DDR 1989/90 Brandenburger Tor

Zahlen mahnen:
Warenproduktion ist weiter gesunken

Staatliche Zentralverwaltung für Statistik legte Januarbericht vor

Bei der industriellen Warenproduktion war im Januar 1990 das arbeitstägliche Produktionsniveau zu vergleichbaren Preisen um 5,6 Prozent niedriger als im Januar 1989 und um 2,9 Prozent niedriger als im Dezember 1989. Es entspricht etwa dem Niveau von 1986/87. Die industrielle Warenproduktion der Industriebetriebe lag im Januar um 410 Millionen Mark bzw. 1,1 Prozent unter dem Ziel. Ursache des Produktionsrückgangs sind nicht zuletzt die anhaltend hohe Abnahme der Zahl der Arbeitskräfte sowie gestörte Kooperationsbeziehungen. Im Januar 1990 verringerte sich die Arbeitskräftezahl gegenüber Dezember 1989 im Monatsdurchschnitt um rund 30 000 bzw. 1,1 Prozent. Bei 122 der 317 monatlich abgerechneten Erzeugnisse sank der Produktionsausstoß im Januar 1990 um mehr als 10 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat.

Im Handel mit den RGW-Ländern gingen im Januar der Export um 10,8 Prozent und der Import um 12,5 Prozent gegenüber dem Januar 1989 zurück. Die Exporte in die kapitalistischen Industrieländer und die Entwicklungsländer wären zu effektiven Valutapreisen um 1,9 Prozent und die Importe um 6,1 Prozent niedriger als im Januar 1989. Im Berichtsmonat betrug der Exportüberschuss 150 Millionen Dollar. Bei den in den Produktionsbetrieben des Maschinenbaus vorliegenden Verträgen für Exporte in kapitalistische Industrieländer und Entwicklungsländer mit Liefertermin im I. Quartal 1990 ist ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres für das I. Quartal 1989 zu verzeichnen.

Das arbeitstägliche Niveau der Bauproduktion lag im Januar 1990 um 16,4 Prozent unter dem des Vergleichsmonats des Vorjahres und entspricht der Januarleistung zu Beginn der 80er Jahre. Mit 3 169 Neubauwohnungen wurden rund 1 300 Wohnungen weniger fertiggestellt als im Januar 1989.

In der Landwirtschaft war das staatliche Aufkommen im Januar bei Schlachtvieh um 1 000 Tonnen (bzw. 05 Prozent) und bei Milch um 31 000 Tonnen (bzw. 5,2 Prozent) höher, bei Eiern allerdings um 11 Millionen Stück (bzw. 2,4 Prozent) niedriger als vor einem Jahr. Die Zielstellungen für Januar wurden insgesamt. erfüllt.

Die Nettogeldeinnahmen der Bevölkerung stiegen im Januar 1990 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um 10,2 Prozent. Hauptgründe sind die Rentenerhöhung ab 1. Dezember 1989, die Erhöhung des staatlichen Kindergeldes als Ausgleich für den Subventionswegfall bei Kinderbekleidung, die gewachsenen Geldeinkünfte der LPG- und PGH Mitglieder sowie die gegenüber Januar 1989 gestiegenen Prämien. Um 1,7 Milliarden Mark reduzierten sich die Ersparnisse der Bevölkerung, vor allem weil Devisen erworben, wesentlich mehr Waren gekauft sowie höhere Beträge für Leistungen einschließlich Tourismus ausgegeben wurden.

Der Einzelhandelsumsatz zu effektiven Preisen lag im Januar 1990 um 8,2 Prozent, davon bei Nahrungs- und Genussmitteln um 4,1 Prozent und bei Industriewaren um 12,0 Prozent, über dem vom Januar 1989. Es erfolgten verstärkte Käufe in Befürchtung eines Subventionsabbaus bei Nahrungsgütern und einer Währungsreform, beträchtliche Abkäufe durch Bürger aus der BRD und Berlin (West) insbesondere im grenznahen Bereich und in Berlin, hinzu kam der Winterschlussverkauf. Die Lieferrückstände zu den im Januar 1990 fälligen Verträgen betrugen gegenüber dem Binnenhandel 156 Millionen Mark. Davon hat die Leichtindustrie Rückstände in Höhe von 104 Millionen Mark zu vertreten.

Regierungspressedienst Deutsche Demokratische Republik, Nr. 5, 20.02.1990, Herausgegeben vom Presse- und Informationsdienst der Regierung der DDR

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