DDR 1989/90Brandenburger Tor


Di. 5. September 1989


Ungarns Regierung hat die Hoffnungen der auf Ausreise in den Westen wartenden DDR-Bürger auch am Dienstag stark gedämpft. Ursprünglich war an diesem Tag mit der Massenausreise gerechnet worden. Der Staatssekretär im Außenministerium, Ferenc Somogyi sagte in Budapest, eine Lösung des Flüchtlingsproblems könnte "noch Tage, wenn nicht Wochen" dauern. Ähnlich hatte sich kürzlich auch Innenminister Istvan Horvath geäußert, diese Aussage am Dienstag allerdings wieder relativiert.

In einem der Budapester Auffanglager kündigten DDR-Flüchtlinge einen unbefristeten Hungerstreik ab Freitag an, wenn bis dahin keine Lösung gefunden sei.

In der bundesdeutschen Botschaft in Prag hat sich die Lage weiter verschärft. Mittlerweile halten sich dort 300 Ausreisewillige auf.
(Frankfurter Rundschau, Mi. 06.09.1989)

In der Nähe von Flüchtlingslagern in Ungarn eröffnet das DDR-Außenministerium Beratungsstellen. Vor dem Lager Zugliget fuhr dazu ein Campingwagen auf.

Den Rückkehrwilligen aus der DDR wird Straffreiheit zugesagt. Auch wird versichert, es ergeben sich für sie keine beruflichen Probleme. Falls sie einen Antrag auf Ausreise in der DDR stellen wird ihnen ein Rechtsbeistand zugesagt. Dazu werden auch Flugblätter verteilt.