DDR 1989/90Brandenburger Tor


Anlage zur Information Nr. 66/89

MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT

Bezirksverwaltung Berlin

"Friedenskreis" Berlin Friedrichsfelde

Der "Friedenskreis" wurde 1984 durch SCHULT, Reinhard gebildet. An den Zusammenkünften beteiligen sich ca. 10 bis 15 Personen, von denen bereits einige einem früher in der ESG Berlin existierenden Zusammenschluss, der ebenfalls durch SCHULT inspiriert und geleitet wurde, angehörten. Die Gesamtstärke des Friedenskreises liegt etwa bei 30 Personen. Mit Einverständnis der Leitung der Evangelischen Kirche in Berlin Brandenburg erfolgte eine Einbindung in die Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Friedrichsfelde Ost.

Die politisch ideologischen Angriffsrichtungen der Arbeit des "Friedenskreises" zielen vorrangig gegen die Friedens- und Verteidigungs-, Bildungs- und Umweltpolitik der DDR.

Eine höhere Wirksamkeit wird mit dem seit März 1987 unregelmäßig in 200 bis 300 Exemplaren herausgegebenen "Friedrichsfelder Feuermelder" (bisher 12 Ausgaben) angestrebt. Auch mit diesem Pamphlet wird zunehmend versucht, die Politik der Partei zu diskreditieren mit verleumderischen Behauptungen, die Menschenrechte in der DDR werden eingeschränkt bzw. unterdrückt.

Die Arbeit des "FK" wird über Jahre durch Profilierungsbestrebungen von Führungskräften bestimmt, die eine Reihe von Aktivitäten unwirksam machten und mehrfach zu Differenzierungen führten. Daraus entstanden u.a. die "Umweltbibliothek" und die "Arche". Ein Teil ehemaliger Mitglieder des "FK" wirkt in der "Initiative Frieden und Menschenrechte".

Diese Tendenzen wirken auch gegenwärtig noch. Ein Ausdruck dafür sind die verschiedenen Arbeitsgruppen des "FK", die im Grunde genommen immer von den gleichen Personen getragen werden und von denen sich vor allem die Ende 1986 aus dem Vorbereitungskreis eines so genannten Menschenrechtsseminars "Frieden und Menschenrechte" herausgegangene Gruppe "Gegenstimme" politisch mit starken trotzkistischen Tendenzen profiliert und einen Führungsanspruch unter den "alternativen" Gruppen anstrebt. Beispiele dafür sind u. a. ein "Offener Brief" an die Mitglieder der SED und SPD vom Februar 1988 als "Diskussionsplattform für einen Dialog" sowie die stärkere Beschäftigung mit ökonomischen Fragen.

Neben der thematisch orientierten Tätigkeit in den Arbeitsgruppen, in denen sich vorrangig mit theoretischen Auseinandersetzungen mit aktuell politischen Problemen und der Erarbeitung von Dokumenten, Papieren, Stellungnahmen und dergleichen beschäftigt wird, wurden durch Führungskräfte des "FK" verschiedene, auch öffentlichkeitswirksame Aktivitäten organisiert und koordiniert, wie

- Organisation und Durchführung von Solidarisierungsaktionen ("Frürbittgottesdienste") für inhaftierte feindliche Kräfte nach der Kampfdemonstration für Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg im Januar 1987

- Durchführung von Veranstaltungen im Rahmen einer so genannten "IWF Aktionswoche" im September 1988

- Organisation und Durchführung von Solidarisierungsaktionen im Zusammenhang mit der Relegation von 4 EOS-Schülern in Berlin

- Organisierung und Durchführung eines so genannten Volksbildungsseminars mit dem Thema "Wer hat bloß die Volksbildung erfunden?" im Juni 1989.

Durch die Mitglieder des "FK" bestehen vielfältige persönliche Kontakte zu Mitgliedern anderer Zusammenschlüsse in der Hauptstadt und der Republik, vorrangig zur "Initiative Frieden und Menschenrechte" und der "Kirche von Unten".

Führungskräfte des "Friedenskreises" unterhalten ständige Verbindung in das NSA, u. a. zur Feindperson JAHN, Roland und dem Sender "Radio 100"/Sendereihe "Radio Glasnost" sowie zu

- PRAGAL, Peter - Korrespondent des "Stern"

- RÖDER, Jürgen - Korrespondent von epd

- SCHLEICHER, Roland - Korrespondent der TAZ

zum Informations und Materialaustausch:

Organisatoren

(...)

Aktive Mitglieder

(...)

BStU, MfS, BV Berlin, BdL-6

Vor Erscheinen der ersten Nummer des "Friedrichsfelder Feuermelder" gab das MfS eine gefälschte Ausgabe 1/87 heraus.

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