DDR 1989/90Brandenburger Tor


Für das Neue Forum antworteten:

Dietlind Glüer, Pastor Joachim Gauck und Dr. Harald Terpe

Erstens: Wir sorgen uns besonders um die älteren Menschen, die bisher immer zu kurz kamen. Deshalb werden wir uns für eine angemessene gerechte Altersversorgung und die Sicherung der Spareinlagen einsetzen. Mieterschutz und das Recht auf Arbeit sollen gesichert werden. Dabei geht es insbesondere auch um die Sicherung des Arbeitsplatzes für die Frauen. Wir brauchen weiterhin eine Subventionierung der Kindereinrichtungen. Nur so werden die Frauen auch wirklich die Möglichkeit haben, einer Arbeit nachgehen zu können. Zusammenfassend sei gesagt: Die Marktwirtschaft wird kommen, und wir begrüßen dies, doch legen wir die Betonung auf soziale Marktwirtschaft.

Zweitens: Wir unterstützen starke, freie und unabhängige Gewerkschaften. Wir fordern Betriebsräte, die bereits zu diesem Zeitpunkt bei der Umstrukturierung für unser Land Mecklenburg/Vorpommern aktiv mitwirken. Schon jetzt sehen wir Möglichkeiten für die Neuschaffung von Arbeitsplätzen, zum Beispiel in der eine Landesstruktur nicht zerstörenden Tourismuswirtschaft und im Dienstleistungswesen. Weiterhin wird die Bedeutung als "Transportschiene" sowohl nach Osten als auch nach Norden hin ausgebaut werden. Überdacht gehört u.a. eine alternative Energieindustrie, wobei zum Beispiel die Windkraft stärker genutzt werden kann. Die Nähe der Uni wird sich bei allem als innovativ und Impulse gebend erweisen.

Drittens: Der Reichtum unseres Landes Mecklenburg/Vorpommern besteht in der Schönheit seiner Landschaft. Wir wollen deswegen Naturschutzgebiete entwickeln helfen, denken an einen großen Nationalpark, und wir brauchen dringend entsprechende gesetzliche Regelungen zum Schutz der Natur. Der Tourismus darf nicht zerstörerisch wirken, deshalb orientieren wir statt auf Hotelketten auf ein landschaftsangepasstes Pensionswesen. Weiterhin werden wir eine landschaftstypische ökologische Landwirtschaft brauchen. Ob dann Großviehanlagen noch möglich sein werden, wird zu prüfen sein.

Viertens: Die Kommunen werden sehr selbständig arbeiten und endlich auch Entscheidungsbefugnisse besitzen. Mit einer zentralstaatlichen Bevormundung wird Schluss gemacht werden. Außerdem wird sich in Zukunft für die Kommunen auszahlen, wie sie wirtschaftlich dastehen.

Fünftens: Bisher stand die Gleichberechtigung der Frau zwar auf dem Papier, aber es ging doch vieles eindeutig zu Lasten der Frauen. Wir wollen auch die politische Tätigkeit der Frauen fördern. Im Neuen Forum haben sie auf jeden Fall alle Chancen. Wir denken aber auch an den Ausbau der Halbtagsarbeit, die vielen Müttern mit ihren Kindern entgegenkommen würde, und bisher kaum machbar war. Das Frauenproblem gilt es, insgesamt stärker ins Bewusstsein zu heben, deshalb unterstützen wir die Forderung nach einem Frauenzentrum in unserer Stadt Rostock.

Sechstens: ... endlich Freiheit und Demokratie und dass es sich in Zukunft als Deutschland verantwortlich fühlt für die Erhaltung der Sicherheit im europäischen Haus.

(Mit den Sprechern des Neuen Forums sprach unser Redaktionsmitglied Anette Pröber.)

aus: Ostsee-Zeitung, Nr. 51, 01.03.1990, 39. Jahrgang