Sonnenenergiewirtschaft wird erst unter den Produktionsverhältnissen der sozialistischen Selbstverwaltung möglich werden, wenn die unmittelbaren Produzenten ihre Wirtschaft selbst kontrollieren und damit das Entstehen von bürokratischen Sonder- und Machtinteressen sowie Profitinteressen verhindern. Zur Realisierung des gesellschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln ist auch die Aufhebung der Trennung von landwirtschaftlicher und industrieller Produktion, nicht nur zur Überwindung der Subalternität des einzelnen, sondern auch zur Bildung möglichst enger Stoff- und Energiekreisläufe notwendig."(3)

1988 bis August 1989 Mitarbeit in der Gruppe "Gegenstimmen". Der Gruppe warf er Opportunismus vor. Er bezeichnete sich selbst als trotzkistisch. Im Sommer 1989 wurde er von der Internationalen Sozialistischen Arbeiterorganisation (ISA) zu einer Konferenz nach Peru eingeladen. Die Reise wurde im von den staatlichen Organen verweigert. Im November 1989 traf er sich dann als Vertreter der IUG mit dem Präsidenten Lampert in Paris.

Auf Uwe Bastians Einlandung hin fand das Gründungstreffen der IUG statt. Die Gründung der IUG verband er mit der Vorstellung, eine nunmehr wirkliche Revolution beginnen zu können. Im Sommer 1990 warfen ihm seine bisherigen MitstreiterInnen vor, er habe die Adressenliste der IUG benutzt um für die Mitarbeit in der Sozialisten Arbeitergruppe (SAG) zu werben. (4)

Im Dezember 1989 nahm er als Vertreter der IUG an einem DGB-Jugendkongress teil. Im Juli 1992 zeigte er den früheren Innenminister der DDR, Peter-Michael Diestel, an. In einem Leserbrief an die taz begründete er die Anzeige. (5)

Uwe Bastian forschte im Berliner "Bürgerbüro" e.V. über die Umwandlung der LPGs im Land Brandenburg. Dort auch als Berater tätig.

Mitunterzeichner eines Briefes an den damaligen Bundesverteidigungsminister, Volker Rühe, am 16.01.1998:

"Deutschland hat mit der Bundeswehr zum ersten Mal in seiner Geschichte eine demokratische Wehrpflichtigenarmee, so wie sie nach dem Sturm auf die Bastille 1789 in Frankreich für eine bürgerlich-demokratische Staatsverfassung gefordert wurde. (...)

Das zusammenwachsende Europa hat viele politische Instrumente zur Erhaltung des Friedens und zur Verteidigung der freiheitlichen, demokratischen Ordnung entwickelt. Die Bundeswehr und die NATO sind unverzichtbare Bestandteile dieses Instrumentariums. Die Geschichte Europas mit den leidvollen Erfahrungen von Diktaturen, zuletzt der kommunistischen, mahnt die Demokraten, wehrhaft diesen Gefahren zu widerstehen. (...)

Wir unterstützen die Bundeswehr in Ihrem Konzept als Wehrpflichtigen-Armee mit Bürgern in Uniform. Wir werden uns dafür einsetzen, die gesellschaftliche Akzeptanz der Bundeswehr in ihren friedenssichernden und -erhaltenden Einsätzen in Krisengebieten zu stärken." (6)

Im Dezember 2001 schrieb er einen Brief an Ministerin Künast dessen Überschrift lautete "Offener Brief gegen den Landraub der roten Barone". Zusammen mit Hildigund Neubert erstellte er eine Studie über Zwangsarbeit in der DDR. Zeitweilig Mitarbeiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Eines seiner Arbeiten lautet: "Greenpeace im unsichtbaren Visier des MfS". (7)

1996 schrieb er: "So hatte das 'schützende Dach' der Kirche auch eine Repressions- und Isolationsfunktion für die Oppositionsgruppen gegen die Öffentlichkeit. Diese Tatsache war von der SED-Führung offenbar vorausgeplant worden, als im Jahre 1978 das Konzept der 'Kirche im Sozialismus' verwirklicht wurde. Wagte sich eine Oppositionsgruppe einmal zu weit aus der Kirche heraus, wurden die Kirchenfunktionäre zu den staatlichen Instanzen bestellt und aufgefordert, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, andernfalls wäre der Frieden zwischen Staat und Kirche gestört. Es gab nur sehr wenige Pfarrer und Angestellte der Evangelischen Kirche, die sich in dieser Weise nicht zum 'Büttel' machen ließen. Die wichtigsten und deshalb einflussreichsten Ordnungshüter der SED in der Kirche waren der ehemalige Konsistorialpräsident Manfred Stolpe, der zu diesem Zweck als IM 'Sekretär' vom Ministerium für Staatssicherheit geführt wurde und der Generalsuperintendent von Ost-Berlin, Günter Krusche, mit dem Spitzel-Namen IM 'Günter'. Von der Katholischen Kirche gab es so gut wie gar keine Solidarität mit kritischen politischen Kräften in der DDR." (8)

(1) Bastian, Uwe: Zersetzungsmaßnahmen der Staatssicherheit am Beispiel des Operationsvorganges "Entwurf". Sie Staatssicherheit gegen unabhängige linke Politikansätze in der DDR. Arbeitspapier des Forschungsverbundes SED-Staat Nr. 8/1993, S. 13
(2) Klein, Thomas: Frieden und Gerechtigkeit! Die Politisierung der Unabhängigen Friedensbewegung in Ost-Berlin während der 80er Jahre, Böhlau Verlag, 2007, S. 272
(3) Bastian, Uwe: Greenpeace in der DDR, edition ost, 1996, S. 267
(4) IUG info Nr. 11, 18.06.1990
(5) die tageszeitung, 05.08.1992
(6) Bohley, Bärbel; Neubert, Ehrhart: Wir mischen uns ein, Herder Verlag, 1998 S. 174f
(7) Bastian, Uwe: Greenpeace im unsichtbaren Visier des MfS, Arbeitspapiere des Forschungsverbundes SED-Staat Nr. 15/1995
(8) Bastian, Uwe: Greenpeace in der DDR, edition ost, 1996, S. 88

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