DDR 1989/90Brandenburger Tor


Mi. 22. November


Nach Mitteilung des Sekretariats des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR begrüßen Bischof Dr. Gottfried Forck und Landesbischof Dr. Werner Leich den Vorschlag von Demokratie Jetzt zu einem Gespräch am "Runden Tisch". Beide Bischöfe halten es für wünschenswert, dass baldmöglichst alle gesellschaftlichen Kräfte der DDR zu einem intensiven Gedankenaustausch über die Zukunft des Landes zusammenkommen.

Auch das SED-Politbüro schlägt vor, wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist, dass sich die in der Koalitionsregierung vereinten politischen Parteien gemeinsam mit anderen politischen Kräften des Landes an einem "Runden Tisch" zusammenfinden, um über das neue Wahlgesetz, die Durchführung demokratischer freier Wahlen und eine Verfassungsreform zu erörtern. Auf die bereits vorhandene Existenz eines solchen Vorschlags durch Demokratie Jetzt wird nicht eingegangen.

Die LDPD tritt dafür ein, wieder das Amt des Präsidenten der DDR einzuführen, erklärt Parteivorsitzender Prof. Dr. Manfred Gerlach auf einer Pressekonferenz.

Gegen das Unterlaufen des staatlichen Außenhandelsmonopols durch ehemalige SED-Funktionäre wendet sich die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt. Sie fordert in einer Erklärung, einen unabhängigen Untersuchungsausschuss einzusetzen und Funktionäre abzulösen und zu bestrafen, die sich auf Kosten des Volkes bereichert haben.

bis hier aus: Sabine und Zeno Zimmerling, Neue Chronik DDR, 2. Folge, 1. Auflage, Verlag Tribüne Berlin GmbH 1990 ISBN 3-7303-0594-8

Wie einer dem ADN übermittelten Information zu entnehmen ist, wurde auf Initiative von Prof. Dr. Bernhard Gonnermann, Humboldt Universität Berlin, von Vertretern der Universitäten und Hochschulen der DDR aus Berlin, Leipzig, Dresden, Halle, Magdeburg, Jena, Greifswald und Erfurt am 22. November 1989 eine "Unabhängige Initiativgruppe Friedens- und Konfliktforschung, (UIFK)" gegründet. Eingeladen zur Mitarbeit sind Wissenschaftler und Studenten aller Disziplinen unserer Hochschulen und Universitäten.
(Neues Deutschland, Do. 07.12.1989)

In einem Fernschreiben an die 1. Sekretäre der SED-Kreisleitung gibt Egon Krenz Neuerungen für die Kampfgruppen vor. Beim Gelöbnis entfällt, "die Weisungen der Partei zu erfüllen".

Die Ausfuhr von Antiquitäten und Gebrauchtwaren aus der DDR wurde verboten, teilt ADN mit.

Demokratie Jetzt fordert die Firmen der "Kommerzielle Koordinierung" (KoKo) der Verfügung dem ZK der SED zu entziehen und dem Außenhandelsministerium zu unterstellen. Des weiteren wird eine unabhängige Untersuchungskommission dazu gefordert.

Demonstriert wird in Herzberg.

Stefan Heym signiert sein Buch "Fünf Tage im Juni", das erstmals in der DDR erscheinen konnte, in der Galerie Prisma in Berlin.

Zwischen dem Berliner Bezirksvorstand des DTSB und dem Landessportbund Berlin wird eine engere Zusammenarbeit vereinbart.

In Berlin konstituiert sich die "Arbeitsgemeinschaft Berliner Architekten". Sie will sich einsetzen für grundlegende Reformen in Architektur und Städtebau.