DDR 1989/90Brandenburger Tor


Di. 26. September 1989


Die Gewerkschaftsgruppe Künstlerisches Personal und Vertrauensleute des Deutschen Theaters/Berlin verabschiedete auf einer Gewerkschaftsversammlung am 26. September einen an den Vorsitzenden des Ministerrates der DDR gerichteten "Offenen Brief", in dem unter Bezugnahme auf die Ausreiseproblematik und Erscheinungen der "inneren Emigration" gefordert wird, die "Massenmedien in unserem Land für das Gespräch über unser Land" zu öffnen und "die Gedanken von Neues Forum und Anderen" zu veröffentlichen.
(MfS, ZAIG, Nr. 434/89, Mo. 02.10.1989)

Eine Freundschaftsgesellschaft Laos-DDR wurde in der VDR Laos gegründet Rund 2 000 Laoten, die in der DDR eine berufliche Qualifikation erhielten, sollen in die Arbeit der Organisation einbezogen werden.
(Neues Deutschland, Di. 26.09.1989)

Gespräche mit der SPD-Landtagsfraktion, mit dem DKP-Bezirksvorstand und ein Besuch der Universität Karlsruhe standen am Dienstag auf dem Programm der Delegation der SED-Bezirksleitung Dresden, die unter Leitung ihres 1. Sekretärs, Hans Modrow, Mitglied des ZK der SED, auf Einladung der baden-württembergischen SPD zu einem mehrtägigen Besuch in dem BRD-Bundesland weilt.

Vor der SPD-Fraktion im Landtag sprach Hans Modrow über die Innen- und Außenpolitik der SED. Wenn die im Ergebnis des zweiten Weltkrieges und der Nachkriegsentwicklung in Europa entstandenen Realitäten, die Souveränität, die territoriale Integrität und Unabhängigkeit europäischer Länder in ihren gegenwärtigen Grenzen angegriffen würden, sagte Hans Modrow, dann werde die Politik des Dialogs, dann werde eine wirkliche Wende zu Frieden und Abrüstung, zu Entspannung und Zusammenarbeit im Herzen Europas blockiert. Für die SED und die DDR bleibe die Bewahrung und Festigung des Friedens oberstes Gebot aller Politik. Die DDR wolle in Übereinstimmung mit dem Friedensprogramm der Warschauer Vertragsstaaten und mit eigenen Initiativen alles tun, den Abrüstungsprozess fortzuführen und unumkehrbar zu machen. In der DDR gebe es keinerlei Interesse am Rückfall in die Zeit der Konfrontation und des kalten Krieges, betonte Hans Modrow. Aber angesichts des in der BRD erhobenen Anspruchs auf die Lösung einer "offenen deutschen Frage", auf die Wahrnehmung einer "Obhutspflicht" für deutsche Bürger anderer Staaten, erweise es sich als schwer, den Kurs auf Dialog und Entspannung zu sichern. Das politische Spektakel das in diesem Zusammenhang in der BRD inszeniert werde, vergifte das politische Klima und stelle Erreichtes in Frage. Bei einem freundschaftlichen Zusammentreffen von Hans Modrow mit dem Bezirksvorsitzenden der DKP, Dieter Keller, unterstrichen beide Seiten die Notwendigkeit der Fortsetzung des Entspannungs- und Dialogprozesses. Dieter Keller erklärte, der Besuch der SED-Delegation trage zu Frieden, Abrüstung und Entspannung bei.
(Neues Deutschland, Mi. 27.09.1989)

Die Partei- und Staatsdelegation der DDR, die am 40. Jahrestag der Gründung der VR China teilnimmt, hat gestern in Peking die politischen Gespräche fortgesetzt.

Der Generalsekretär des Zentralkomitees der KP Chinas, Jiang Zemin, empfing Egon Krenz, Mitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der SED. Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR und die weiteren Mitglieder der Abordnung. Egon Krenz übermittelte herzliche Grüße des Generalsekretärs des Zentralkomitees der SED und Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, und überreichte das Glückwunschschreiben der Partei- und Staatsführung der DDR zum 40. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China.

Jiang Zemin dankte in herzlichen Worten und bat, Erich Honecker und dem Volk der DDR in seinem Namen sowie im Namen von Deng Xiaoping die besten Wünsche brüderlicher Verbundenheit zu übermitteln.

Die Begegnung verlief in einer Atmosphäre der Übereinstimmung in den Grundfragen des sozialistischen Aufbaus sowie der internationalen Beziehungen.
(Berliner Zeitung, Mi. 27.09.1989)

In Wismar konstituiert sich die Bürgerbewegung "Initiative 89".

Im Sprachenkonvikt in Berlin findet ein Treffen der Initiativgruppe zur Gründung einer Sozialdemokratischen Partei in der DDR statt. Gegenstand der Beratung ist die bevorstehende Gründung der Partei am 07.10.1989.

Im Erfurter Augustinerkloster findet eine Informationsveranstaltung vom Neuen Forum und der Gründungsinitiative des Demokratischen Aufbruch statt.

Die Bürgerbewegung "Demokratie Jetzt" beschließt die Herausgabe einer Zeitung unter dem Namen "DEMOKRATIE JETZT - Zeitung der Bürgerbewegung". Wegen Papiermangel kann sie zunächst jeweils nur auf einem Blatt und in einer Auflage von 3 000 Stück erscheinen.

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