Produzierendes Nationaleinkommen wuchs nur um zwei Prozent
Information über Schwerpunkte der wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 1989
Nach vorläufigen statistischen Berechnungen wurden das produzierte Nationaleinkommen in der DDR um 2 Prozent, die industrielle Warenproduktion in der Volkswirtschaft um 2,3 Prozent und in der Industrie um 2,5 Prozent gegenüber 1988 erhöht. Diese Wachstumsraten liegen jedoch unter den Zielen. So sah das Gesetz über den Volkswirtschaftsplan 1989 Steigerungen um 4,0 und 3,5 bzw. 4,2 Prozent in den genannten Kennziffern vor.
Industrie:
Der erstmals im November eingetretene Produktionsrückgang gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres setzte sich im Dezember mit einem arbeitstäglichen Rückgang um 4,5 Prozent fort. Je Arbeitstag wurden im Dezember Waren in Höhe von 1 540 Millionen Mark produziert. Der Durchschnitt für das Jahr 1989 beträgt insgesamt 1 615 Millionen Mark. Geplant war eine industrielle Warenproduktion je Arbeitstag von 1 636 Millionen Mark.
Im Dezember waren in der Industrie durchschnittlich 95 000 Arbeiter und Angestellte - das sind 3,3 Prozent - weniger beschäftigt als im Dezember 1988. Die Arbeitsproduktivität auf Basis der industriellen Warenproduktion lag gegenüber dem Vorjahr arbeitstäglich um 3,7 Prozent höher. Für das Jahr 1989 wird in der Industrie mit einer Senkung der Kosten je 100 Mark Warenproduktion um 0,1 Prozent gerechnet. Im Gesetz waren 1,3 Prozent festgelegt.
Die Probleme der sortiments-, qualitäts- und termingerechten Produktion haben sich, insbesondere seit dem IV. Quartal 1989, verschärft. Am Jahresende waren von den Betrieben im Bereich der Industrieministerien Verträge in Höhe von 3,6 Milliarden Mark nicht realisiert.
44 Prozent der Staatsplanpositionen sind erfüllt bzw. überboten worden. Insgesamt stiegen jedoch auf diesem Gebiet die Rückstände. Der Produktionsausfall bei 216 Positionen betrug 4,8 Milliarden Mark per Ende 1989. Rückstände gibt es sowohl bei Konsumgütern als auch bei Zuliefererzeugnissen und Investitionsgütern. Dazu gehören unter anderem Wälzlager, Industriegetriebe, Armaturen, Elektroinstallationsmaterial, Elektromotoren, Ersatzteile für Landmaschinen, Folien für die Möbelindustrie, Flaschen für Lebensmittel sowie LKW- und PKW-Reifen. Bei Investitionsgütern betrifft es beispielsweise Werkzeug- und Landmaschinen, Vermittlungseinrichtungen für Telefone und Telegrafie sowie Ausrüstungen für Walzwerke, für die Textil-, Bekleidungs- und Lederindustrie.
Bauwesen:
Die Bauproduktion stagnierte gegenüber 1988 vor allem durch erhebliche Rückgänge im November und Dezember. So lag beispielsweise die arbeitstägliche Bauproduktion im Dezember 1989 um 8,2 Prozent unter der vom Dezember 1988. Die Zahl der Arbeiter und Angestellten sank in diesem Monat um 24 000 - das sind 4,3 Prozent - gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres: Die Produktivität stieg 1989 arbeitstäglich um 2,7 Prozent Ende 1989 bestanden bei Bauleistungen Vertragsrückstände in Hohe von 785 Millionen Mark Das ist die Leistung von 6 Arbeitstagen.
1989 wurden insgesamt 83 361 Neubauwohnungen, 6 612 Rekonstruktionswohnungen und 2 374 Um- und Ausbauwohnungen fertiggestellt. Am Plan des Wohnungsneubaus fehlen 12 872 Wohnungen allein 10 960 aus den Monaten November und Dezember. An den Rückständen sind alle Bezirke beteiligt am höchsten waren sie in Berlin sowie in den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Dresden.
1 157 Wohnungen mehr als geplant, insgesamt 105 582, wurden 1989 modernisiert. Während 8 Bezirke den Plan auf diesem Gebiet überboten, erreichten die Bezirke Leipzig, Gera, Dresden, Halle, Cottbus und Karl-Marx-Stadt sowie Berlin die Ziele nicht.
Größere Rückstände gab es in allen Bezirken bei der Fertigstellung von Gemeinschaftseinrichtungen. Die Baureparaturen stagnierten gegenüber dem Vorjahr.
Landwirtschaft:
Das geplante staatliche Aufkommen tierischer Erzeugnisse ist 1989 erfüllt worden. Es lag bei Schlachtvieh um 22 500, bei Milch um 245 000 Tonnen und bei Eiern um 179 Millionen Stück über dem Niveau des Vorjahres.
Die langanhaltende Trockenheit im Frühjahr und Sommer 1989 beeinträchtigte die Erträge bei allen Fruchtarten mit Ausnahme der Ölfrüchte. In der Pflanzenproduktion war der Hektarertrag mit 46,8 Dezitonnen - berechnet an Getreideeinheiten - um 2,4 Prozent höher als im Vorjahr, lag jedoch um 5,1 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 1984 bis 1988 sowie 6,4 Prozent unter dem Planziel. Besonders groß waren die Ertragsausfälle bei Kartoffeln und Zuckerrüben gegenüber den Ergebnissen der letzten fünf Jahre. Der Hektarertrag von 211 Dezitonnen bei Kartoffeln und 283 Dezitonnen bei Zuckerrüben lag jeweils um 40 bzw. 34 Dezitonnen niedriger.
Staatsplan Investitionen:
Von den 1989 geplanten 115 Vorhaben wurden 99, darunter 9 vorfristig und 20 verspätet, fertiggestellt und in Dauerbetrieb genommen Zu den nicht realisierten Kapazitäten gehören Produktionsanlagen für Penicillin-Rohsalze im VEB Pharma Neubrandenburg und für Kraftfahrzeugsignalgeber und -scheinwerfer im VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla sowie Förderkapazitäten für Rohbraunkohle im Tagebau Reichwalde des VEB Braunkohlenwerk Glückauf Knappenrode.
Außenhandel:
Im Handel mit den RGW Ländern stagnierte der Export 1989 gegenüber 1988. Der Import ging vor allem durch die Senkung der RGW-Vertragspreise für Erdöl und Erdgas, um 3,2 Prozent zurück. Daraus ergab sich ein Exportüberschuss in Höhe von 0,8 Milliarden transferablen Rubel. Die Vertragsrückstände beim Export in die RGW-Länder, betrugen 275 Millionen transferable Rubel.
Der Export in die kapitalistischen Industrieländer und Entwicklungsländer wuchs um 8,5 Prozent bei gleichzeitigem Ansteigen des Imports um 6,6 Prozent. Gegenüber den kapitalistischen Industrieländern bestand ein Importüberschuss in Höhe von 1,0 Milliarden US-Dollar und gegenüber den Entwicklungsländern ein Exportüberschuss in Hohe von 0,2 Milliarden US-Dollar.
Nettogeldeinnahmen der Bevölkerung und Einzelhandelsumsatz:
Um 3,0 Prozent bzw. 4,9 Milliarden Mark wuchsen 1989 die Nettogeldeinnahmen der Bevölkerung, die Sparguthaben stiegen um 8,2 Milliarden Mark gegenüber 9,7 Milliarden Mark 1988.
Im Vergleich zum Vorjahr nahm 1989 der Einzelhandelsumsatz zu effektiven Preisen um 3,5 Prozent - das entspricht der Summe von 4,4 Milliarden Mark - zu. Das Gesetz sah eine Wachstumsrate von 4 Prozent vor. Der Verkauf von Nahrungs- und Genussmitteln erhöhte sich um 0,7 Prozent gegenüber 1988. Nicht in allen Verkaufseinrichtungen erfolgte eine ausreichende und kontinuierliche Belieferung mit Fleisch und Wurstwaren, Käse, Fisch, Gemüse und Obst entsprechend dem Bedarf der Bevölkerung.
Industriewaren wurden 1989 für 3,9 Milliarden Mark mehr gekauft als 1988. Die letzten beiden Monate des Jahres 1989 zeigen hierbei eine differenzierte Entwicklung. Während der Industriewarenumsatz im November um 12,8 Prozent über dem Vergleichsmonat 1988 lag, trat im Dezember ein Rückgang um 1,0 Prozent ein. Von 167 Industriewarenpositionen des zentralen Versorgungsplanes wurden 120 Positionen nicht erfüllt. Die Vertragsrückstände des Binnenhandels von insgesamt 624 Millionen Mark. betrafen vor allem Oberbekleidung für Damen, Herren und Kinder, Möbel und Polsterwaren Farbfernsehgeräte, Spielwaren sowie Wohnraumleuchten.
Regierungspressedienst Deutsche Demokratische Republik, Nr. 1, 23.01.1990, Herausgegeben vom Presse- und Informationsdienst der Regierung der DDR
