Werner Fischer

weigerte sich 1964 der FDJ beizutreten. Lehre als Rohrleitungsmonteur 1964-1967. Wehrdienst bei den Grenztruppen. Ab 1972 Bühnenarbeiter. Danch Werbeorganisator am Metropol-Theater in Berlin. Nach seiner Rückkehr in die DDR am 03.08.1988 war er in der technischen Aufbau von Ausstellungen tätig. So auch für die Ausstellung zum 40. Jahrestag der DDR am Fernsehturm in Berlin.

Er protestierte gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Seit 1981 in der Friedensbewegung aktiv. 1984 unterschrieb er eine Solidaritätserklärung an die Bundesversammlung der Grünen in Hamburg. Unterzeichnete 1985 einen offenen Brief an die Teilnehmer der XII. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Moskau. Im Juni 1985 unterzeichnete er die "Antwort auf den Prager Appell".

Teilnehmer des deutsch-deutschen Friedensseminars am 29.09.1985 in der Berliner Samaritergemeinde. Er schrieb einen Brief an die Bundestagsfraktion der Grünen, weil ein Grüner einen detaillierten Bericht darüber verfasste, obwohl es eine Verständigung gab, alle öffentlichen Äußerungen über das Seminar zu unterlassen.

Unterzeichnete 1986 eine Eingabe an den XI. Parteitag der SED, auf die nie eine Antwort erfolgte. Im April 1986 unterschrieb er einen offenen Brief in dem gegen US-Angriffe auf libysche Städte protestiert wurde. Unterschrieb im November 1986 das Memorandum "Das Helsinkiabkommen mit wirklichem Leben erfüllen".

Verhaftung 1988 wegen "landesverräterischer Agententätigkeit" so lautet der Vorwurf. Er wurde im Zuge der Verhaftungswelle, die nach der Luxemburg-Liebknecht-Demo 1988 in Berlin einsetzte, festgenommen. Danach Abschiebung für ein halbes Jahr nach England. Er lehnte eine Entlassung aus der DDR-Staatsbürgerschaft ab. Falls ihm die Rückkehr in die DDR verweigert würde, wollte er im Kofferraum eines britischen Militärfahrzeuges über den Grenzübergang Checkpoint-Charlie nach Ostberlin einreisen und sich direkt zu Manfred Stolpe begeben. Er glaubte nicht daran, dass er und Bärbel Bohley wieder ins Land gelassen werden. Er äußerte sogar die Befürchtung, das Flugzeug könnte abgeschossen werden.

In einem Brief vom 30.06.1988 an Erich Honecker setzte sich Bischof Gottfried Forck für eine Wiedereinreise von ihm und Bärbel Bohley ein. Er schlug eine Vorverlegung des Einreisetermins vor. Um den erwartenden Medienrummel zu entgehen, erfolgte dann die Einreise drei Tage früher. Rückkehr über Prag in die DDR am 03.08.1988.

Nachdem am 26.08.1989 auf einem Menschenrechtsseminar in der Golgathakirchengemeinde in Berlin Markus Meckel mit einer Initiative zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei an die oppositionelle Öffentlichkeit gegangen war, schlug er der Initiative vor, den Aufruf an die westlichen Medien zu geben. Was abgelehnt wurde. Der Aufruf sollte zunächst in der DDR verbreitet werden. Werner Fischer übergab den Text des Aufrufs eigenmächtig an einen Mitarbeiter der Deutschen Presseagentur.

Eine Erklärung vom 15.04.1989 unterschrieb er, in der begründet wird, warum er an der Kommunalwahl am 07.05.1989 nicht teilnehmen werde. Von geheimer und freier Wahlen kann nicht die Rede sein. Eigene Kandidaten konnten nicht aufgestellt werden, wird neben anderem als Begründung angeführt.

Mitte 1989 beklagte er, es gebe in der DDR keine Öffentlichkeit für alternative Konzepte. Mitarbeit am Kontakttelefon welches in einem Büro der Berliner Gethsemanekirche eingerichtet war. In der Erlöserkirche in Berlin-Lichtenberg verlas er am 06.10.1989, auf der Veranstaltung "Wie weiter mit der DDR?", eine Erklärung.

Mitbegründer der Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM). Sprecher der IFM. Teilnehmer am Zentralen Runden Tisch. Vorsitzender der AG-Sicherheit des Zentralen Runden Tisches. Beauftragter für die Auflösung des MfS (später Amt für Nationale Sicherheit) unter der Regierung Modrow. Am 24.01.1990 erläuterte er seine Vorstellung zur Auflösung des ehemaligen Amtes für Nationale Sicherheit dem, Regierungschef.

Er war Mitglied des Dreierrats der "Dreiergruppe" des Zentralen Runden Tisches, sie sollte gleichberechtigt mit Regierungsvertretern die Leitung der Auflösung des ehemaligen Amtes für Nationale Sicherheit übernehmen.

Er erhielt mehrere Morddrohungen. Weiblichen IMs unterstellte er eine geringere politische Motivation als männlichen, häufig seien sie psychisch labil gewesen und sie seien eher missbraucht worden. (1)

Aus Unmut über die bisherige langsame Stasi-Überprüfung drohte er sein Wissen über Stasiverstrickungen von Abgeordneten öffentlich zu machen. Nachdem er den Namen des Umweltministers heraus gehauen hatte, verlor dieser auch bald seinen Posten.

Wurde während der Regierung Lothar de Maizière wegen angeblich "fundamentalistischen" Ansichten zur Stasi ausgebootet. Fand danach vorübergehend beim Magistrat und Senat von Berlin ein Betätigungsfeld zur Stasiauflösung. Bereits im Oktober 1990 verlangte die CDU-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung seine Beurlaubung. (2) Wegen Unbotmäßigkeit musste er 1992 seinen Platz in der Kommission zur Stasi-Vergangenheit räumen. Nach seiner Aussage in der Berliner Zeitung, wurde ihm kurz vorher ein neuer Arbeitsvertrag angeboten mit Beamtendisziplin und Schweigen gegenüber der Presse. "Das wäre ja so wie in der DDR gewesen", sagte er. (3)

Im selben Jahr Pressesprecher der Bundestagsgruppe Bündnis 90.

Er begrüßte die Veröffentlichung der Namen der Stasi-MitarbeiterInnen in der NF-Zeitung "Die Andere".

1992 forderte er den Rücktritt des brandenburger Ministerpräsidenten Manfred Stolpe wegen seiner Stasi-Kontakte. (4) 1993 warf er Friedrich Schorlemmer vor die Ideale der Bürgerbewegung auf dem Altar der Kollaboration zu verbrennen, nachdem der sich für die Schließung der Stasi-Akten und deren Verbrennung ausgesprochen hatte. (5)

Als Regierungsbevollmächtigter für die Auflösung des MfS begleitete er Ibrahim Böhme bei seiner Akteneinsicht am 30.03.1990 in der Normannenstraße in Berlin-Lichtenberg.

Einen Offenen Brief an Sportlerinnen, Sportler, Verbände und Sponsoren zur Teilnahme an den Olympischen Spielen in China unterschrieb er im April 2008. In im heißt es: "Auch weil sich bereits zwei deutsche Diktaturen mit den Leistungen von Sportlern schmückten, ist die öffentliche Debatte zu diesem Thema notwendig und die Teilnahme an den Spielen in Peking eine Gewissensfrage."

Er unterschrieb einen Offenen Brief vom 28.06.2019, indem gegen den geplanten Auftritt von Gregor Gysi am 09.10.2019 in der Peterskirche in Leipzig protestiert wird.

Es kam in der DDR vor, dass ein Brief zur Vorladung nicht beim ihm im Briefkasten sondern in seiner Wohnung direkt landete. Auch von der Stasi beliebt, zur Zersetzung Dinge in der Wohnung bei Abwesenheit an einen anderen Platz zu stellen, kam gegen ihn zur Anwendung.

Seit 2005 ist Werner Fischer Rentner.

Ist in der Kulturinitiative "Förderband" in Berlin-Mitte tätig.

Am 9. Oktober 1995 erhielt er in Leipzig das Bundesverdienstkreuz.

In einem Gespräch 1990 meinte er, also den Sozialismus in Frage zu stellen, war nie anliegen der Initiative. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass das, was man uns hier als Sozialismus verkauft hat - um mit Biermann zu sprechen - der falsche Hut ist. Und, das Demokratiemodell der BRD hat früher auf uns überhaupt keinen Reiz ausgeübt. (6)

Auf das Neue Forum war er nicht gut zu sprechen. Während der neuen Organisation Neues Forum im Herbst 1989 die Bude eingerannt wurde, rief niemand nach der alten Organisation Initiative Frieden und Menschenrechte.

(1) die tageszeitung, 08.03.1993
(2) die tageszeitung, 10.10.1990
(3) Berliner Zeitung, 7./8.11.2009
(4) die tageszeitung, 14.04.1992
(5) die tageszeitung, 12.11.1993
(6) Werner Fischer in: Hagen Findeis, Detlef Pollack, Manuel Schilling: "Die Entzauberung des Politischen", Ev. Verlagsanstalt 1994, S. 102 und S. 105

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